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Antragsverfahren für eine Haldenerweiterung für das Kaliwerk Zielitz könnte Ende 2016 gestellt werden
Gelassenheit von K+S für Sachsen-Anhalts Umweltministerin nicht nachvollziehen

In Sachsen-Anhalt soll nach Informationen ein Bürgerinitiative K+S Zielitz - bezogen auf die jährliche Fördermenge eines der größten Kaliwerke der Welt - derzeit eine weitere Rückstandshalde (Fläche ca. 210ha) inmitten eines alten Buchen-Eichen-Mischwaldes, welcher Teil eines Landschaftsschutz- und FFH-bzw. Natura2000-Gebietes ist, planen. Dieser Wald sei Habitat vieler streng geschützter Tierarten und würde bei Genehmigung der neuen Halde vollkommen zerstört werden, auf diese Problematik in Sachsen-Anhalt weist die Bürgerinitiative "For a Green Future" hin. Dem allerdings widerspricht K+S : Diese Aussage sei nicht korrekt. Der Mischwald im Suchraum der Planungen zum Projekt HKE II ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes, jedoch nicht Teil eines FFH bzw. Natura2000-Gebietes. Allein der Bunker Dornberg ist Letzterem hinzuzuzählen.

Darüber hinaus würde mit der neu geplanten Halde ein bedeutendes Trinkwassergewinnungsgebiet, welches 700.000 Menschen (die Landeshauptstadt Magdeburg miteingeschlossen) versorgt, künftig von Versalzung und Schwermetalleintrag bedroht sein, fürchten die Aktivisten. Und auch dieser Annahme widerspricht das Unternehmen: Vorliegende Gutachten würden belegen, dass diese Befürchtung jeglicher Grundlage entbehrt, heißt es in einer Stellungnahme.

Das Kaliwerk Zielitz ist ein Bergwerk zum Abbau von Kalisalzen und der zugehörige Verarbeitungsbetrieb bei Zielitz in Sachsen-Anhalt. Es ist das größte Kalibergwerk in Deutschland und eines der größten weltweit.

Die Geschichte des Kalibergbaus bei Zielitz begann 1960 mit dem Bohrprogramm zur Erkundung der Kalilagerstätte „Scholle von Calvörde“. 1963 erfolgte der Beschluss zum Bau des Kalibergwerks und nur ein Jahr später, 1964, der symbolische erste Spatenstich und man begann, die ersten Schächte über der größten Lagerstätte der DDR abzuteufen. Etwa zwei Jahre später war die Endteufe erreicht, die beim Schacht I bei 806 Metern und beim Schacht II bei 740 Metern lag. 1968 wurde der VEB Kalibetrieb ZielitzErnst Schneller“ gegründet. Der Volkseigene Betrieb gehörte als jüngster Standort zum Kombinat Kali. 1969 begann man im Bergwerk mit der Rohsalzförderung und dem Aufbau der Infrastruktur untertage. Vier Jahre später begann die Kaliproduktion im Dauerbetrieb. Die Jahresproduktion betrug 1989 etwa 7,4 Millionen Tonnen. Im selben Jahr wurde die 100 millionste Tonne Rohsalz gefördert.

Nach der Wende in der DDR 1989/90 wurde das Bergwerk privatisiert. Zunächst wurde 1990 die Zielitzer Kali AG gegründet, die ein Jahr später in die Mitteldeutsche Kali AG eingegliedert wurde. Nach dem Zusammenschluss der Kalibergwerke 1993 wurde Zielitz Teil der K+S AG beziehungsweise der K+S Kali GmbH in der AG. Seit 1995 werden alte Grubenbaue als Untertagedeponie genutzt.

Quelle: WIKIPEDIA Bilder: K+S

Unterdessen teilt das für die Genehmigungen zuständige  Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) mit, dass derzeit noch kein Antrag von K+S für die beabsichtigte Haldenerweiterung für das Werk Zielitz vorlieg aber ein Antrag vom Unternehmen für Ende 2016 avisiert wurde. Bereits heute weist die Behörde darauhin, dass Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zum avisierten Antrag ein Planfeststellungsverfahren nebst Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen sei. Zudem erfolge eine Prüfung von Alternativen, bei der auch die Möglichkeit von Versatzmaßnahmen zur Minimierung der Umweltbelastungen Eingang finden würde. Derzeit sei allerdings noch kein vorheriges separates Tätigwerden der Bergbehörde erforderlich.

Keine Gefahr der Grundwasserversalzung

Zur Überwachung der Grundwassersituation würde am Standort ein anlagenbezogenes Sondermessnetz betrieben, dass die Auswirkungen dokumentiert und untersucht, teilt K+S auf nachfrage mit. Auch der Einfluss der Bergsenkungen auf die Grundwassersituation würde in diesem Zusammenhang berücksichtigt. Eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung der Stadt Magdeburg infolge der Abbautätigkeit des Kaliwerkes Zielitz sei heute und zukünftig ausgeschlossen. Im Interesse der öffentlichen Wasserversorgung wurde durch das Landesverwaltungsamt des Landes Sachsen-Anhalt die „Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes Colbitz-Letzlinger-Heide für die Wassergewinnungsanlagen des Wasserwerkes Colbitz der Trinkwasserversorgung Magdeburg GmbH“ am 15.06.2005 in Kraft gesetzt. Für die darin ausgewiesenen Trinkwasserschutzzonen sind Verbote und Beschränkungen erlassen worden. Die Abbautätigkeiten des Kaliwerkes innerhalb des Wasserschutzgebietes  erfolgen daher unter Einhaltung der vorgenannten Verbote und Beschränkungen der Wasserschutzgebietsverordnung.

Die bereits bestehenden Umweltschäden aufgrund der von den Kalihalden ausgehenden Gewässerversalzung seien enorm und bereits sichtbar, meint allerdings die Bürgerinitiative. Zudem soll mittels einer großräumigen Beprobung durch ein anerkanntes Labor auch in Sachsen-Anhalt ein höchst bedenklicher Eintrag von krebserregenden Schwermetallen in Grund-, Oberflächengewässer (u.a. Elbe) und Böden nachgewiesen worden sein. Schwermetalle und Chlorid würden zum einen durch versickernde Haldenabwässer in die Umgebung und zum anderen direkt in die Elbe durch Einleitung von Produktionsabwässer gelangen. Zudem würde sich die Einleitstelle inmitten eines FFH-Gebietes befinden, heißt es bei den Anwohnern in der Umgebung des Kaliwerkes..

Weder beim Aufsuchen, Gewinnen und Aufbereiten des Bodenschatzes „Kalisalz“, noch beim Verladen, Befördern, Abladen, Lagern und Ablagern führt das Kaliwerk Zielitz Stoffe zu, die Schwermetalle enthalten, widerspricht ein Konzernsprecher. Zudem weisen Stoffströme (Rohsalz, Wasser, Aufbereitungshilfsstoffe) sowie ausgehende Stoffströme (Rückstand und Fertigprodukte) keinen erhöhten Blei- oder Quecksilbergehalt auf. Ein Zusammenhang zwischen der Kaliproduktion am Standort und der durch Beprobungen entstanden Werte der Stoffe Blei und Quecksilber ist deshalb nicht erkennbar. Derzeit werden wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt, um die Ursache für angesprochenen Werte in den Beprobungen zu ermitteln.

Die Grenzwerte u.a. für Blei und Quecksilber laut der EU Oberflächengewässerverordnung und der EU-WRRL werden an mehreren Punkten um ein Vielfaches überschritten, sowohl im Wasser als auch im Sediment. Hinzu käme, dass K+S Zielitz für Schwermetalle nie eine Einleiterlaubnis (Elbe) erhalten hat; diese bezog sich stets nur auf die einzuleitende Menge Chlorid. Demzufolge ist der letzte Planfeststellungsbeschluss von 2005 im Grunde rechtswidrig und impliziert ein sofortiges Einleitungsverbot der K+S - Produktionsabwässer in die Elbe, so die Bürgerinitiative. Auch die wasserrechtlichen Anforderungen würden vollständig vom Werk eingehalten, so der Konzern. Ein Zusammenschluss mit dem von der Bürgerinitiative aufgezeigten „rechtswidrigen“ Verhalten vom Kaliwerk Zielitz in Bezug auf die Einleitung sei demzufolge falsch und sachfremd.

Gelassenheit der Firma K+S für Sachsen-Anhalts Umweltministerin nicht nachvollziehen

Anfang des Jahres hatte sich die heutige Umweltministerin und damalige umweltpolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Prof. Dr. Claudia Dalbert, zu möglichen Bergsenkungen infolge des Abbaus von Kalisalzen durch K+S zu Wort gemeldet: „Die Senkungen in der Börde infolge des Kaliabbaus der Firma K+S in Zielitz um bis zu einen halben Meter "seien kein Pappenstiel". Die Gelassenheit der Firma K+S könne sie nicht nachvollziehen. Natürlich kann man Deiche höher ziehen und das Hinterland so vor Hochwasser schützen. Aber das eigentlich gefährliche ist doch das Grundwasser. Wenn sich der Boden absenkt, kommt das Hochwasser von unten. Noch dazu besteht das Risiko der Grundwasserversalzung. In direkter Nähe befindet sich das Grundwassergewinnungsgebiet in der Colbitz-Letzlinger Heide. Von dort wird die Stadt Magdeburg mit Trinkwasser versorgt. Hier besteht die Gefahr der Grundwasserversalzung."

Bergsenkungen infolge des Abbaus von Kalisalzen durch K+S

K+S: Basierend auf den aktuell vorliegenden Freibordhöhen der vergangenen Hochwasserereignisse und den von K+S für die nächsten ca. 50 Jahre (bis 2064) prognostizierten Bergsenkungen im Bereich der Elbdeiche plant das Landesamt für Hochwasserschutz (LHW) im Ergebnis nunmehr eine DIN-konforme Deichsanierung der westlichen und östlichen Elbdeiche im Einwirkungsbereich der Grube Zielitz auf einer Länge von insgesamt ca. 20 km. Hieran wird K+S auf der Grundlage der Rahmenbetriebspläne „Abbau unter der Elbe I und II und des BbergG“ verursachungsgerecht finanziell beteiligt.

Im Jahr 2015 hat K+S eine Rahmenvereinbarung mit dem LHW abgeschlossen, die den grundsätzlichen K+S-Anteil an den Deichsanierungsmaßnahmen dokumentiert. Die Grundwasserhöhe im Elbeurstromtal wird durch den Wasserstand der Elbe stark beeinflusst. Insbesondere Hochwasserereignisse der Elbe führen zu einem elbenahen Grundwasseranstieg. Binnenseitig des Hochwasserschutzdeiches wird der Grundwasseranstieg durch Drängewasser verursacht. Dieser Effekt des Drängewassers ist die natürliche Folge eines Hochwasserereignisses und im gesamtem eingedeichten  Bereich des Elburstromtales wirksam.  Die Höhe des -sich deichbinnenseitig einstellenden- Grundwasserstandes ist hauptsächlich  von der hydrogeologischen Situation sowie der Charakteristik des Hochwasserereignisses abhängig. Der untertägige  Abbau der  Lagerstätte durch das Kaliwerkes Zielitz führt zu einer gleichmäßigen, genehmigten und kontrollierten großräumigen Absenkung  der gesamten Geländeoberfläche. Entsprechend des zulässigen Senkungsbetrages verringert sich auch der Grundwasserflurabstand im Einwirkungsbereich der Grube.

Dalbert: Letzte Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff habe es versäumt, eine Versatzpflicht einzuführen

„Hauptursache für die Absenkung der Geländeoberkante ist die Art des Abbaus: Beim Kammer-Pfeiler-Abbau werden breite Pfeiler im Untergrund zurückgelassen. Doch dies reicht nicht, um die gesamte Region auf dem ursprünglichen Niveau zu halten. Die Folge sind Absenkungen des Geländes. Die Versatzpflicht für den Kaliabbau in Zielitz muss durch das Land eingeführt werden. Dann müssten die Hohlräume mit dem Restmaterial des Kaliabbaus verfüllt werden. Dies ist in Kanada schon längst Stand der Technik. Vorteil dieser Methode wäre auch, dass die Kalihalden bedeutend kleiner wären. Dann müssten keine zusätzlichen Halden aufgeschüttet werden und sensible Gebiete wie das Landschaftsschutzgebiet Lindhorst-Ramstedter Forst müssten einer neuen Mega-Halde nicht weichen. Denn dies plant die Firma K+S außerdem, um ihre Abbautätigkeiten abzusichern.

Die letzte Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff habe es leider versäumt, eine Versatzpflicht einzuführen, um die Umweltbelastungen auf ein Minimum zu reduzieren. Sie trägt daher eine Mitverantwortung für die bisherigen Schädigungen an unserer Umwelt und mögliche Bergsenkungen, mit denen noch Generationen zu kämpfen haben werden."

Dies ist in Kanada schon längst Stand der Technik

Die Möglichkeiten zum Versatz unterliegen für alle Kaliproduzenten in erster Linie sehr spezifischen lagerstättengeologischen Randbedingungen sowie standortspezifischen Voraussetzungen. So werden an den weltweit ca. 70 Standorten zur Kalidüngemittelproduktion heute rund 80 % der anfallenden festen Aufbereitungsrückstände an der Erdoberfläche entweder in kompakten Schüttguthalden oder in Spülhalden „beseitigt“. Ein Versatz am Standort Zielitz ist unter Sicherheitsgesichtspunkten ausgeschlossen. Zudem stehen technische und wirtschaftliche Restriktionen einem Versatz entgegen.

Auch in kanadischen Bergwerken fallen bei der bergmännischen Gewinnung fester Kalirohsalze unter Tage sowie deren Aufbereitung feste Rückstände an. Neben dem Sofortversatz eines Teils der festen Gewinnungsrückstände, der heute in nahezu allen Kalibergwerken weltweit betrieben wird, werden an  zehn von elf kanadischen Bergwerken (PCS und MOSAIC zusammen) feste Aufbereitungsrückstände über Tage aufgehaldet. Allein im Kalibergwerk Penobsquis (New Brunswick) werden alle Aufbereitungsrückstände als Trocken- und Spülversatz entsorgt.  Zusammen mit den lagerstättengeologischen Randbedingungen einer steilen Lagerung erlauben dort standortspezifische klimatische und infrastrukturelle Randbedingungen die vollständige Entsorgung der festen Aufbereitungsrückstände an diesem von PCS betriebenen Bergwerk. Ähnlich günstige Voraussetzungen haben wir in Deutschland am Standort Unterbreizbach des Werkes Werra, wo ebenfalls auf einen Haldenbetrieb verzichtet werden kann.

Im Februar sah Dalbert das Tafelsilber Elbe durch die Landesregierung gefährdet

„Kein Grenzwert für Chlorid in der Elbe – das fordert die Landesregierung von Ministerpräsident Reiner Haseloff. Mit diesem durchsichtigen Manöver möchte sie es der Firma K+S ermöglichen, mehr salzhaltige Abwässer in der Elbe zu entsorgen – genau das gefährdet unser ökologisches Tafelsilber, die Elbe.“ „Mit einem noch höheren Salzgehalt in der Elbe hält Sachsen-Anhalt die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie nicht ein. Das Ziel eines guten ökologischen Zustandes der Elbe rückt damit in weite Ferne. Denn eines ist klar: in salzhaltigem Wasser können Fische und viele andere Organismen nicht leben.

erschienen am: 2016-09-18 im europaticker

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