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Resch: Seine Vielfliegerei ist ein Dilemma - aber seine Umwelthilfe zahlt für Flüge eine Klimaschutzabgabe
DUH: Welcher Vorstandschef predigt Nachhaltigkeit vom Rücksitz seines Spritschluckers?

2014-07-21 Resch: Seine Vielfliegerei ist ein Dilemma - aber seine Umwelthilfe zahlt für Flüge eine Klimaschutzabgabe

 

Der Einsatz klimaschonender Dienstwagen wird immer wichtiger für den Gesamtfahrzeugmarkt. Angesichts ihrer großen Fuhrparks mit hunderttausenden Autos erkundigt sich die Deutsche Umwelthilfe jedes Jahr bei den Unternehmen nach ihren Ambitionen für den Klimaschutz. 2014 hat sie 165 börsennotierte sowie ausgewählte mittelständische Firmen nach ihren Dienstwagen befragt. Am Mittwoch, 23. Juli 2014 will der Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch seine Erkenntnisse der bundesdeutschen Presse erläutern. Die "TAZ" hält Jürgen Resch für einen von Deutschlands Toplobbyisten des Umweltschutzes. Trotzdem fliegt er hunderttausende Kilometer im Jahr. Weltweit müsse er Projekte betreuen, sagt er. Außerdem liege die Zentrale der Umwelthilfe am Bodensee, nicht in Berlin.

Welcher Vorstandschef predigt Nachhaltigkeit vom Rücksitz seines Spritschluckers? lautet eine der provokanten Fragen, die die Organisation, die vielen Markteilnehmern und Suchmaschinen auch als "Abmahnverein" bekannt ist. Welches Unternehmen hat den besten Plan für eine umweltschonende Mobilität? Jürgen Resch ist einer der beiden Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Er ist Mitglied des sogenannten HON Circles bei der Lufthansa. Diesen höchsten Vielfliegerstatus erhält, wer innerhalb von zwei Jahren 600.000 Meilen fliegt. Das entspricht in etwa 28,5 Erdumrundungen.

Wer betont Transparenz in der Unternehmensphilosophie und verweigert bei der Frage nach dem Fuhrpark die Auskunft? Resch wird wohl mit seinem Anliegen an seine "Überführung" als Vielflieger gedacht haben, meint ein Journalist trocken. Im März 2007 lästerte der "Spiegel": "Einer der prominentesten Klimaschützer der Bundesrepublik, der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Jürgen Resch, könnte wegen seines eigenen Reiseverhaltens schon bald unter erheblichen Rechtfertigungsdruck geraten. Der Öko-Aktivist, der sich gern mit der Automobilindustrie anlegt und den Einsatz spritfressender Dienstwagen für Regierungsmitglieder anprangert, bevorzugt als Fortbewegungsmittel offenbar ein besonders umweltschädliches Transportmittel, das Flugzeug.

Resch gehört seit gut zwei Jahren zu einem kleinen, erlauchten Kreis von knapp 3000 Lufthansa-Vielfliegern, dem sogenannten Hon-Circle. Wer die begehrte schwarze Karte besitzt, wird vor und nach dem Flug in exklusiven Topkunden-Lounges verwöhnt und auf Wunsch sogar in einem Porsche-Cayenne direkt zum Flugzeug gebracht. Voraussetzung ist allerdings, dass der Passagier innerhalb von zwei Jahren mindestens 600 000 Meilen gesammelt hat. Das schaffen in der Regel nur Vertriebsbeauftragte großer Konzerne oder Unternehmensberater, die weltweit im Einsatz sind. Resch rechtfertigt seine rastlosen Flugeinsätze mit der Teilnahme an internationalen Klimakonferenzen und -projekten. Außerdem müsse er mehrmals pro Monat zwischen der DUH-Zentrale am Bodensee und dem Verbandsbüro in Berlin pendeln. Indirekt trägt Resch damit sogar zur Finanzierung der von ihm selbst zusammen mit Großunternehmen wie der Lufthansa initiierten Naturschutzvorhaben bei: Für jeden von ihm abgeflogenen Flugkilometer zahlt die DUH am Jahresende einen Umweltobolus in eine Projektkasse", so der "Spiegel".

Als "Stichwortgeber" durfte die TAZ dem Umweltaktivisten das Forum für seine Selbstkritik bieten: "Dass ich berufsbedingt Vielflieger bin, darüber wird seit über zehn Jahren regelmäßig berichtet. Nun hat es auch der Spiegel gemerkt. Meine persönliche Klimaschutzbilanz ist schlecht, daraus mache ich keinen Hehl. Das ist aber leider eine Folge meiner nationalen wie internationalen Umweltarbeit. Und diese beinhaltet häufig Reisen zu Konferenzen und Meetings in Asien, Afrika und Amerika. Nehmen Sie unser weltumspannendes Seen-Netzwerk Living Lakes als Beispiel". Bei Managern und Politikern nimmt man das als selbstverständlich hin, für Umweltschutzorgansistionen gelten offenbar andere Maßstäbe, mault Vielflieger Resch dann noch. Es sei einfach ein Dilemma, dem er kaum entrinnen könne.

Vorwiegend fliegt Resch mit der Lufthansa hat er dem Journalisten der "TAZ" ins Notizbuch diktiert. Immerhin gelte die Lufthansa seit Jahren als relativ energieeffizient und hat auch in der Technik Standards unter den Airlines gesetzt. Außerdem unterstützt die Kranich-Airline seit 40 Jahren Projekte zum Erhalt der Artenvielfalt und steht an erster Stelle der Spender des "EuroNatur". Die Stiftung EuroNatur wurde 1987 gegründet, initiiert vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kam später dazu. Ausgewählte Wirtschaftsunternehmen durften die Arbeit der EuroNatur Stiftung im Jahr 2012 unterstützen. Darunter: Gelsenwasser, Stadtwerke Bielefeld, Deutsche Lufthansa und Cemex. "Das sei insgesamt wenig, aber mehr, als andere machen. Dennoch, Sie haben recht, gibt sich Resch reuig: Das Dilemma bleibt. Deshalb zahlt die Umwelthilfe für ihre Flüge eine Klimaschutzabgabe".

 




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