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Steigende Umweltanforderungen und Nachfolge-Probleme als prägende Faktoren für die Branche
bvse-Forum: Norbert Rethmann fordert Umdenken der Schrottbranche

Ziele erkennen – festhalten – umsetzen, lautet die Formel, mit der der Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrates der RETHMANN-Gruppe, Norbert Rethmann, REMONDIS zu einem der führenden Recyclingunternehmen in Europa gemacht hat. Norbert Rethmann machte in seinem Vortrag beim bvse-Schrottforum am 18.11.2015 deutlich, dass für die Unternehmen der Branche ein Umdenken und die Entwicklung von neuen Recyclingtechniken notwendig sei.

Klaus Müller, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des bvse-Fachverbands Schrott, hatte bei der Eröffnung der Veranstaltung u.a. die schwierige Marktentwicklung, steigende Umweltanforderungen und Nachfolge-Probleme als prägende Faktoren für die Branche angesprochen. Ebenfalls angesprochen hat er einen Trend zur Marktkonsolidierung, wobei in diesem Punkt Norbert Rethmann  keine zwingende Notwendigkeit für eine solche Konsolidierung sieht, auch wenn momentan dieser Eindruck entstehen könne, weil kleinere Unternehmen zunehmend aufgrund der anhaltend schlechten Lage ihre Geschäfte verkaufen wollen. „Es wird und soll weiterhin kleine Unternehmen geben. Jeder muss die eigenen Schwerpunkte und Stärken erkennen und sich den Besonderheiten in dem Markt stellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Geld zu verdienen", betonte Norbert Rethmann. 

In Bezug auf die aktuellen Entwicklungen zum Wertstoffgesetz hat Norbert Rethmann keine Sorge. Seine Überzeugung kann man in der Formel “Privat vor Staat“ zusammenfassen, allerdings sehe er in der Beteiligung der öffentlich-rechtlichen Unternehmen am Markt keine Probleme, solange ein freier und fairer Wettbewerb gewährleistet sei. Dazu sei die Vergabe über Ausschreibung und die Bildung von Losen unerlässlich, damit sich auch kleinere Unternehmen im Markt beteiligen können.

Die Situation der Schrottwirtschaft, die in den letzten Jahren  einen gravierenden Preisverfall erlebe, erfordere es, dass sich die Branche für die Zukunft neu ausrichten müsse. Die Entwicklung neuer Materialien und Verbünde, beispielsweise in der Automobilindustrie, wird in Zukunft immer höhere Ansprüche an die Sortierung, Aufarbeitung und Qualität von Schrotten stellen. So verlangen die Abnehmer zunehmend klar definiertes Material, berichtete Rethmann. Gerade dazu brauche man auch große Unternehmen am Markt, die über die nötige Kapitalkraft verfügten, um Forschung und Technik voranzubringen. „Die Unternehmen werden ihren Kunden in Zukunft verstärkt ganzheitliche Entsorgungslösungen anbieten müssen“, so Rethmann. Zudem machen es die derzeitigen Marktpreise notwendig, zumindest Logistik und Muldenmiete in Rechnung zu stellen. Ziel müsse es letztlich sein, eine Preis-Drei-Teilung einzuführen, bei der sich der Kunde an den Kosten für Transport, Miete und Verwertung beteilige.

Um die riesigen Stoffströme zu bewältigen und wettbewerbsorientiert arbeiten zu können, sei vor allem auch eine gute Infrastruktur mit einem europaweit effizienten Stoffstrommanagement nötig. Die umfangreich vernetzten Logistiksysteme der zur RETHMANN-Gruppe gehörenden Rhenus Logistics garantieren komplexe Transportketten und logistische Komplettlösungen, unter anderem auch in Asien. Besonderes Augenmerk sei auch auf die Erfassung zu legen, so Rethmann, der darauf verwies, dass sich seine Firmengruppe schon seit einiger Zeit insbesondere auf die Erfassung von klar definiertem Material, nicht nur im Stahlschrottbereich konzentriert. Den Kunden müssten Lösungen mit hochwertigen Materialien angeboten werden, die in der Qualität denen von Primärrohstoffen entsprechen. Deshalb seien auch Forschung, die Entwicklung neuer Technologien und der Ausbau des Vertriebs wichtige Aufgabenfelder für sein Unternehmen.

Der heutige Ehrenaufsichtsrats-Vorsitzende eines, wie er selber formulierte, „mittelständisch geprägten“ Unternehmens, verriet den Teilnehmern des Schrottforums außerdem das Erfolgsrezept für seinen Familienbetrieb. Die Stärke des Unternehmens resultiere daraus, dass es innerhalb der Familie Rethmann eine klar abgegrenzte Zuständigkeit, Verantwortung und Eigenständigkeit bezüglich der Aufgaben im Unternehmen gebe. Zur Unternehmenskultur gehörten außerdem eine dezentrale Organisation, kurze Entscheidungswege und die klare Spielregel: „Das Geld bleibt im Unternehmen!"

Zur Strategie des „ersten Kraftfahrers, Disponenten und Vertrieblers“, wie Rethmann seine Aufgaben in den Anfängen des Unternehmens beschreibt,  gehört auch eine hohe Investitionsbereitschaft. 700 Millionen Euro investiert die RETHMANN-Gruppe durchschnittlich pro Jahr. „Allerdings dürfen Investitionen, auch wenn es um Expansion in ausländische Märkte geht, nie zu Lasten einer Verschuldung gehen“, so Rethmann und verwies auf die Unternehmensrichtlinie, dass "eine Unterschwelle von 30 % Eigenkapital" einzuhalten sei. 


erschienen am: 2015-12-03 im europaticker

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