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Überwinterer der Neumayer-Station berichten über Arbeit im ewigen Eis
Alltag und Abenteuer in der Antarktis

In diesem Winter gab es sogar eine heikle Rettungsaktion in der Antarktis: Ein Kollege der 250 Kilometer entfernten südafrikanischen Forschungsstation war erkrankt und sollte in der Neumayer-Station des Alfred-Wegener-Instituts behandelt werden. Doch auf dem Weg dahin hatte das Team technische Probleme und geriet auch noch in einen Sturm, der Kontakt brach sogar zeitweise ab. „Wir wussten überhaupt nicht, wie es ihnen ging. Deshalb haben wir dann unsere Leute auf die Suche geschickt“, erzählt die Ärztin Linda Duncker, auch Leiterin der Neumayer-Station. Die Geschichte ging gut aus. Das Team der Neumayer-Station fand die unterkühlten Kollegen und brachte sie sicher in die Station. „Der Aufenthalt hier schweißt zusammen“, bestätigt Ingenieurin Stefanie Bähler. „Trotz widriger Umstände bekommt man vieles hin. Und zu sehen, dass man sich hundertprozentig auf die anderen verlassen kann, das ist schon eine sehr gute Erfahrung. Das ist eine Zeit, die ich bestimmt nicht vergessen werde.“

14 Monate lebten und arbeiteten sie in einer Gegend, die sie vor große Herausforderungen stellte: Die Männer und Frauen, die den antarktischen Winter auf der Neumayer-Station verbracht haben, haben auf Einladung von Wissenschaftssenatorin Eva Quante-Brandt im Rathaus von ihrer Arbeit berichtet und einen interessanten Einblick in das Leben gegeben, das sie dort führten. „Ich bin sehr beeindruckt von dem, was Sie auf der Neumayer-Station geleistet haben“, sagte Senatorin Quante-Brandt zu ihren Gästen. „Für das Land Bremen hat die Meeresforschung eine sehr große Bedeutung. Bremen hat nicht nur den Wissenschaftsschwerpunkt Meereswissenschaften festgeschrieben. Bremen ist auch der größte meereswissenschaftliche Forschungsstandort in Deutschland - rund 40 % aller deutschen Meeresforscherinnen und Meeresforscher arbeiten in Bremen.“

Eine Geophysikerin, ein Geophysiker, eine Meteorologin, ein Luftchemiker, ein Elektriker, ein IT-Fachmann, eine Ingenieurin, eine Ärztin, die zugleich Leiterin der Station war, und ein Koch: sie alle mussten im Winter unter extremen Wetterbedingungen leben und arbeiten.
Gemeinsam haben sie für den fortlaufenden, wissenschaftlichen Betrieb gesorgt. Durch den ständigen Betrieb der Observatorien sind Langzeitmessungen auf der AWI-Antarktisstation möglich. Sie liefern wichtige Daten zu Erdbeben weltweit, zur Entwicklung der Ozonschicht sowie zum Abschmelzen der Polkappen. Die Geophysikerin Sissy Kütter und der Geophysiker Steven Franke betreuten das geophysikalische Observatorium, die Messstationen im Umkreis von 100 km. Dazu waren mehrmals während des Winters längere Fahrten zur Wartung der Observatorien erforderlich. Diese Aufgabe stellte besonders im Winter eine besondere Herausforderung dar. Sissy Kütter ist immer noch beeindruckt von der gigantischen Technik und der gut ausgestatteten Forschungsstation. „Wir erforschen zum Beispiel, wie Erdbeben entstehen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Wissenschaft.“ Auch Senatorin Quante-Brandt ist überzeugt: „Die Daten, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Antarktis gewinnen, sind für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft von elementarer Bedeutung. Sie dienen auch dazu, weitere Erkenntnisse in Sachen Klimawandel zu gewinnen.“

Die Arbeit erfordert nicht nur das fachliche und technische Know-how, sondern fordert auch das soziale Miteinander. Man kann sich schlecht aus dem Weg gehen. „Jeder soll sich wohlfühlen“, findet der Koch Sven Schnieder. Mit seinem Essen ist es ihm gelungen, die Mannschaft bei Laune zu halten, auch wenn es stürmisch und dunkel war.
Auf soziale Kompetenzen werde bei der Auswahl der Teams geachtet, erklärt Dr. Uwe Nixdorf vom Alfred- Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, das die Station betreibt: „Er reicht nicht, das als Experiment und Selbsterfahrung zu betrachten. Wir brauchen Leute, die sozial und nervlich stabil sind und sich für diesen letzten unberührten Teil der Natur begeistern. Und ganz wichtig: Leute, die ihr Fachwissen unter diesen extremen Voraussetzungen anwenden wollen, weil sie wollen, dass die Station läuft.“

Alle berichten, dass die Überwinterung sie verändert habe, dass sie gelassener seien als vorher. Auch Marcus Heger, zuständig für Funk und IT, hat sich während der Zeit auf der Neumayer-Station daran gewöhnt, dass es auch mal langsamer gehen muss. „Heute bin ich entspannter. Ich achte vielmehr auf die Schönheit der Natur. Als ich einmal an einer Eiskante stand und es so still war, dass ich sogar das Fluggeräusch eines vorbeifliegenden Eisvogels hören konnte, das war ein einmaliges Erlebnis.“ Jetzt freut er sich aber trotzdem auf den Frühling in Europa. Wenn nicht alles um ihn herum weiß ist, sondern grün.
Weitere Infos unter:
Die Neumayer-Station III: www.awi.de/de/infrastruktur/stationen/neumayer_station

erschienen am: 2017-04-12 im europaticker

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