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Vorbereitung für den G20-Gipfel in Hamburg: Bundesregierung schlägt G20 Ressourcenpartnerschaft vor
Weltressourcenrat präsentiert Ergebnisse zum globalen Ressourcen- und Rohstoffverbrauch

Auf Deutschlands Initiative haben die G20-Staaten erstmals über den effizienten und nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und Rohstoffen beraten. Vertreter der 20 größten Wirtschaftsmächte kamen dazu am Donnerstag (16.03.2017) in Berlin zu Regierungsgesprächen zusammen. Bei diesem Anlass stellte der Weltressourcenrat der Vereinten Nationen seinen neuesten Grundlagenbericht vor.

Bundesministerin Hendricks: "Die Bundesregierung will die deutsche G20-Präsidentschaft für eine neue internationale Initiative zur Ressourceneffizienz nutzen. Wir brauchen eine starke Partnerschaft aller großen Wirtschaftsmächte, damit wir die Grenzen unseres Planeten nicht noch weiter überschreiten. Unser Wohlstand darf nicht abhängig sein von einem immer intensiveren Abbau natürlicher Ressourcen. Wachstum und Ressourcenverbrauch sind weltweit immer noch viel zu stark miteinander verbunden."

Staatssekretär Machnig äußerte sich im Vorfeld der Veranstaltung: "Ressourceneffizienz trägt entscheidend dazu bei, den Industriestandort nachhaltig zu stärken und zu modernisieren. Dabei sind Digitalisierung und Leichtbau wichtige Treiber für Ressourceneffizienz von denen insbesondere die wachstumsstarken Schwellenländer profitieren können. Mit der G20 Partnerschaft für Ressourceneffizienz legen wir den Grundstein, um die dazu notwendige Vernetzung und den erforderlichen Austausch in Gang zu setzen. Dabei wird es darauf ankommen, auf Freiwilligkeit und Kooperation mit der Wirtschaft zu setzen."

Anlässlich der Vorstellung des Grundlagenberichts des Weltressourcenrats der Vereinten Nationen und des Treffens der G 20 zur „Ressourcenpartnerschaft“ erklärt Peter Meiwald MdB, Sprecher für Umweltpolitik von Bündnis 90/Die Grünen: Die Prognosen der UN zur weiteren Entwicklung des weltweiten Ressourcenverbrauchs sind alarmierend. Ein „weiter so“ bei unser aller derzeitigem Rohstoffverbrauch würde die Ressourcenmenge auf 186 Milliarden Tonnen im Jahr 2030 zum jetzigen Stand noch verdoppeln. Dabei hat sich der Verbrauch und der Abbau an Rohstoffen im 20. Jahrhundert bereits verzehnfacht. Das übersteigt die Regenerationsfähigkeit unserer Erde bei weitem und geht über die planetare Substanz hinaus.

Zwar ist es gut, wenn jetzt das Thema auf der internationalen Agenda steht und eine globale „Ressourcenpartnerschaft“ zumindest angekündigt wird. Aber die Bundesregierung hat keinen Grund sich hier als Klassenprimus darzustellen. Sie könnte und muss selbst viel mehr tun, und hat dazu beispielsweise im Rahmen des Bürgerratschlags zum eigenen Ressourceneffizienzprogramm „ProgRess II“ viele gute Vorschläge erhalten, aber nicht aufgegriffen. Der Einstieg in eine Primärrohstoffsteuer im Rahmen eines Ressourcenschutzgesetzes wäre so ein guter und konkreter Vorschlag.

Wir leben längst auf Kosten unserer Enkel und der Menschen in weiten Teilen des globalen Südens und kommen letztlich - jeder von uns - auch nicht umhin, unsere Art des Konsums und Wirtschaftens laufend in Frage zu stellen und im Alltag ökologischer zu handeln.

Der Grundlagenbericht des Weltressourcenrates zeigt ausführlich, dass sich das Wirtschaftswachstum vom global rasant ansteigenden Rohstoffbedarf entkoppeln ließe. Er beschreibt zwei Szenarien für den Rohstoffverbrauch: einerseits würde sich die Entnahme von Rohstoffen von heute an bis 2050 verdoppeln, nämlich dann, wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen würden. Derzeit liegt der Verbrauch bei weltweit 85 Milliarden Tonnen. Würde man die Ressourcen andererseits effizienter und klimafreundlicher nutzen, ließe sich der Rohstoffverbrauch bis 2050 um 28 Prozent senken. Zusätzlich würden die Treibhausgasemissionen um 62 Prozent sinken. Die Weltwirtschaftsleistung wüchse dabei weiter um 1 Prozent.

Der Grundlagenbericht belegt: Die Ressourceneffizienz leistet einen wichtigen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sowie zur Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele. Sie steigert die Wettbewerbsfähigkeit und hilft dabei, Arbeitsplätze zu sichern.

Vorbereitung für den G20-Gipfel in Hamburg

Zu der Auftaktveranstaltung erwartet werden Delegationen Internationaler Organisationen wie OECD, UN Environment und UNIDO und sämtlicher G20-Staaten. Die Ergebnisse der Veranstaltung zu Ressourceneffizienz fließen in die Vorbereitung des G20 Gipfels ein, der am 7.-8. Juli 2017 in Hamburg stattfindet.

Das Thema "schonender Umgang mit den natürlichen Ressourcen" steht zum ersten Mal der Tagesordnung eines G20-Gipfels. Deutschland nutzt seine G20-Präsidentschaft, die Zusammenarbeit mit den G20-Partnern im Bereich Ressourceneffizienz zu vertiefen. Damit ist dieses Thema ganz prominent Gegenstand eines internationalen Regierungsprozesses. Denn die G20-Staaten sind für den weit überwiegenden Teil des globalen Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen verantwortlich.

Um den Anstrengungen für mehr Ressourceneffizienz in der internationalen Diskussion noch mehr Gewicht zu verleihen, hat die Bundesregierung die Gründung einer G20-Ressourcenpartnerschaft vorgeschlagen. "Die globale Herausforderung verlangt nach einer globalen Antwort. Wir brauchen eine starke Partnerschaft aller großen Wirtschaftsmächte, damit wir die Grenzen unseres Planeten nicht noch weiter überschreiten", appellierte Hendricks. Es sei das Anliegen vieler Staaten, sich über beste Praxis und innovative Technologien zur Ressourceneffizienz auszutauschen.

An der G20-Vorbereitungskonferenz nahmen Delegationen Internationaler Organisationen wie OECD, UN Environment und UNIDO und sämtlicher G20-Staaten teil. So bekräftigten Ibrahim Thiaw (Vize-Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen), und Paul Ekins (Mitglied des Ressourcenrates der Vereinten Nationen) sowie der Umweltminister von Argentinien, Rabbi Sergio Bergman, die Dringlichkeit und Notwendigkeit, sich für Ressourceneffizienz einzusetzen. Außerdem waren das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Jürgen Heraeus (Präsident der Business 20) und insgesamt rund 120 internationale Teilnehmerinnen und Teilnehmer vertreten.

Ein "Weiter so" geht nicht

Wirtschaftlicher Reichtum und gesellschaftlicher Wohlstand beruhen zu einem erheblichen Teil auf der Entnahme und Verwertung von natürlichen Rohstoffen. "Die Entnahme von Rohstoffen geht mit einem hohen Energieaufwand und mit einer teilweise nicht mehr zu reparierenden Umweltzerstörung einher. Und sie ist mit hohen Emissionen verbunden", sagte Hendricks. "Unser Ziel muss es sein, unseren Wohlstand und unsere Wirtschaft von dem hohen Rohstoffverbrauch zu entkoppeln", mahnte sie. Umweltschäden wie auch Rohstoffknappheit verursachen steigende Kosten und Verteilungskämpfe, sogar Kriege.

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Dass es auch anders gehen könnte, zeigen die Ergebnisse des Berichts der Weltressourcenrats, die von Ekins vorgestellt wurden. Die wissenschaftlichen Daten belegen: Es ist möglich, den globalen Verbrauch von natürlichen Rohstoffen um 28 Prozent zu senken. Gleichzeitig könnte hierdurch die Weltwirtschaftsleistung um ein Prozent gesteigert und die CO2 Emissionen im Jahr 2050 im Vergleich zu 2015 um 60 Prozent verringert werden.

Ein "Weiter so" im Umgang mit den natürlichen Ressourcen geht nicht, wenn die durchschnittliche globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius bleiben soll. Ekins hob in seinem Vortrag heraus, dass Deutschland bereits sehr erfolgreich sei, Rohstoffe einzusparen oder zurückzugewinnen. Nachdrücklich wies er daraufhin, dass Ressourceneffizienz ohne politischen Willen und entsprechende Rahmenbedingungen nicht funktionieren wird. "Die Märkte werden freiwillig einen schonenden Umgang mit Rohstoffen nicht erreichen können. Wir brauchen den politischen Willen: Wir brauchen Ziele, Zeitpläne und Budgets", sagte er.

2016 hatten die G7 beschlossen, das Internationale Ressourcenpanel (IRP) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zu bitten, einen Synthesebericht zu erstellen. Der Bericht sollte die vielversprechendsten Potenziale und Lösungen in Bezug auf Ressourceneffizienz in Industriestaaten, aber auch in Schwellen- und Entwicklungsländern aufzeigen.

Deutschland geht voran

Im Februar 2012 legte die Bundesregierung ein Ressourceneffizienzprogramm vor. Darin sind Leitideen, Handlungsmöglichkeiten und Maßnahmen zur nachhaltigen Nutzung und zum Schutz der natürlichen Ressourcen festgeschrieben. Diese werden alle vier Jahre neu überprüft. Der Fortschrittsbericht wurde 2016 beschlossen.

Im November 2016 legte Deutschland als einer der ersten Staaten einen Klimaschutzplan vor. Es ist das erste Regierungsdokument, das den Weg in ein weitgehend treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050 aufzeigt. Der Plan enthält erstmals Klimaziele für einzelne Wirtschaftszweige und gibt so eine konkrete Orientierung für strategische Entscheidungen in den nächsten Jahren.

Weitere Informationen:
Die G20 – Themen und Mitglieder

Deutschland hat im Dezember die Präsidentschaft der G20 übernommen. Die deutsche Präsidentschaft führt im Rahmen einer breit angelegten Themenpalette auch Nachhaltigkeitsthemen verstärkt in diese Zusammenarbeit ein. Mehr Details.

Bereits bei seiner G7-Präsidentschaft hat Deutschland erfolgreich eine Allianz zur Ressourceneffizienz initiiert. Diese soll nun im Rahmen der G20 erweitert werden. Zur Gründung dieser Allianz.

Der aktuelle Stand der Allianz.

Der Weltressourcenrat ist ein internationales Wissenschaftlergremium, das seit 2007 unter dem Dach des Umweltprogramms der Vereinten Nationen Analysen und Empfehlungen zum nachhaltigeren Umgang mit natürlichen Ressourcen erarbeitet. Mehr Informationen.

erschienen am: 2017-03-21 im europaticker

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