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VKU sieht das Modell der deutschen kommunalen Abfallwirtschaft durch Eurostat bestätigt
bvse: Deutschland kann mehr Recycling - Eurostat-Zahlen belegen Stagnation

2014-03-27 In der EU28 wurden 492 kg kommunaler Abfall pro Person im Jahr 2012 erzeugt, während 480 kg kommunaler Abfall pro Person behandelt wurden. Diese kommunalen Abfälle wurden auf verschiedene Weise behandelt: 34% wurden deponiert, 24% verbrannt, 27% recycelt und 15% kompostiert. Für die EU4 wurde ein deutlicher Anstieg des Anteils der recycelten oder kompostierten kommunalen Abfälle verzeichnet, von 18% im Jahr 1995 auf 42% in 2012. Deutschland liegt dabei deutlich über dem EU-Durchschnitt: Hier machen Recycling und Kompostierung insgesamt 65 Prozent der Abfallbehandlung aus. Dies zeigten die neusten Zahlen von Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, loben sich die kommunalen Unternehmen. Eurostat belege es schwarz auf weiss. In Deutschland werden nur 47 Prozent der Haushaltsabfälle recycelt, bemängeln die mittelständischen Entsorger im bvse. Was sich im europäischen Vergleich gut mache, sei tatsächlich aber ein Beleg dafür, dass es seit Jahren keinen wirklichen Fortschritt beim Ausbau des Recyclings in Deutschland gibt.

Das Aufkommen kommunaler Abfälle variiert deutlich zwischen den Mitgliedstaaten. Dänemark, mit 668 kg pro Person, hatte das höchste Abfallaufkommen im Jahr 2012, gefolgt von Zypern, Luxemburg und Deutschland mit geringeren Werten, jedoch mit mehr als 600 kg pro Person sowie Malta, Irland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Finnland und Griechenland mit Werten zwischen 500 und 600 kg. Im Vereinigten Königreich, in Litauen, Spanien, Schweden, Bulgarien, Belgien, Portugal und Ungarn wurden zwischen 400 und 500 kg Abfall pro Person erzeugt, während diese Werte in Kroatien, Rumänien, Slowenien, der Slowakei, Polen, der Tschechischen Republik, Lettland und Estland unter 400 kg pro Person lagen.

bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock: "Mit dieser Bilanz können wir uns sicher nicht zufrieden geben. Die Recyclingwirtschaft in Deutschland kann erheblich mehr. Die Politik ist gefordert, den von ihr zu verantwortenden Stillstand durch wirksame Impulse abzulösen."  „Deutschlands Vorreiterrolle beim Thema Recycling wird damit deutlich. Das ist vor allem das Verdienst der kommunalen Abfallwirtschaft“, so Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).  

Nach Auffassung des bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. gibt es eine Reihe von Stellschrauben, die "neu justiert" werden müssen. Das Elektro-Gesetz müsse jetzt zügig umgesetzt werden, nachdem der erste Entwurf mit erheblicher Verzögerung von der Bundesregierung vorgelegt wurde. Mit anspruchsvolleren Erfassungsquoten, zusätzlichen Sammelstellen und wirksamen Maßnahmen um den illegalen Export von E-Schrott zu verhindern, könnten in Zukunft deutlich mehr ausrangierte Elektrogeräte in Deutschland recycelt werden.

Auch das Kreislaufwirtschaftsgesetz bietet nach Ansicht des bvse noch Verbesserungspotenzial. So sollten nach Auffassung des Verbandes die Möglichkeiten der haushaltsnahen Sammlung durch private Unternehmen deutlich erweitert werden. Rehbock: "Es gibt zu viele Kommunen, die auf ihrem Monopol beharren. Das schadet dem Recycling und der Sekundärrohstoffgewinnung."  

Erhebliche Wachstumschancen ergeben sich zudem, wenn die Politik endlich ein Wertstoffgesetz auf den Weg bringt. "Seit mehr als vier Jahren geistert dieses Gesetz als Bummelzug umher. Die neue Bundesregierung ist jetzt gefordert aus dem Bummelzug einen Schnellzug zu machen. Die Ankündigung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks in der zweiten Jahreshälfte dieses Thema in Angriff zu nehmen begrüßen wir deshalb", betont Rehbock. Das neue Wertstoffgesetz soll ermöglichen, dass nicht nur Verpackungen, sondern auch nicht mehr gebrauchsfähige Produkte in einer Wertstofftonne gesammelt und recycelt werden. Gleichzeitig setzt sich der Verband dafür ein, die Recyclingquoten zu erhöhen. 

Einen weiteren Schub für mehr Recycling könnte auch dadurch erreicht werden, dass mehr Recyclingprodukte verwendet werden. Die Palette reiche dabei von Recyclingpapier über Kunststoffprodukte für Haushalt und Wirtschaft und Recyclingbaustoffe für Hoch-, Tief- und Straßenbau. Die öffentliche Hand sollte hier nach Auffassung des bvse ihrer Vorreiterrolle "endlich gerecht" werden.  

Eurostat bestätigt das Modell der erfolgreichen deutschen kommunalen Abfallwirtschaft

„Deutschlands Vorreiterrolle beim Thema Recycling wird damit deutlich. Das ist vor allem das Verdienst der kommunalen Abfallwirtschaft“, so Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU).

Mit 47 Prozent hat Deutschland die höchste Recyclingquote im EU-weiten Vergleich. Ein Garant für diesen Spitzenplatz sei die kommunale Abfallwirtschaft, die seit Jahrzehnten in Deutschland eine zuverlässige, stabile und flächendeckende Abfallerfassung unabhängig von marktgetriebenen Preisschwankungen gewährleistet, behauptet Reck. Auch in der Deponierung sei Deutschland vorbildlich und habe damit das seit 2005 in der EU geltende Deponierungsverbot erfolgreich umgesetzt. Jedoch ist in vielen anderen EU-Ländern der Deponierungsanteil noch sehr hoch, weshalb der VKU der EU empfiehlt, bei der Umsetzung des Deponierungsverbots nachzusteuern.

Allerdings hat Deutschland mit 611 Kilogramm pro Person nach Dänemark, Zypern und Luxemburg das höchste kommunale Abfallaufkommen. „Zur Abfallvermeidung, die von der EU-Kommission im Abfallrecht bereits zur obersten Pflicht erklärt wurde, sind europäische und nationale Gesetze mit größerer Lenkungswirkung wichtig“, so Reck. Aus VKU-Sicht sind vor allem die Potenziale für Maßnahmen in der Entwicklung und Konzeption eines Produktes noch nicht hinreichend ausgeschöpft, um Abfälle zu vermeiden. Hersteller müssen verpflichtet werden, für ihre Produkte im Sinne eines umwelt- und recyclingfreundlichen Ökodesigns und einer ressourcen- und abfallsparenden Produktionsweise Verantwortung zu übernehmen. Um ihre Wirkung zu entfalten, muss Produktverantwortung so ausgestaltet sein, dass sie konkrete Anreize für die Abfallvermeidung und das Recycling setze.

Die derzeitige Überprüfung der Abfallziele durch die EU-Kommission ist aus Sicht des VKU ein Schritt in die richtige Richtung, um die europäische Abfallpolitik hin zu einer gemeinsamen europäischen Recyclinggesellschaft weiterzuentwickeln. „Ambitionierte, aber für alle EU-Mitgliedstaaten realisierbare Ziele sind erforderlich“, so Reck. „Das Ende der Deponierung kann nur im Einklang mit der Zunahme des Recyclings und der energieeffizienten thermischen Verwertung erreicht werden, was die bewährten abfallwirtschaftlichen Strukturen in Deutschland und auch anderen Mitgliedstaaten der EU beweisen.“ Das stoffliche Recycling von Kunststoffabfällen muss aus Sicht des VKU immer dann Vorrang haben, wenn diese tatsächlich zu wirtschaftlichen Konditionen hochwertig recycelbar sind und für die Sekundärkunststoffe eine Nachfrage seitens der produzierenden Industrie besteht, umschreibt der Hauptgeschäftführer die Affinität zur Müllverbrennung. Reck: „Quantitative Ziele müssen dabei mit qualitativen Zielen Hand in Hand gehen. Ansonsten kann es im Verhältnis zu anderen Verwertungsverfahren – vor allem ökologisch oder ökonomisch – zu einer nachteiligen Entscheidung kommen.“

Während europaweit noch immer 34 Prozent aller Abfälle auf Deponien landen, liegt dieser Wert in Deutschland bei null
EU: Deutschland führend bei Recycling

Das Aufkommen kommunaler Abfälle variiert deutlich zwischen den Mitgliedstaaten
Umwelt in der EU28: 2012 wurden 42% der behandelten kommunalen Abfälle recycelt oder kompostiert

Im Jahr 2012 wurden 42% der behandelten kommunalen Abfälle recycelt oder kompostiert




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