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Am Anfang stand eine einfache Idee: mit Hilfe von freien Interrail-Tickets sollten junge Menschen die
Möglichkeit bekommen, die EU neu zu entdecken. Herausgekommen ist ein bürokratisches Monster
EU übernimmt für 5000 Schüler Reisekosten zu EU-Projekten

Für mindestens 5000 Schüler übernimmt die EU die Reisekosten zu europäischen Schulpartnerprojekten, den so genannten e-Twinning-Projekten. Kriterien für die Auswahl sind die Qualität der Projekte, wie umweltfreundlich die gewählten Transportmittel sind und ob es sich um sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler handelt. Das neue Programm mit dem Titel "Move2Learn, Learn2Move"  hat die EU-Kommission heute (Montag) in Brüssel vorgestellt. Mit dieser Initiative, die jungen Menschen die Möglichkeit geben soll, an einem Lernprojekt in einem anderen europäischen Land teilzunehmen, hat die Kommission dem Wunsch des Europäischen Parlaments entsprochen, die Mobilität junger Menschen zu fördern. Die Teilnehmer an diesem neuen Programm sollen verschiedene andere europäische Kulturen kennen und außerdem für die Auswirkungen des Verkehrs und insbesondere der klimaschädlichen CO2-Emissionen sensibilisiert werden. Damit eine bestimmte Emissions-Obergrenze nicht überschritten wird, müssen im Rahmen dieser Initiative verschiedene Verkehrsträger miteinander kombiniert werden.

„Diese Initiative, die auf dem Programm eTwinning aufbaut, wird jungen Menschen die Möglichkeit geben, andere Länder und Kulturen in ganz Europa aus erster Hand zu entdecken und zu erleben. Anlässlich des 30. Jahrestags seiner Einführung ist dies ein weiteres Beispiel für die Erfolgsgeschichte des Erasmus-Programms , das Menschen zusammenzuführt und so dazu beiträgt, ihnen ein Gefühl dafür geben, was es bedeutet, Europäer und Europäerinnen zu sein“, sagte EU-Bildungskommissar Tibor Navracsics.

Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, ergänzte: „Es geht nicht darum, wie Menschen reisen – ob per Bahn, Schiff oder mit dem Auto – es geht beim Reisen um die Menschen selbst. Wir wollen jungen europäischen Menschen die Chance geben, Europa zu entdecken. Außerdem wollen wir es für sie attraktiv machen, umweltfreundlich zu reisen – weshalb wir die CO2-Emissionen berücksichtigen."

Das Europäische Parlament hatte sich ursprünglich dafür ausgesprochen, einen kostenlosen Interrail-Pass jedem europäischen Bürger bei Vollendung seines 18. Lebensjahres zur Verfügung zu stellen. Nach Schätzungen der Kommission würde dies jedoch zwischen 1,2 bis 1,6 Mrd. Euro jährlich kosten. Derzeit stehen Mittel in dieser Größenordnung aber nicht zur Verfügung.

Rebecca Harms, eine der Initiatoren des Free Interrail Projekts von Greens/EFA, kommentiert, was vom ursprünglichen Interrail-Vorschlag übrig geblieben ist: "Am Anfang stand eine einfache Idee: mit Hilfe von freien Interrail-Tickets sollten junge Menschen die Möglichkeit bekommen, die EU neu zu entdecken. Herausgekommen ist ein bürokratisches Monster. Die Kriterien, die Kommissarin Bulc heute veröffentlicht hat, sind so kompliziert, dass man den Eindruck bekommt, dass Menschen eher davon abgehalten werden sollen, sich zu bewerben. Die Initiative ist damit denkbar weit von der ursprünglichen und charmant einfachen Idee der jungen Aktivisten von Free Interrail und uns EU-Abgeordneten entfernt. Mit Werbung für Umwelt- und Klimaschutz beim Reisen hat das auch nicht mehr viel zu tun."

Die EU-Kommission hat 2,5 Mio. Euro aus den Mitteln des Programms Erasmus+ für diese Initiative bereitgestellt. Damit können 5000 bis 7000 junge Menschen ab dem 16. Lebensjahr ausgewählt werden, die je nachdem, wo sie leben und ob sie ihre Partner-Schulklasse besuchen, einen Anspruch auf Reisetickets im Wert von 350 EUR bis 530 Euro erhalten. Mit Ausnahme von Pkw und gecharterten Bussen kommen alle Verkehrsträger und -gesellschaften sowie Strecken für die Maßnahme infrage. Einige Verkehrsgesellschaften unterstützen die Initiative durch Rabatte oder kostenlose Reisetickets.

Wie und wann finden die Reisen statt?

Je nach Entscheidung der Eltern und Lehrer können die Teilnehmer als Gruppe in der Schulklasse oder allein reisen. Klassenfahrten werden allerdings vorrangig berücksichtigt. In vielen Fällen wird erwartet, dass Schulklassen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen, die beim eTwinning-Projekt zusammengearbeitet haben. Schüler im letzten Jahr einer weiterführenden Schule dürften wahrscheinlich eher Einzelreisen wählen. Die Reisen, die bis zu zwei Wochen dauern können, sollten zwischen August 2017 und Dezember 2018 stattfinden.

Müssen die Reisen bestimmten Kriterien entsprechen?

Die Reisekosten dürfen die Obergrenzen für die bereitgestellten Mittel nicht überschreiten. Außerdem sind zwei weitere Kriterien zu beachten:

  1. Der gewichtete Durchschnitt der CO2-Emissionen je Reisendem und Kilometer mit den einzelnen Verkehrsträgern darf für die Reisestrecke 200 g nicht überschreiten. Die einzelnen Verkehrsträger weisen folgende Werte auf: Eisenbahn: 14 g, Stadt- und Fernbusse: 86 g, mittelgroße Fähren: 258 g, kleine Fähren und Flugzeuge: 285 g CO2. Der Schwellenwert wurde auf 200 g festgesetzt, damit die Teilnehmer für ihren CO2-Fußabdruck sensibilisiert werden und den jeweils nachhaltigsten Verkehrsträger wählen.
  2. Außerdem sollte das Verhältnis zwischen Reise- und Aufenthaltsdauer bei einer Fahrt von höchstens 3 Tagen höchstens 1 zu 3 und bei einer längeren Fahrt höchstens 1 zu 4 betragen. Damit soll vermieden werden, dass Schüler sehr lange Reisen mit langsamen Verkehrsträgern oder großen Umwegen unternehmen, die ihnen nur wenig Zeit für den Aufenthalt am Zielort lassen.

eTwinning und Erasmus+

eTwinning ist die größte Gemeinschaft für Schulen in Europa. Die kostenlose Plattform ermöglicht es Lehrern, sich zu vernetzen, kollaborative Projekte zu entwickeln und Ideen auszutauschen. Es fördert die Vernetzung und Kooperation von Schulen in Europa die formelle und informelle Fortbildung von Lehrern. Die Angebote richten sich an Kindergärtner, Primar- und Sekundarschullehrer aller Fächer, Schulformen und Jahrgangsstufen. Alle Angebote von eTwinning sind kostenfrei.

Als Nationale Agentur für EU-Programme im Schulbereich ist in Deutschland der Pädagogische Austauschdienst PAD interessierte auch Nationale Koordinierungsstelle für das europäische Schulnetzwerk eTwinning.

Erasmus+ ist insgesamt mit einem Budget in Höhe von rund 14,8 Mrd. Euro ausgestattet. Das auf sieben Jahre ausgelegte Programm soll Kompetenzen und Beschäftigungsfähigkeit verbessern und die Modernisierung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung und der Kinder- und Jugendhilfe voranbringen. Mehr als vier Millionen Menschen werden bis 2020 von den EU-Mitteln profitieren, so sollen zwei Millionen Studierende im Ausland studieren oder sich fortbilden können, 650.000 Berufsschülerinnen und -schüler sowie Auszubildende erhalten Stipendien, um im Ausland zu lernen oder zu arbeiten und 800.000 Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen, Ausbilder und Jugendbetreuer können im Ausland unterrichten oder sich fortbilden.

erschienen am: 2017-03-27 im europaticker

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