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Mitteldeutsche Zeitung: Wer, wenn nicht Esters, sollte sich mit den juristischen
Feinheiten der Abfalldeponierung auskennen?
Wurde Sachsen-Anhalts Bergamtschef wegen Untreue von der Leitung des Amtes entbunden?

2014-01-19 Die Meldung Anfang Dezember war kurz und kaum beachtet: "Im Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) des Landes Sachsen-Anhalt wurde mit sofortiger Wirkung der langjährige Vertreter des Präsidenten und Abteilungsleiter Bergbau, Frank Esters, aus gesundheitlichen Gründen auf eigenen Wunsch von der Stellvertretung des LAGB-Präsidenten entbunden. Die Stellvertretung ist dem Abteilungsleiter Geologie, Dr. Bodo-Carlo Ehling, übertragen worden."

Spekuliert wurde, dass Esters der seit 2002 Stellvertreter des Präsidenten des Landesamtes für Geologie und Bergwesen mit Aufgabenschwerpunkten innerhalb der Bergverwaltung und Zuständigkeiten für die Öffentlichkeitsarbeit war, im Zusammenhang mit der Eröffnung der Verfahren um die vermeintlichen illegalen Abfallentsorgungen in den Tongruben von Vehlitz und Möckern (beide Jerichower Land) aus der "Schusslinie" genommen werden sollte.

Zwei Mitarbeiter seiner Abteilung und der Landrat des Landkreises Jerichower Land wurden durch den Stendaler Pressesprecher Thomas Kramer öffentlich der Korruption bezichtigt. Eine Anklage hat die Strafverfolgungsbehörde bislang nicht erhoben. Kramer ist sogar inzwischen mit einem gerichtlichen Antrag gescheitert, den Medien zu verbieten, seine Äußerung als "Beginn einer Hertzjagd gegen den Jerichower-Landrat" zu werten. Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) blieb schweigsam. Seine Vorgängerin Brigitta Wolff (parteilos) hatte zwar einmal angedeutet, das LAGB auflösen zu wollen und die Aufgaben dem Landesverwaltungsamt zuschlagen zu wollen. Scheiterte aber wohl an dem Widerstand der „Insider“. Das LAGB ist eine obere Landesbehörde im Geschäftsbereich des Ministeriums für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt.

Esters vormaliger Chef, Armin Forker, war im Zusammenhang mit dem „Ostdeutschen Müllskandal“ vom damaligen Wirtschaftsminister und jetzigen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff (CDU) nach dem oft zitierten Bericht des Politmagazins „Frontal21“ im März 2008 gefeuert worden. In dem Bericht hatte sich Partei- und Kabinettskollegin Petra Wernicke (ebenfalls CDU) zu Wort gemeldet und berichtet, dass ihr Umweltministerium seit über einen halben Jahr dem Haseloff‘schen Ministerium „Brandbriefe“ geschrieben habe, weil in den Tongruben Hausmüll abgelagert würde. Franke hat sich später auf den Präsidentensessel bis zu seiner Pensionierung „zurückgeklagt“ und die Tongrubenbetreiberin bekam vom Verwaltungsgericht bescheinigt, die Genehmigungen gaben die Ablagerungen her, obwohl inzwischen bundesweit andere Regelungen eingeführt worden waren. Zuständig war die Abteilung Bergbau, die von Frank Esters geleitet wurde.

Jetzt berichtet die in Halle erscheinende Mitteldeutsche Zeitung (MZ) unter Berufung auf Wirtschaftsstaatssekretärin Tamara Zieschang (CDU) Frank Esters sei Ende 2013 dabei fotografiert worden, wie er privaten Müll mit einem Dienst-Anhänger der Behörde auf das Gelände des LAGB an der Köthener Straße in Halle transportierte und ablud. Esters sei seither krankgeschrieben. Die Entsorgung des Bauschutts habe er inzwischen bezahlt.

"Vielleicht hat Frank Esters ja gedacht, dass am Wochenende niemand in seiner Behörde arbeitet. Wenn es so war, dann war der langjährige Chef des Landesamtes für Geologie und Bergwesen schwer im Irrtum. Denn Esters wurde nicht nur dabei beobachtet, wie er auf dem Gelände des Bergamtes in der Köthener Straße in Halle Bauschutt entsorgte. Er wurde dabei auch fotografiert“, spöttelt die MZ.

Die Beweislage war damit eindeutig und Esters soll nach MZ-Informationen auch gar nicht geleugnet haben, dass er in einem Dienst-Anhänger der Behörde die Überreste privater Bautätigkeit auf das weitläufige Areal im Nordwesten Halles fuhr.

„Offen ist bislang, warum der 57-Jährige dies tat: Als seit Jahren amtierender Behördenleiter hätte er es sich mit Sicherheit leisten können, seinen Schutt auch gegen Entgelt auf einer Deponie zu entsorgen - oder entsorgen zu lassen. Wer, wenn nicht Esters, sollte sich mit den juristischen Feinheiten der Abfalldeponierung auskennen“, fragt der Redakteur der MZ.




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