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Informationsveranstaltung zum INTERREG-Projekt „Baltic Blue Growth“
Filterleistung von Muscheln soll dazu beitragen die lokale Wasserqualität zu verbessern

Donnerstag (16. März) hat in Kiel eine Informationsveranstaltung zum INTERREG-Projekt „Baltic Blue Growth“ stattgefunden; ausgerichtet wurde sie vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR). „Baltic Blue Growth“ (BBG) ist ein großes Kooperationsprojekt mit insgesamt achtzehn Partnereinrichtungen aus Schweden, Dänemark, Polen, Estland, Lettland und Deutschland unter der Leitung der schwedischen Region Östergötland. Das Vorhaben wird mit rund 3,56 Millionen Euro aus Mitteln des EU-INTERREG-Programms gefördert, weitere 1,09 Millionen Euro bringen die Projektbeteiligten auf.

Die Idee für das Projekt stammt ursprünglich aus Südschweden, wo hohe Nährstoffeinträge in die Ostsee zu lokalen Algenblüten führen, was sich regional bereits negativ auf den Tourismus auswirkt. Bei der Suche nach alternativen Lösungsmöglichkeiten entstand in schwedischen Küstenkommunen die Idee zu erforschen, ob neben methodischen Aspekten und Fragen der Verwertung der Muschelzucht die Filterleistung von Muscheln dazu beitragen könnte, die lokale Wasserqualität zu verbessern. Diese Ansätze waren Ausgangspunkt für ein großes Verbundvorhaben, bei dem an insgesamt sechs Standorten entlang der ganzen Ostseeküste Test-Farmen eingerichtet werden, um mögliche positive wie negative Auswirkungen der Muscheln auf die Wasserqualität und die umgebende Meeresumwelt zu untersuchen.

Es ist explizit darauf zu verweisen, dass es im Sinne geltenden Wasserrechts geboten ist, Nährstoffeinträge in die Ostsee an der Quelle zu unterbinden. Da die Nährstoffbelastungen der schleswig-holsteinischen Küstengewässer vorwiegend aus landseitigen Einträgen resultieren, ist marine Muschelaquakultur keine zielführende Maßnahme zur Erreichung wasserrechtlicher Ziele für unsere Küstengewässer. Eine Kompensation landseitiger Einträge durch marine Muschelkulturen ist daher nicht möglich. Auch können diese Kulturen die notwendigen  quellenbezogenen Maßnahmen zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie nicht ersetzen.

Für das MELUR sind daher die Erforschung möglicher Umweltauswirkungen derartiger Farmen, aber auch Nutzungsaspekte Beweggründe für eine Beteiligung am Projekt BBG. Die Erforschung, ob und inwieweit derartige Kulturen einen Beitrag zur Minderung von früheren, d. h. in Sedimenten gebundenen und von dort rückgelösten, Nährstoffbelastungen der Ostsee sein kann, ist auch aus Sicht des MELUR eine interessante Fragestellung.

Neben den Umweltaspekten der Farmen werden im Projekt Nutzungsmöglichkeiten der Muscheln untersucht. Da Miesmuscheln mit Ausnahme der westlichen Ostsee vor Dänemark und Schleswig-Holstein nur sehr langsam wachsen und damit sehr klein bleiben, sind sie für den menschlichen Konsum im überwiegenden Teil der Ostsee kaum nutzbar. Sie bilden aber sehr hochwertiges Fleisch, das für die Tierernährung (z. B. für Fische oder auch Geflügel) grundsätzlich sehr gut geeignet ist. Derzeit ist eine Verarbeitung der kleinen dünnschaligen Muscheln noch nicht etabliert. Es soll in „BBG“ untersucht werden, ob diese marine Quelle künftig eine Ergänzung der knappen tierischen Ausgangsstoffe für Tierfuttermittel sein könnte.

Das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) ist als Projektpartner für Rechts- und Genehmigungsfragen verantwortlich. Am Ende des Projektes wird das MELUR einen Leitfaden für Investoren, die im Ostseeraum eine Muschelaquakultur errichten wollen, vorlegen. Ferner ist das MELUR für den Betrieb einer der Testfarmen im Projekt verantwortlich. Durch eine Ausschreibung konnte die Kieler Meeresfarm für diese Aufgabe gewonnen werden.

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Auf der Informationsveranstaltung, zu der Fischerei- und Umweltverbände, Touristiker, Wissenschaftler, beteiligte Behörden sowie Vertreter der lokalen Aktionsgruppen und Kommunen eingeladen waren, wurde das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach einer Einführung in das Projekt gab Tim Staufenberger von der Kieler Meeresfarm einen Einblick in den Betrieb seiner Muschelfarm, und Martina Mühl von der Kieler Firma „Coastal Research & Management“ (CRM, ebenfalls Projektpartner in BBG) stellte das Umweltmonitoring näher vor. Die Teilnehmer diskutierten die Projektidee sowie praktische Realisierungschancen und besprachen vor allem Möglichkeiten der weiteren Beteiligung regionaler Akteure.

Das INTERREG-Projekt BBG hat eine Laufzeit von drei Jahren und endet Anfang 2019. Erste konkrete Ergebnisse werden Anfang 2018 zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen sind der Website des Projektes zu entnehmen: https://www.submariner-network.eu/projects/balticbluegrowth

Weiterführende Informationen zum Förderprogramm INTERREG im Ostseeraum finden Sie unter: http://www.interreg-baltic.eu/home.html

erschienen am: 2017-03-18 im europaticker

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