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Aufgrund der hohen Messwerte wurde eine Fischuntersuchung in Auftrag gegeben
PFT-Belastungen um den Flughafen Hahn

Wegen der Bedeutung von zivil und militärisch genutzten Flugplätzen für eine Belastung durch perfluorierte Tenside (PFT) in den Oberflächengewässern hat die SGD Nord als Obere Wasserbehörde aufgrund der Erfahrungen an den Flugplätzen Spangdahlem, Bitburg und Büchel auch am Flughafen Hahn, der über eine weitreichende militärische Nutzung verfügte, orientierende Untersuchungen durchgeführt. Dabei wurden sowohl die Regenrückhaltebecken des Flugplatzes als auch Gewässer in der Umgebung beprobt.

Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist ein seit 1993 aus US-Militärverwendung konvertierter ziviler Flughafen in Rheinland-Pfalz. Der sechstgrößte Frachtflughafen Deutschlands liegt rund 125 Straßenkilometer westlich von Frankfurt am Main. Im Passagierverkehr wird er, außer von Wizz Air und Sun Express, hauptsächlich durch die irische Billigfluggesellschaft Ryanair bedient. Die französische Besatzungsmacht begann 1951 mit dem Bau eines Militärflugplatzes im Hunsrück, der 1952 von der US-amerikanischen Luftwaffe übernommen wurde. Zum Ende des Kalten Krieges waren auf der Hahn Air Base drei Fliegende Staffeln F-16 stationiert mit einem Personalbestand und Familienangehörigen von insgesamt 13.000 Menschen. Nachdem diese Staffeln 1991 beim zweiten Golfkrieg im Irak eingesetzt worden waren, kehrten die Flugzeuge direkt in die USA zurück. Die US Air Force leitete die Aufgabe des Standortes ein und zog bis 1993 das verbliebene Personal und Gerät ab

Während in den Gewässern westlich des Flugplatzes nur vergleichsweise geringe Konzentrationen gefunden wurden, stellte sich der Brühlbach bei Hahn (auch Wilwersbach oder Hitzelsbach genannt) mit einem Messwert von 9,3 µg PFOS/ l im Dezember 2015 als sehr stark belastet dar. Eine weitere Messung im Februar 2016 brachte mit 3,1 µg PFOS/ l ein geringeres, jedoch noch immer deutlich erhöhtes Ergebnis. Aufgrund der hohen Messwerte empfiehlt die SGD Nord vorsorglich im Bereich der Ortsgemeinde Hahn auf die Nutzung von Bachwasser für Bewässerungszwecke zu verzichten.

Auch die Rückhaltebecken des Flughafens sowie die unterhalb liegenden Gewässer auf der Ostseite des Flughafengeländes weisen teilweise hohe Konzentrationen an PFT auf. Diese sind mit einem Maximalwert von etwa 0,5 µg PFOS/ l zwar geringer als in den zuvor beschriebenen Gewässern nördlich des Geländes, aber dennoch deutlich höher als auf der Westseite und beim bis zu Zehnfachen des bei Sanierungen anzustrebenden Wertes von 0,05 µg PFOS/ l.

In den nächsten Monaten werden weitere Untersuchungen der Gewässer durchgeführt. Neben einer Bestätigung der bisher festgestellten Belastungen steht dabei auch die Ermittlung der Ausbreitung der Stoffe in den Gewässern im Vordergrund. Aufgrund der hohen Messwerte wurde außerdem eine Fischuntersuchung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse jedoch noch nicht vorliegen.

Die SGD Nord hat die Verantwortlichen der Flughafen Frankfurt Hahn GmbH (FFHG) und des Landesbetriebs LBB über die vorliegenden Erkenntnisse informiert und Überlegungen über weitere Schritte angestellt. Beide betroffenen Eigentümer haben eine enge Zusammenarbeit mit der SGD Nord zugesagt. Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass keine großflächige Verunreinigung im Untergrund des Flughafens Hahn zu erwarten ist. Es ist wahrscheinlich, dass die erkannten Belastungen aus der militärischen Vornutzung des Geländes stammen.

Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger im Umfeld des Flughafens werden in Abstimmung mit den Verbandsgemeindeverwaltungen durch die SGD Nord informiert. Es werden auf Wunsch Infoveranstaltungen stattfinden. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse sind in einer Karte zusammengefasst.

PFT-Belastungen in Wasser und Boden

Perfluorierte Tenside (PFT) stellen ein besonderes Problem in der Umwelt dar. In den letzten Jahren wurden weltweit an verschiedenen Standorten Schadensfälle mit PFT-Verunreinigungen bekannt, diese Stoffe sind heute – gemeinsam mit der großen Stoffgruppe der PFC (= perfluorinated chemicals / compounds) – ubiquitär, d. h. weltweit verbreitet und mittlerweile sogar bis in die Arktis hinein nachweisbar.

Von Experten der SGD Nord und des LfU werden seit 2011 die Gewässer in Rheinland-Pfalz systematisch beobachtet. Neben dem Überblicksmessnetz werden in Abstimmung mit der amerikanischen U.S. Airforce mit einem Sondermessnetz gezielt festgestellte Belastungsschwerpunkte an den Flugplätzen Spangdahlem und Bitburg sowie seit 2015 auch am Flughafen Hahn und am Flugplatz Büchel untersucht. Die offene und transparente Berichterstattung der Bevölkerung hat federführend die SGD Nord übernommen.

PFT sind eine Untergruppe der Stoffgruppe der perfluorierten Chemikalien PFC, Leitsubstanzen sind die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und die Perfluoroctansäure (PFOA). Sie gelten mit einigen anderen Vertretern der PFT und auch der Stoffgruppe der PFC als besonders besorgniserregend für die Umwelt bzw. stehen im Verdacht, krebserzeugend zu sein und die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen negativ zu beeinflussen. Diese Stoffe gehören zu den sogenannten PBT-Chemikalien, d. h. sie sind persistent, bioakkumulierbar und toxisch. Daher wird die Umwelt von den zuständigen Behörden sorgfältig auf mögliche PFT-Belastungen hin überwacht, festgestellte erhebliche Belastungen müssen dann saniert werden. Vordringliches Ziel ist der Schutz der menschlichen Gesundheit.

Die stoffliche Besonderheit der Perfluortenside sind ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften: PFT sind zugleich fett-, wasser- und schmutzabweisend als auch gut wasserlöslich und weitgehend resistent gegenüber Hitze und Chemikalieneinwirkungen. Stoffe mit ähnlichen Eigenschaften kommen in der Natur nicht vor, die Herstellung von PFT erfolgt ausschließlich durch den Menschen.

Der Beginn der industriellen Produktion von PFC und PFT liegt in den 1950´er Jahren, 1969 wurden PFT erstmals in Feuerlöschschäumen verwendet und auf den Markt gebracht, seit den 1970´er Jahren werden sie erstmals in der Umwelt beobachtet. Besonders das Umfeld von Flugplätzen ist daher heute von erhöhter PFT- Belastung betroffen. Hintergrund dafür ist die vielfache Verwendung sog. AFFF-Schäume (Aqueous Film Forming Foam) durch die zivilen und militärischen Flugfeld-Feuerwehren seit Ende der 1960´er Jahre. Diese wasserfilmbildenden Schäume sind zum Löschen von Öl- und Benzinbränden besonders gut geeignet.

Mit Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) belastete Schaummittel wurden erst 2011 aufgrund von europaweiten Verboten vollständig aus dem Verkehr gezogen, nachdem ihre negativen Wirkungen bekannt wurden. Als PFOS-frei werden derzeit Feuerlöschschäume mit bis zu 0,001 Gew-% PFOS und PFOS-Derivate bzw. Konzentrationen < 10 mg/kg gemäß EU-Verordnung 757/2010 definiert. Seitdem konnten sie durch weniger problematische Chemikalien mit ähnlichen oder gleichen Eigenschaften ersetzt werden.

Ihre einzigartigen Eigenschaften machen die PFT außerdem zu attraktiven Grundstoffen für vielfältige Verwendungen in der Industrie für Oberflächenbeschichtungen von Textilien (insbes. Outdoor-Kleidung), Teppichen, Lebensmittelverpackungen sowie als Zusatz in Oberflächenreinigungsmitteln in der Foto- und Galvanotechnik sowie als Zusatz in Hydraulikölen und Farben.

Ihre nützlichen Eigenschaften machen PFT zugleich auch zu sehr problematischen Chemikalien, denn sie sind weitestgehend beständig gegen natürlichen Abbau und reichern sich daher zunehmend in unserer Umwelt an. Das gesundheitsschädigende Potential von PFT ist nach heutiger Auffassung vor allem bedingt durch die lange Verweilzeit im menschlichen Körper. So zeigten Untersuchungen, dass beim PFOA nach etwa 4-6 Jahren die Hälfte des anfänglich gemessenen Wertes erreicht wird. PFT konzentrieren sich nach derzeitigem Kenntnisstand in Leber und Nieren sowie im Blut am stärksten.

Die Verbreitungswege in der Umwelt und in die Umwelt hinein sind allerdings bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird aber angenommen, dass dem Verbreitungsweg über den Wasserpfad hohe Bedeutung zukommt.

Für Wasser und Boden wurden in den verschiedenen Schutzgütern z. B. des Trinkwassers spezifische Grenz- und Richtwerte für PFT-Konzentrationen von verschiedenen Kommissionen und behördlichen Arbeitsgemeinschaften definiert bzw. vom Gesetzgeber erlassen. Insbesondere für das Trinkwasser sind diese bereits rechtsverbindlich und müssen zwingend eingehalten werden (vgl. Tabelle Grenz- und Richtwerte PFC im unteren Downloadbereich).
Die wichtigste Verbindung der Stoffgruppe OFT ist PFOS (Perfluoroctansulfonsäure). Bei der Sanierung von Fließgewässern liegt der angestrebte Zielwert bei 0,05 µg PFOS pro Liter. Aus Gründen der Vergleichbarkeit und wegen dem Vorhandensein dieses konkreten Zielwertes sind die Belastungen in den folgenden Karten in PFOS/l dargestellt.

PFT- Belastung an Flughäfen und Flugplätzen in RLP

Flugplatz Bitburg

Flugplatz Büchel

Flugplatz Spangdahlem

erschienen am: 2017-04-17 im europaticker

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