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Untersteller: Es macht Sinn, die 15 Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus Obrigheim in Neckarwestheim zwischenzulagern
Wichtig ist nun, dass die EnBW die Öffentlichkeit auch im weiteren Verfahren eng einbindet
Transport von Brennelementen aus Obrigheim nach Neckarwestheim

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit hat der EnBW die Genehmigung erteilt, abgebrannte Brennelemente aus dem im Rückbau befindlichen Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) im Zwischenlager des Kernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) aufbewahren zu dürfen. Die EnBW hat Mittwoch 10. August 2016) vom neu geschaffenen Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) eine Änderungsgenehmigung für das Standort-Zwischenlager des Kernkraftwerks Neckarwestheim (GKN) erhalten. Mit dieser Genehmigung dürfen nun auch verbrauchte („abgebrannte“) Brennelemente aus dem Kernkraftwerk Obrigheim im Neckarwestheimer Zwischenlager aufbewahrt werden. Bislang war dort nur die Lagerung von Brennelementen aus dem Betrieb der beiden GKN-Blöcke erlaubt.

Das stillgelegte Kernkraftwerk Obrigheim (KWO) liegt in Obrigheim am Neckar im Neckar-Odenwald-Kreis und ist mit einem leichtwassermoderierten Druckwasserreaktor ausgerüstet. Die elektrische Bruttoleistung des Kraftwerkes betrug 357 MW. Am 22. September 1968 wurde der Reaktor erstmals kritisch. Die Anlage wurde am 11. Mai 2005 endgültig abgeschaltet. 

„Diese Genehmigung ist ein wichtiger Baustein für unser Vorhaben, abgebrannte Brennelemente von Obrigheim nach Neckarwestheim zu transportieren“, erläutert Jörg Michels, Chef der EnBW Kernkraft GmbH. Für die Umsetzung dieses Transports hatte sich die EnBW im Juni 2016 entschieden: „Durch die Verlagerung der 342 Brennelemente wird der Bau eines weiteren Zwischenlagers in Deutschland überflüssig. Dadurch kann der Standort Obrigheim schneller zu einer nicht-nuklearen Industriefläche, also der sprichwörtlichen „grünen Wiese“ werden. Der Abtransport der Brennelemente unterstützt zudem maßgeblich den weiteren verzögerungsfreien Rückbau des Kernkraftwerks Obrigheim.“ (Siehe auch Pressemitteilung vom 20. Juni 2016)

Die EnBW hatte Ende 2013 die Änderung der seit 2003 bestehenden sogenannten Aufbewahrungsgenehmigung für das Zwischenlager in Neckarwestheim beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beantragt. Die Antragstellung erfolgte frühzeitig, um mit dem BfS sowie mit anderen Behörden Gespräche über die Machbarkeit des Gesamtvorhabens führen zu können. Die Zuständigkeit für das Genehmigungsverfahren ging am 30. Juli 2016 vom BfS auf das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) über. Zuvor fand eine grundsätzliche Neuordnung der behördlichen Zuständigkeiten statt, die der Deutsche Bundestag am 23. Juni 2016 mit dem „Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich des Strahlenschutzes und der Endlagerung“ beschlossen hatte.

Kapazität des Neckarwestheimer Zwischenlagers reicht aus

Für die Einlagerung im Neckarwestheimer Zwischenlager werden die abgebrannten Brennelemente aus Obrigheim in 15 Castor-Behälter sicher verpackt und per Schiff über den Neckar zum Kraftwerksgelände in Neckarwestheim transportiert. Das dortige Zwischenlager verfügt über 151 Stellplätze für Behälter mit Brennelementen. Davon werden jedoch – als Folge des vorzeitigen Ausstiegs aus der Kernenergie – nur rund 125 Plätze für die Zwischenlagerung der Brennelemente aus den beiden Kraftwerksblöcken des GKN benötigt. Die Unterbringung der 15 Castoren aus Obrigheim ist also ohne Erweiterung des Neckarwestheimer Zwischenlagers möglich. Aktuell stehen dort 53 beladene Behälter.

Nächste Schritte: Transportgenehmigung und Fertigstellung Schiffsanlegestelle

Zur Verlagerung der Obrigheimer Brennelemente fehlen nun noch zwei wesentliche Voraussetzungen. Dies ist zum einen die Genehmigung für den Transport der Brennelemente. Auch hier wird das Genehmigungsverfahren vom BfE und nicht mehr vom BfS geführt. Die Antragstellung erfolgte Anfang 2014.

Zum anderen muss die Schiffsanlegestelle in Neckarwestheim fertig gestellt werden, die dort zur Unterstützung der Rückbau-Logistik seit März 2016 in Bau ist. Die Baumaßnahmen werden voraussichtlich Anfang 2017 abgeschlossen sein. Damit ist klar, dass im Jahr 2016 keine Transporte stattfinden werden.

Untersteller: Es macht Sinn, die 15 Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus Obrigheim in Neckarwestheim zwischenzulagern

 Umweltminister Franz Untersteller begrüßte die Entscheidung und forderte die EnBW auf, auch im weiteren Verfahren die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig und umfassend über die nächsten Schritte zu informieren: „Es sprechen gute Gründe dafür, die 15 Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus Obrigheim in Neckarwestheim zwischenzulagern.“ So bekäme der Standort Obrigheim eine realistische Perspektive, bis Mitte des kommenden Jahrzehnts kernkraftfrei zu werden. Zudem müsste in Obrigheim kein neues Zwischenlager gebaut werden, das über Jahrzente  aufwändig zu betreiben und zu überwachen wäre. Außerdem stünden im vergleichsweise nahe gelegenen Zwischenlager Neckarwestheim nach dem Atomausstieg ausreichend Stellplätze zur Verfügung.

„Wichtig ist nun, dass die EnBW ihre bisherige Informationspolitik fortführt und auch künftig frühzeitig die betroffenen Bürgerinnen und Bürger in das weitere Verfahren einbindet“, betonte Untersteller. Besonders im Zusammenhang mit der vom Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit noch zu erteilenden Genehmigung für den Transport der Castoren auf dem Neckar gelte es, die berechtigten Fragen und Sorgen der betroffenen Anlieger ernst zu nehmen.

BUND: Kein Atommüll-Shuttle auf dem Neckar

Der BUND Baden-Württemberg kritisiert die Entscheidung des Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), dass hochradioaktive Brennelemente aus dem abgeschalteten Atomkraftwerk Obrigheim in Neckarwestheim lagern werden. Die EnBW möchte den Transport von Obrigheim nach Neckarwestheim über den Neckar abwickeln.

Castor-Transporten mit hochradioaktivem Atommüll sind per se schon viel zu riskant. Bei einem Transport per können schon kleinere Zwischenfälle unabsehbare Folgen für Mensch und Umwelt haben. Ein Unfall trifft automatisch auf viele Kilometer Wasser und auf Tausende Menschen. Es wird nicht nur bei einer Fahrt mit der gefährlichen Fracht bleiben. Da nur drei Castoren auf ein Schiff passen, werden für die 15 Obrigheimer Castoren mindestens fünf Fahrten durchgeführt werden müssen.

„Die Pläne der EnBW gleichen einem Shuttle-Service für hochradioaktiven Atommüll. Das Risiko dafür ist unberechenbar. Wenn Umweltminister Franz Untersteller die Sorgen der Anlieger ernst nehmen möchte, so heißt das: Kein Transport auf dem Neckar!“, so Gottfried May-Stürmer, Regionalgeschäftsführer BUND Heilbronn-Franken.

Weitere Informationen zu den Rückbauprojekten der EnBW und den damit im Zusammenhang stehenden Vorhaben sind unter www.enbw.com/kernkraft  zu finden

 

erschienen am: 2016-08-11 im europaticker

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