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Im Sommer 2013 wurden erstmals PFC-Werte im Wasserwerk Rauental gemeldet
Landratsamt Rastatt zu PFC-Verunreinigungen: Erst Klarheit schaffen

2014-07-15  Nachdem im Sommer 2013 erstmals PFC-Werte im Wasserwerk Rauental gemeldet wurden, haben auf Aufforderung der Landkreisverwaltung mittlerweile nahzu alle öffentlichen Wasserversorger im Zuständigkeitsbereich des Landkreises Rastatt ihr Trinkwasser auf den Schadstoff PFC untersucht. Das älteste Rastatter Wasserwerk ist seit über 100 Jahren in Betrieb. Bis 1952 hat das Wasserwerk den gesamten Wasserbedarf der Stadt gedeckt.

Die meisten Untersuchungsergebnisse im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden waren unproblematisch. Zwar ließ sich PFC gelegentlich im Rohwasser, im Trinkwasser aber nicht oder nur in Spuren weit unterhalb der gesundheitlichen Leitwerte und auch unterhalb des allgemeinen Vorsorgewertes von 0,1 Mikrogramm/l nachweisen. Nur im Bereich des Wasserversorgungsverbandes Vorderes Murgtal liegen die gemessenen Werte höher, jedoch ebenfalls noch unterhalb der gesundheitlichen Leitwerte. Der Wasserversorger ist dort derzeit dabei, einen neuen Brunnen zu erschließen, um die Belastung zu senken. Die Untersuchungen des Wasserversorgers auf PFC werden dem Gesundheitsamt regelmäßig vorgelegt. Amtsleiter Dr. Hans-Jürgen Bortel stellt fest, dass das zur Verfügung stehende Trinkwasser der öffentlichen Versorger im Landkreis Rastatt und Stadtkreis Baden-Baden die gesundheitlichen Leitwerte durchweg unterschreitet und nach aktuellem Kenntnisstand problemlos verwendet werden kann, dass aber weitere Anstrengungen unternommen werden müssen,um dem Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung Genüge zu tun. Eine akute Gefährdung bestehe nicht.

Das Landratsamt gibt Entwarnung auch für landwirtschaftliche Produkte und tierische Lebensmittel. Das belegen zahlreiche Beprobungen von Pflanzen und Früchten, Tieren und Lebensmitteln, die vom Landwirtschaftsamt und Veterinäramt durchgeführt wurden und weiterhin fortgesetzt werden. Das Gesundheitsamt und das Landwirtschaftsamt im Landratsamt Rastatt können für ihren Zuständigkeitsbereich, der sich auch auf Baden-Baden erstreckt die Verbraucher generell beruhigen: Der Genuss von Trinkwasser aus öffentlichen Versorgungen und landwirtschaftlichen Produkten ist nach derzeitigem Kenntnisstand weiterhin unbedenklich. Das ist die zentrale Botschaft einer Pressemitteilung aus dem Landratsamt Rastatt. Die Behörde hat Ämter übergreifend alle Kräfte gebündelt, das Ausmaß der Verunreinigung und deren Folgen zu eruieren, um geeignete und sinnvolle Gegenmaßnahmen zu finden. Eine enge und konstruktive Zusammenarbeit auf der Fachebene mit den Landkreiskommunen und der Stadt Baden-Baden und die Unterstützung des Regierungspräsidiums und der Landesanstalt für Umwelt, Natur und Messungen Baden-Württemberg bilden die Grundlage der Umweltschadensbearbeitung im Landratsamt, die vom Umweltministerium und vom Regierungspräsidium positiv bewertet wird.

Wie die Pressestelle im Landratsamt Rastatt weiter mitteilt, sind nach allen bisherigen Erkenntnissen und Untersuchungen und einer Vielzahl von PFC-Messungen des Grundwassers im Landkreis Rastatt Bereiche in Hügelsheim, Niederbühl-Förch und Rauental betroffen. Im Stadtkreis Baden-Baden gibt es belastete Bereiche bei Hauenebenstein und Sandweier.

Das Landwirtschaftamt beprobt seit dem Frühjahr eine Vielzahl von Nutzpflanzen in verschiedenen Wachsstumsstadien, die auf verunreinigten Böden wachsen oder mit belastetem Wasser beregnet werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Amt durch das Landwirtschaftliche Technologiezentrum, einer Landesanstalt des Landwirtschaftsministeriums. Um im Sinne einer Vorsorge bereits vor der Spargelernte erste Ergebnisse auf eventuelle Belastungen zu erhalten, wurden schon Mitte Februar Spargelpflanzen samt Wurzeln untersucht. Weiterhin wurden an 47 Standorten in den betroffenen Gebieten 96 Proben verschiedener Pflanzen entnommen. 60 Ergebnisse liegen derzeit vor. In fast allen Fällen wurde keine Aufnahme der Stoffe durch die Pflanzen nachgewiesen. Lediglich in zwei Proben wurden unbedenkliche Spuren von PFC gefunden. Nach den vorliegenden Ergebnissen und dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand nehmen die Pflanzen den Schadstoff so gut wie nicht auf. Laut Amtsleiterin Andrea Stief können Erzeugnisse aus dem Acker- und Gemüsebau ohne Bedenken verzehrt werden. Auch die Beregnungsanlagen geben nach umfangreichen Messungen mit sogenannten Tensiometer keinen Grund zur Besorgnis, da die Feuchtigkeit maximal bis zu einer Bodentiefe von 30 cm vordringt.

Das Amt für Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung untersucht seit Herbst 2013 Lebensmittel, bei denen eine Belastung beispielsweise durch Boden oder Wasser möglich ist, um ein alle Produktgruppen übergreifendes Bild einer Belastung durch PFC zu bekommen. Bis heute wurden im Landkreis Rastatt 47 Lebensmittelproben gezogen, ebenso viele in Baden-Baden. Beide Veterinärämter pflegen intensiven und ständigen Kontakt. Untersucht wurden die pflanzlichen und tierischen Lebensmittel, wie beispielsweise Erdbeeren, Kohlrabi, Rote Beete, Eier, Fleisch- und Wurstwaren von den Sachverständigen im Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg.
Nach den vorliegenden Ergebnissen wurde in keiner Probe von Blattgemüse, Obst, Salat, Fleisch oder Wurst PFC nachgewiesen. In einigen Proben von Wurzelgemüse,Eiern und Innereien von Hausschweinen wurden geringe, tolerierbare Mengen des Schadstoffs nachgewiesen, die laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit selbst für Kinder und enpfindliche Personen als gesundheitlich unbedenklich gelten, auch dann wenn man sie täglich zu sich nimmt. Beim Wurzelgemüse und den Hausschweinenieren waren diese Mengen beispielsweise so gering, dass eine 70 Kilogramm schwere Person täglich und lebenslang über 25 Kilogramm der jeweiligen Produkte essen müsste, um die täglich tolerierbare Aufnahmemenge an PFC zu überschreiten. Auch Wildschweinproben wiesen PFC in Fleisch und Nieren auf, aber ebenfalls in unbedenklichen Mengen. Dagegen wurden bei den Wildschweinlebern leicht erhöhte Werte festgestellt. Fundierte Aussagen über die Belastung von Wildinnereien sind aufgrund der geringen Zahl von Untersuchungen noch nicht möglich. Laut dem Leiter des Veterinäramtes, Dr. Peter Reith werden den-noch vorsorglich im Landkreis Rastatt keine Lebern von Wildschweinen in den Verkehr gebracht. Wie die Pressestelle weiter mitteilt, laufen die Untersuchungen ständig weiter.

Zum weiteren Vorgehen erklärt der im Landratsamt zuständige Dezernent und Erste Landesbeamte Dr. Jörg Peter, dass die Bewertungskommission in diesen Tagen das weitere Vorgehen festgelegt hat. Das Gremium, in dem neben den Fachbehörden, dem Regierungspräsidium und der LUBW auch das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau teilnahm, kam nach gründlicher Auswertung der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse zu folgender abgestimmter Vorgehensweise für die Belastungsbereiche:

Hügelsheim
Die hohen PFC-Befunde des Reservebrunnens beim Wasserwerk Hügelsheim lassen vermuten, dass sich die Verunreinigung im näheren landwirtschaftlich genutzten Umfeld befindet. Dort wurde nach jetzigen Erkenntnissen vor dem Jahr 2008 mit Papierschlämmen versetzter Kompost aufgebracht. Gemeinsam haben Landwirtschaftsamt, Umweltamt und das Landwirtschaftliche Technologiezentrum eine Beprobung des Bodens auf verschiedenen Flächen und in Tiefenhorizonten von 0 bis 30cm und 30 bis 60cm vorgenommen und dabei eine relativ hohe Belastung direkt im Zustrom des Brunnens gefunden, und zwar dort, wo der Kompost zeitweise zwischengelagert war.

Niederbühl
In einer ersten Beprobungsaktion auf 17 Flächen, die nach vorliegenden Erkenntnissen in den Jahren 2008 und 2009 mit Kompost gedüngt wurden, wurde bis auf eine Teilfläche kein PFC nachgewiesen. Und auch auf dieser Teilfläche war die PFC-Belastung mit 10 Mikrogramm/kg relativ gering. Eine zweite Beprobungsaktion wurde Ende April diesen Jahres auf Flächen durchgeführt, die nach Aussage des Bewirtschafters vor dem Jahr 2008 mit dem gleichen Kompost wie in Hügelsheim gedüngt wurden. Auf allen diesen Flächen mit 19,5 ha konnte PFC in unterschiedlicher Konzentration nachgewiesen werden, wobei die Maximalwerte als Gesamtgehalt 85 Mikrogramm/kg und im eluierbaren Anteil 10,3 Mikrogramm/l betrugen.

Orientierende Untersuchung ist abgeschlossen
Die Bewertungskommission hat festgestellt, dass die orientierenden Untersuchungen in den Bereichen Hügelsheim und Niederbühl abgeschlossen sind. Im Bereich Rauental/Kuppenheim muss noch festgestellt werden, ob die Grundwasserbelastung westlich der L 67 aus den belasteten Flächen östlich der L 67 resultiert. Die orientierende Untersuchung in diesem Bereich wird vom Umweltamt umgehend ergänzt. Für Hügelsheim und Niederbühl soll nun eine abschließende Gefährdungsabschätzung durchgeführt werden, wobei bei der Durchführung der Detailuntersuchun-gen der Verursacher als Handlungsstörer in die Pflicht genommen werden muss.

Dieses weitere Vorgehen soll laut Dr. Peter die horizontale und vertikale Ausbreitung, aber auch die qualitative und mengenmäßige Beeinflussung klären. Dazu müssen alle Bereiche, in denen sogenannte Vorsorge-, Prüf- und Maßnahmenwerte in Boden oder Grundwasser überschritten sind, auf der Grundlage des Umweltrechts weiter untersucht werden. Diese sogenannten Detailuntersuchungen sollen geeignete Gegenmaßnahmen sicherstellen. Manfred Flittner, Leiter des Um-weltamtes, weist darauf hin, dass beispielsweise vor einem eventuellen Bodenaustausch die hori-zontale und vertikale Schadstoffausbreitung ermittelt sein muss.

Nach den Erkenntnissen der Voruntersuchungen und auf der Grundlage des Bundesbodenschutzgesetzes, des Abfall—und des Wasserrechts hat das Umweltamt im Landratsamt neben der Staatsanwaltschaft eigene Ermittlungen vorgenommen und nach einer Befragung von Landwirten festgestellt, dass in den Schadstoffbereichen in Hügelsheim und Niederbühl ein Zusammenhang mit der Ausbringung von Kompost bestehen kann. Eine in Frage kommende Firma wurde zur Stellungnahme aufgefordert. Auch die Grundstückseigentümer werden in die Ermittlungen einbezogen. Eine so gewonnene Datengrundlage sei Voraussetzung für die Einleitung von Maßnahmen.
Wenn alle Ergebniss vorliegen, wird die Bewertungskommission über Sanierungsbedarfe und geeignete Maßnahmen beraten und den zuständigen Behörden Vorschläge unterbreiten.

Die Landkreisverwaltung weist darauf hin, dass PFC weltweit in der Umwelt nachgewiesen werden können und das Wissen über die Wirkungen auf den menschlichen Organismus noch lückenhaft sind. Da es sich um ein landkreisübergreifendes Problem handelt, haben Landrat Jürgen Bäuerle und Kommunalpolitiker der Region das Umweltministerium gebeten, die Arbeit der Fachbehörden vor Ort mit Rat und Tat zu unterstützen. Vertreter der Fachbehörden im Landratsamt Ras-tatt werden bei den Informationsveranstaltung am Montag und Dienstag in Rastatt und Baden-Baden Fragen beantworten und über das bisherige und weitere Vorgehen informieren.




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