europaticker:
Wird das Gesundheitsrisiko für den Menschen nur in Deutschland unterschätzt?
Gesundheitsgefahr durch Windräder: sind Abstände zu gering?

Zum Thema der für den Menschen von den Windkraftanlagen ausgehenden Gesundheitsgefahr werden seit langem heftige Diskussionen geführt.

Dr. med. Christian Rohrbacher, Facharzt für Innere Medizin/Psychoanalyse aus Eckernförde geht in einem Beitrag auf zahlreiche Aspekte ein und verweist auf grundsätzlich andere Herangehensweisen in anderen entwickelten Industrieländern.

„Europaticker“ veröffentlicht diese Auffassung und stellt sie zur Diskussion:

Völlig zurecht spricht sich der Kreistag Nordfriesland dafür aus, dass von der Landesregierung eine Nichtzulassungs-Beschwerde gegen das Schleswiger Urteil geprüft und gegebenenfalls eingelegt sowie eine Rechtsgrundlage geschaffen werden muss, mit der bis zur Planungsreife neuer, umfassender Regionalpläne „Bauanträge (für WKAs) zurückgestellt oder bis zum Ablauf einer Veränderungssperre zurückgewiesen werden können“.

In zukünftigen überarbeiteten Regionalplänen müssen Gesamt-Schwansen sowie weiträumig die Geltinger Birk, Schleimünde, aber auch die weiteren über 200 Naturschutzgebieten des Landes S-H frei gehalten werden von weiteren Windkraftanlagen. Das sind wir unserer Natur und den dort lebenden Seeadlern, Singschwänen, Uhus, roten Milanen, Graureihern und Kranichen und andern wertvollen Tierbeständen schuldig. Diese wunderschönen einzigartigen Naturräume dürfen nicht durch Industrieanlagen für immer zerstört werden. Dies käme wahrhaft einem Verbrechen an Tier und Natur gleich. Auf dem Altar der Profitgier bzw. einer längst aus dem Ruder gelaufenen, im Angesicht fehlender (auch in Zukunft definitiv nicht realisierbarer Speichertechnologien) und deshalb absolut sinnlosen „grünen“ Ideologie darf die Existenz schützenswerter Tierbestände nicht in Gefahr gebracht werden.

Als Arzt muss ich hinzufügen: Auch Menschenleben geraten durch Windkraftanlagen in Gefahr. Denn diese gefährden auch die Gesundheit vieler in unserem Lande lebender Menschen. Denn es soll ja unverändert weitergehen mit den bisherigen, völlig unhaltbaren Abstandsregeln der Anlagen zu Wohnstätten (in S-H: 400 m!!). Dies ist keine gute Entwicklung. Dies birgt große Gefahren. In aller erster Linie Gefahren für die Menschen, die durch den Bau von Windrädern gezwungen werden, im Umkreis von weniger als 2-3 km zu diesen zu wohnen und zu leben. Mit folgendem ist zu rechnen:
Zahlreiche internationale wissenschaftliche Studien belegen den Zusammenhang von Krankheitssymptomen und Dauerbelastung durch Schall, d.h. durch Lärm, Infraschall (Frequenzen unter 20 Hz, welche in aller Regel für menschliche Ohren nicht hörbar sind) und Körperschall (ebenfalls tiefe bis sehr tiefe unhörbare Frequenzen).

All dies geht nachweislich von Windrädern aus und kann krank machen. Den Untersuchungen zufolge entwickeln bis zu 30% der Betroffenen (manche Autoren gehen sogar von höheren Erkrankungsraten aus) folgende Beschwerden und/oder Krankheitsbilder:
Unwohlsein, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Depressionen, Angstzustände, Panikstörungen, Konzentrationsstörungen, ADS (bei Kindern), Schwindel, Übelkeit, Tinnitus, vegetative Störungen, Blutdruckanstieg. Als mögliche Langzeitfolgen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt/Schlaganfall zu erwarten und über eine Schwächung der Immunabwehr ist durchaus auch Krebs denkbar. Freilich wird letzteres Jahre dauern, doch es kann/wird früher oder später eintreten, nicht bei jedem, aber bei so manchem. Dieses Wissen ist nicht neu und sollte jedem Mediziner bekannt sein.

Ich frage mich wirklich, wie es die verantwortlichen Politiker, Projektbetreiber, Gemeindevertreter, Bürgermeister und Kommunalbehörden auf Grund dieser Faktenlage zulassen, dass Menschen weiterhin um ihre Gesundheit sowie um Hab und Gut gebracht werden.

Denn es ist durchaus auch mit einem drastischen Wertverlust betroffener Grundstücke und Immobilien zu rechnen, Schätzungen liegen bei 30-60 %, manche Häuser mögen unverkäuflich werden. Doch das wichtigste Gut, die Gesundheit der Anwohner, ist schlichtweg unbezahlbar.

Deshalb benötigen wir dringend klar definierte Mindestabstände der Räder zu jeglicher Wohnstätte (selbstverständlich auch zu Gehöften und Splittersiedlungen) von mindestens 10 mal (besser noch 15 mal) Höhe der Räder, also zu 200m Rädern mindestens 2 besser noch 3 km Abstand. Nur dann sind die dort lebenden Menschen einigermaßen sicher. Man sollte dabei auch wissen, dass gerade Kranke, Ältere, Kinder und Schwangere ganz besonders anfällig sind!

Zum Schutz der Menschen und deren Gesundheit sind im Ausland Mindestabstände definiert: Kanada: 4,0 km / Frankreich: 2,5 km / Österreich: 2,0 km England: 3,0 km / USA: 2,5 km / Schottland: 2,0 km Neuseeland: 3,0 km / Australien: 2,0 km / Irland: das 10fache an Höhe der Räder Dänemark: weit reichender Stopp für den Ausbau von Windkraft an Land bis 2017 (!!), bis zum Vorliegen der Ergebnisse einer staatlicherseits in Auftrag gegebenen Studie durch ein Krebsforschungsinstitut

Nicht so in Deutschland. Nicht so in Schleswig-Holstein. Warum? Cui bono?

PS:

Um meine Aussage „Zahlreiche internationale wissenschaftliche Studien“ zu belegen, hier nur einige wenige davon als Quellenangaben für die Redaktion:
1. Hakan Enbom, MD, PhD, HNO-Facharzt, Otoneurologe , Spezialist für Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans und Inga Malcus Enbom, HNO-Facharzt , Allergologin und Spezialistin für Überempfindlichkeitsreaktionen, beide HNO-Klinik Ängelholm, Schweden: Aus der schwedischen Ärztezeitung „Läkartidningen" 6. August 2013: Infraschall von Windenergieanlagen– ein ignoriertes Gesundheitsrisiko, 6. August 2013.

darin sind wiederum folgende Literaturangaben enthalten:

2. Woolf CJ. Central sensitization: Implications for the diagnosis and treatment of pain. Pain. 2011, 152(3 Suppl): S2–15.

3. Aguggia M, Saracco MG, Cavallini M, et al. Sensitization and pain. Neurol Sci. 2013, 34 Suppl 1:S37-40.

4. Farboud A, Crunkhorn R, Trinidade A. “Wind turbine syndrome”: fact or fiction? J. Laryngol Otol. 2013,127(3):222-6.

5. Shepherd D, McBride D, Welch D, et al. Evaluating the impact of wind turbine noise on health-related quality of life. Noise Health. 2011,13(54):333-9.

6. Arbetsmiljöverket. Buller och bullerbekämp1ning. Stockholm: Arbetsmiljöverket, 2002.

7. Salt AN, Hullar TE. Responses of the ear to low frequency sounds, infrasound and wind turbines. Hear Res. 2010, 268(1-2):12-21.

8. Todd NP, Rosengren SM, Colebatch JG. Tuning and sensitivity of the human vestibular system to low-frequency vibration. Neurosci Lett. 2008, 444(1):36-41.

9. Enbom, H. Vestibular and somatosensory contribution to postural control [dissertation] Lund: Lunds universitet; 1990.

10. Lovati C, Mariotti C, Giani L, et al. Central sensitization in photophobic and non-photophobic migraineurs: possible role of retino nuclear way in the central sensitization process. Neurol Sci. 2013, 34(Suppl):133-5.

11. Ashina S, Bendtsen L, Ashina M. Pathophysiology of migraine and tension-type headache. Tech Reg Anesth Pain Manag. 2012(16):14-8.

12. Aurora SK, Wilkinson F. The brain is hyperexcitable in migraine. Cephalalgia. 2007;27:1442-53.

13. Desmeules JA, Cedraschi C, Rapiti E, et al. Neurophysiologic evidence for a central sensitization in patients with fibromyalgia. Arthritis Rheum. 2003, 48:1420-9.

14. Mu He, Detlef Krahé, Zhiyong Deng: The EEG variation caused by the LFN, 2014.

15. Dr. Nina Pierpont, MD, PhD: Wind Turbine Syndrome & The Brain, Nov. 2010.

16. Dr. Nina Pierpont, Vortrag zum “First International Symposium on the Global Wind Industry and Adverse Health Effects: Loss of Social Justice?” (Erstes Internationales Symposium zur Globalen Windwirtschaft und Nachteiligen Auswirkungen auf die Gesundheit: Ein Verlust Sozialer Gerechtigkeit?) in Picton, Ontario, Kanada, 30.Oktober, 2010.

17. Wunder Heilung - kreuz und quer: es kommen zu Wort u.a. Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, Freiburg und Martha McClintock, Mind and Biology Institute Chicago , ORF 03.02.2015, Minuten 12:33 - 23:50.

18. Bruce McEwen, Eliot Stellar: Stress and the Individual: Mechanisms Leading to Disease, Archive of Internal Medicine, Band 153, September 1993

19. Joachim Bauer: Das Gedächtnis des Körpers, Piper Verlag, 2002.

20. Prof. Dr.ing. Detlef Krahé, Dirk Schreckenberg, Fabian Ebner, Christian Eulitz, Ulrich Möhler: Machbarkeitsstudie des Umweltbundesamtes zu den Wirkungen von Infaschall 2014.

21. Ärzteforum Emissionsschutz Bad Orb: Eine Auswahl der wichtigsten Zitate mit zusammenfassender Wertung (der Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall), Dezember 2014.

22. Zhenhua Wang: Evaluation of Wind Farm Noise Policies in South Australia: A Case Study of Waterloo Wind Farm, MA thesis, Dept. of Geography, Environment and Population, University of Adelaide (Australia), 2011.

23. Steven Cooper: Cape Bridgewater Windfarm Acoustic Study, Australien, 2015.

erschienen am: 2015-03-31 im europaticker

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