europaticker:

Überblick über Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende
Monitoring-Bericht zum Stand der Energiewende verabschiedet

2014-04-08 Das Bundeskabinett hat heute den vom Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, vorgelegten zweiten Monitoring-Bericht "Energie der Zukunft" verabschiedet. Er gibt einen Überblick über Fortschritte und Herausforderungen bei der Umsetzung der Energiewende in den Bereichen Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Kraftwerke, Stromnetze, Treibhausgasemissionen und Energiepreise. Der Monitoring-Prozess überprüft laufend die Umsetzung der Energiewende und des Energiekonzeptes 2010 der Bundesregierung. Eine unabhängige Kommission aus vier renommierten Energie-Experten begleitet diesen Prozess und hat ihre Stellungnahme zum Monitoring-Bericht (PDF: 2,27 MB) heute Bundesminister Gabriel übergeben. 

Bundesminister Gabriel: "Die Energiewende hat eine klare Zielrichtung: Eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung ohne Kernenergie mit stetig wachsendem Anteil erneuerbarer Energien und steigender Energieeffizienz. Die EEG-Novelle ist ein entscheidender Schritt auf diesem Weg, weitere werden folgen. Der Monitoring-Bericht macht deutlich, dass die Energiewende mehr umfasst, als die Entwicklungen im Strombereich. Es kommt auch maßgeblich auf Wärme und Effizienz in Industrie, Gebäuden und Haushalten an. Das geht in der Diskussion zuweilen unter." 

In ihrer Stellungnahme geht die Experten-Kommission davon aus, dass das anspruchsvolle Ziel der Bundesregierung, den Anteil Erneuerbarer am Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 18 Prozent zu erhöhen, erreichbar scheint. Sie unterstreicht zudem die Bedeutung der Energieeffizienz für die Energiewende und sieht hier weiteren Handlungsgebedarf. Die Stellungnahme wird dem Bericht der Bundesregierung als Anlage beigefügt und veröffentlicht.

Am 8. April wurden der Gesetzentwurf des novellierten EEG und die Anlagenregisterverordnung vom Kabinett beschlossen
Die schnelle und grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist eine der Hauptaufgaben der neuen Bundesregierung. Die Reform soll den Ausbau der erneuerbaren Energien konsequent und planvoll vorantreiben, und gleichzeitig Bezahlbarkeit sowie Versorgungssicherheit für die Bürger und die Wirtschaft sicherstellen. Die Reformen bleiben aus Sicht der IHK Berlin hinter den Erwartungen zurück. Sinkende Kosten für die Stromverbraucher sind auf mittlere Sicht nicht zu erwarten. Stattdessen werden wichtige Entlastungen für Unternehmen weiter eingeschränkt. Der Regierungsentwurf für ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist nach Ansicht des Präsidenten der WirtschaftsVereinigung Metalle, Oliver Bell, ein wichtiger Beitrag zur Stabilisierung der internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie. "Mit der EEG-Novelle hat die Bundesregierung grundlegende Reformschritte auf den Weg gebracht. Dies ist eine gute Basis, um die Erneuerbaren schrittweise in den Markt zu führen und sie in die Verantwortung für das System einzubinden. Der BDEW hat die verpflichtende Direktvermarktung und die geplante Ermittlung der Förderhöhe im Wettbewerb lange gefordert. Diese beiden Komponenten sind jetzt die Grundlage für einen systemverträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Für Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, ist der erforderliche Spielraum geschaffen, die Entlastungen für stromintensive Unternehmen in der nationalen Gesetzgebung so zu gestalten, dass eine wettbewerbsfähige Stahlproduktion in Deutschland weiterhin möglich bleibt“.Der Reformwille, den die Bundesregierung bei der EEG-Reform gezeigt hat, ist für Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), erfreulich“.
EEG-Reform ist für Gabriel ein Neustart der deutschen Energiewende

Unabhängigen Expertenkommission zum Monitoring-Bericht der Bundesregierung: Gemischte Bilanz beim Fortschritt der Energiewende

Die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess "Energie der Zukunft" zieht in ihrer Stellungnahme zum Monitoring-Bericht der Bundesregierung für das Berichtsjahr 2012 eine gemischte Bilanz der Energiewende. Während sich die erneuerbaren Energien auf dem Zielpfad befinden, sind die Reduktion der Treibhausgasemissionen sowie die Fortschritte bei der Energieeffizienz noch unbefriedigend. Hier hat die Bundesregierung klare Prioritäten angekündigt, die es jetzt umzusetzen gilt.

Nach Überzeugung der Expertenkommission ist die Energiewende durch zwei Oberziele bestimmt: die Senkung der Treibhausgasemissionen um mindestens 80 Prozent bis zum Jahr 2050 und den Ausstieg aus der Kernenergienutzung bis Ende 2022. Um die Entwicklungen differenziert und doch handlungsleitend zu erfassen, diskutiert die Monitoring-Kommission in ihrer Stellungnahme zehn Leitindikatoren der Energiewende.

Da die Treibhausgasemissionen in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland wieder gestiegen sind, droht eine Verfehlung des Minderungsziels von 40 Prozent bis 2020. Die Bundesregierung spricht in ihrem Monitoring-Bericht dann auch von einer erwarteten Senkung der Treibhausgasemissionen von lediglich 35 Prozent. Diese Zielverfehlung wird sich nur vermeiden lassen, wenn zusätzliche energie- und klimapolitische Maßnahmen implementiert werden. Neben Anstrengungen zur Emissionsminderung in den Sektoren außerhalb des Emissionshandels ist zur Erreichung des deutschen Klimaschutzziels insbesondere auch eine aktive Beteiligung an einer strukturellen Reform des europäischen Emissionshandels wünschenswert.

Bei der Emissionsminderung sollten sich Anstrengungen vor allem auf eine kräftige Reduktion des Energiebedarfs für Wärme konzentrieren, bei gleichzeitig fortgesetztem Ausbau der regenerativen Energien. Bisher verlief die Steigerung der Energieeffizienz eher verhalten. Dies gilt für die gesamtwirtschaftliche Ebene ebenso wie für die Entwicklungen in den einzelnen Endenergiesektoren. In Zukunft sollten Effizienzmaßnahmen im Gebäudebereich, aber auch im Verkehr höchste Priorität erhalten.

Bei den erneuerbaren Energien kann das Ziel, bis zum Jahr 2020 den Anteil am Bruttoendenergieverbrauch auf 18 Prozent zu erhöhen, aus heutiger Sicht erreicht werden. Wie schon in den vergangenen Jahren ist dabei der Ausbau im Stromsektor weiterhin die treibende Kraft. Im Wärmesektor befindet sich der Ausbau erneuerbarer Energien im Zielkorridor für das Jahr 2020. Im Verkehrsbereich wurde im Jahr 2012 ein regenerativer Kraftstoffanteil von 5,7 Prozent erreicht, womit zum wiederholten Male der im Biokraftstoffquotengesetz vorgegebene Anteil von 6,25 Prozent verfehlt wurde.

Die Energiewende soll den nicht-quantifizierten Zielen Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit Rechnung tragen. Bei der Umweltverträglichkeit könnte die zunehmende Flächeninanspruchnahme auf künftige gesellschaftliche Konflikte hindeuten. Derzeit werden bereits fast zehn Prozent der Fläche Deutschlands für die Energieversorgung in Anspruch genommen.

Ein für die Versorgungssicherheit entscheidender Indikator ist der Umfang der gesicherten Erzeugungsleistung. Nach diesem Indikator zu urteilen, ist momentan in Deutschland noch kein genereller Versorgungsengpass festzustellen - trotz der Pläne vieler Kraftwerksbetreiber, einzelne ihrer Anlagen dauerhaft vom Netz zu nehmen. Allerdings drohen mit dem geplanten Abschalten der noch verbleibenden Kernkraftwerke südlich der Mainlinie lokale Kapazitätsengpässe, die durch den Rückstand beim Ausbau der Übertragungsnetze noch verschärft werden.

Obwohl die gesetzlichen Umlagen für die nicht-begünstigten Endverbraucher deutlich gestiegen sind, erhöhten sich die gesamtwirtschaftlich aggregierten Letztverbraucherausgaben für Elektrizität im Jahr 2012 nicht stärker als das nominale Bruttoinlandsprodukt und blieben auf einen nahezu unveränderten Anteil von 2,5 Prozent begrenzt. Die Expertenkommission gelangt daher zur Einschätzung, dass die bisherige Kostenbelastung durch die Energiewende für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt noch nicht so dramatisch ist, wie in der Öffentlichkeit oft dargestellt. Die im Jahr 2012 stark gestiegenen Gesamtausgaben für Erdgas und für Kraftstoffe sind vor allem auf die internationale Preisentwicklung zurückzuführen und nicht der Energiewende zuzurechnen. 

Expertenkommission zum Monitoring-Prozess "Energie der Zukunft"

Die Mitglieder der Expertenkommission sind: Prof. Dr. Andreas Löschel (Vorsitzender), Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und Universität Heidelberg; Prof. Dr. Georg Erdmann, TU Berlin; Prof. Dr. Frithjof Staiß, Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW); Dr. Hans-Joachim Ziesing, AG Energiebilanzen e.V. (AGEB)

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) gehört zu den führenden Instituten für angewandte Forschung auf den Gebieten Photovoltaik, regenerative Kraftstoffe, Batterietechnik und Brennstoffzellen sowie Energiesystemanalyse. An den drei ZSW-Standorten Stuttgart, Ulm und Widderstall sind derzeit rund 230 Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker beschäftigt. Hinzu kommen 120 wissenschaftliche und studentische Hilfskräfte.

Bild: Bundesminister Sigmar Gabriel (Mitte) mit der Expertenkommission zum Monitoring "Energie der Zukunft": Prof. Dr. Georg Erdmann, Prof. Dr. Frithjof Staiß, Prof. Dr. Andreas Löschel (Vorsitzender), Dr. Hans-Joachim Ziesing (v.l.n.r.) © BMWi/Susanne Eriksson


Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag: Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Mitglied im Deutschen Presserat (ID-Nummer 3690)
Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: 039222 66664

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken