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Umweltverbände und Windenergie-Branchenverband: Windenergie und Naturschutz sind
keine Gegensätze
Im Öko-Geschäft wird mit harten Bandagen gekämpft

Die einen wollen an Spendengelder ran, die anderen kassieren Subventionen ab. Kommt man sich dabei in die Quere, kracht es – wie jetzt zwischen dem Naturschutzbund Nabu und Windkraftbeibern in Nordrhein-Westfalen, meint der verantwortliche Redakteur des Journalistenblocks "Ruhrbarone", Stefan Laurin. Der Nabu stelle Vogelschutz vor Energieerzeugung, die "Subventionsschnorrer von der Vogelschredderfraktion" wollten, dass sich die Windräder drehen – und sind nun sauer und greifen den Nabu an:

Windenergie und Naturschutz sind keine Gegensätze

Naturschutzverbände und Windenergie-Branchenverband überreichen "Gemeinsame Erklärung zum naturverträglichen Ausbau der Windenergie in NRW an Umweltminister Johannes Remmel - Energiewende in Nordrhein-Westfalen muss konsequent umgesetzt werden

Ein Bündnis aus drei Naturschutzverbänden und dem Windenergie-Branchenverband setzt sich für einen zügigen und naturverträglichen Ausbau der Windenergie in Nordrhein-Westfalen ein. Am Freitag (26. Juni 2015) überreichten die NRW-Landesverbände von BUND, NABU, Schutzgemeinsaft Deutscher Wald (SDW) und Bundesverband Windenergie (BWE) Landesumweltminister Johannes Remmel im Landtag eine Gemeinsame Erklärung. In dieser sprechen sie sich für eine konsequente Energiewende in Nordrhein-Westfalen aus, bei der die Windenergie eine tragende Rolle spielen müsse.

„Die Windenergie ist die zentrale Säule unserer Energieversorgung von morgen. Nur mit dem Ausbau dieser Zukunftsenergie können wir die NRW-Klimaschutzziele erreichen und den Energie- und Industriestandort NRW mittelfristig erhalten“, sagte Klaus Schulze Langenhorst, Vorsitzender des BWE NRW. „NRW hat im Klimaschutz große Verantwortung zu tragen. So bedarf es gerade im Bereich des Arten- und Naturschutzes eines sachlich und fachlich fundierten Umgangs miteinander und weniger Gegeneinander. Denn im Grunde haben wir die gleichen Ziele.“

In ihrem Koalitionsvertrag strebt die NRW-Landesregierung an, dass bis 2020 mindestens 15 Prozent der nordrhein-westfälischen Energie aus Windenergie stammen sollen. Derzeit liegt der Anteil bei gerade einmal vier Prozent. Gründe dafür sind der Mangel an Steuerung sowie Konflikte vor Ort, die dazu führen, dass Windenergieprojekte nicht oder nur langsam realisiert werden können. „Eine große Herausforderung beim Ausbau der Windenergie ist es, die Naturverträglichkeit im Blick zu haben und frühzeitig alle relevanten Informationen in die jeweilige Planungsebene einfließen zu lassen. Das hat natürlich zur Folge, dass einige Projekte nicht umgesetzt werden“, sagte Josef Tumbrinck, Vorsitzender des NABU NRW.

Um den naturverträglichen Windenergie-Ausbau in Nordrhein-Westfalen voranzutreiben, müssen nach Ansicht der unterzeichnenden Verbände Anwohner sowie sämtliche weitere Akteure frühzeitig in die Planungen von Windenergieprojekten eingebunden werden. Ein neu einzurichtendes Dialogforum der Landesregierung soll darüber hinaus dazu beitragen, mögliche Konflikte zwischen Naturschutzbelangen und Windenergieprojekten zu moderieren und zu lösen. „Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Bürgerinnen und Bürger sowie die anerkannten Naturschutzverbände von Anfang an beteiligt werden“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht.

Die Verbände forderten die Landesregierung außerdem dazu auf, die Planungshilfen des Landes regelmäßig zu überprüfen und weiterzuentwickeln, um die tatsächlichen Umweltwirkungen von Windenergieanlagen verlässlich bewerten zu können. „Gemeinsame Forschungsprojekte zwischen Naturschutzverbänden und der Windenergiebranche könnten eine bessere Planungsgrundlage für neue Projekte ermöglichen“, sagte Marie-Luise Fasse, Landesvorsitzende der SDW.

Windkraftbetreiber: Kein Verständnis für Gemeinsame Erklärung des BWE mit NABU in NRW

Die Windkraftbetreiber in NRW haben kein Verständnis für die jetzt unterzeichnete gemeinsame Erklärung des Windverbandes BWE mit dem Naturschutzbund Nabu in NRW. Dazu äußert sich jetzt Johannes Lackmann, Geschäftsführer der WestfalenWind-Gruppe in Lichtenau:

„Der NABU hat sich gerade in NRW an vielen Stellen als Komplettblockierer von Windprojekten erwiesen. Bürgerwindparks, jahrelang von Artenschutzexperten mitgeplant und von Fachbehörden ausführlich geprüft, werden wie jüngst im Kreis Soest kaputt geklagt.“ Die Extremforderungen des NABU nach Pauschalabständen z.B. zu Romilanhorsten werden von Fachleuten nicht geteilt. „Mehrjährige Untersuchungen im Kreis Paderborn dokumentieren eindeutig, dass der Rotmilan mit den zahlreichen Windanlagen dort überhaupt kein Problem hat, so Johannes Lackmann weiter.“ Er bezeichnet den NABU mit einem Jahresetat von 55 Mio € als reichsten Verband in der deutschen Spendenindustrie. „Nur wenn man mit emotionalen Bildern bedrohte Vogelarten reklamiert, kann man erfolgreich Schüler mit Spendenbüchsen auf die Straße schicken.“

Dabei wird leicht übersehen, dass jedes verhinderte Windprojekt direkt mit dem Fortbestand des Braunkohletagebaus korrespondiert. Für den NABU sei die Energiewende ohnehin zweitrangig: bei Sprüchen wie „genug ist genug“ geht es nicht mehr um Artenschutz sondern um einen grundsätzlichen Angriff gegen die Windenergie. Es gebe im NABU erklärte Leugner des Klimawandels und der NABU habe kein Problem, eine Shell-Pipeline für fossiles Erdöl über den grünen Klee zu loben, wenn nur der Konzern bereit ist, sich der Autorität des Verbandes marketing-gerecht zu unterwerfen.

Genau diese Unterwerfung ist aus Sicht von Betreibern vor Ort grundfalsch, so Lackmann, weil die irrationalen Forderungen des NABU immer weiter ausufern. Es ist auch gegenüber den Kollegen in der Branche der erneuerbaren Energien unsolidarisch, wenn der Windverband mit dem NABU kuschelt, der sich grundsätzlich gegen Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen und gegen neue Wasserkraftanlagen positioniert."

"Der Brief sei natürlich verlogen", sagt Manfred Knake, vom "Wattenrat" in Ostfriesland : Auch die Windkraftbetreiber interessieren sich nur insofern für die „Energiewende“, wie sie mit ihr Geld verdienen können – und natürlich sorgen Windräder nicht dafür, dass Kohlekraftwerke abgeschaltet werden können. Da man nie weiß wann und ob der Wind weht, müssen Kraftwerke bereit stehen, um einspringen zu können. "Und", fügt Knake ironisch hinzu, "eine Shell-Pipeline ist was feines: Dadurch kommt das Öl, aus dem das Benzin für unsere Autos hergestellt wird. Vollkommen ohne Subventionen – im Gegenteil: Der Staat verdient noch an den Steuern".

Bild: In der NW vom 11.03. 2015 wurde oberhalb eines Leserbriefes zum Thema Windkraft ein großes Foto mit der Bildunterschrift „Wohnbebauung und Windkraft: Das Foto zeigt den Blick über Dahl in Richtung B 64“ veröffentlicht. Hierzu möchte ich folgendes anmerken: Das Foto bildet nicht den realen Anblick eines Betrachters ab, der vom gleichen Standort (Koordinaten 51°41.31.0"N 8°50.17.6"E) aus auf Dahl blickt. Das Foto hat eine erheblich höhere Brennweite (vermutlich 160 mm) als das menschliche Auge (60mm). Umgangssprachlich: Es ist „gezoomt“. Hierdurch entsteht der Eindruck, die Windmühlen der Windparke Neuenbeken und Benhausen grenzten unmittelbar an die hintere Kante der gezeigten Wohnbebauung Dahl an und würden quasi „im Vorgarten stehen“. Dies ist nicht der Fall, die abgebildeten Windräder in den Gemeindegebieten Benhausen und Neuenbeken sind ca. 1,75 bis 3,4 Km (Windpark Benhausen) bzw. 0,93 Km (dichtestes Windrad Windpark Neuenbeken) vom Rand d. Wohnbebauung in Dahl entfernt. Quelle: www.kreis-paderborn.de/kreis_paderborn/geoportal/Geoportal.php (Rechte: westfalenwind)

erschienen am: 2015-07-05 im europaticker

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