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Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost wurden zur vertieften Untersuchung in Etappe 3
des Sachplanverfahrens vorgeschlagen
Geologisches Tiefenlager: Eidgenössische Prüfbehörde unterstützt Rückstellung des Wellenbergs

Das ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorat) hat sein Detailgutachten betreffend zweite Etappe in der Standortsuche nach geologischen Tiefenlagern für radioaktive Abfälle fertiggestellt. Es empfiehlt, die Standortgebiete Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost weiter zu untersuchen. Das Standortgebiet Wellenberg (Kanton Nidwalden/CH) soll hingegen zurückgestellt werden.

Nidwalden ist ein deutschsprachiger Kanton der Schweiz und zählt zur Grossregion Zentralschweiz (Innerschweiz). Der Hauptort und zugleich grösste Ort ist Stans. Nid- und Obwalden bildeten zusammen Unterwalden, einen der drei Urkantone der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1291, woher die ältere Bezeichnung Unterwalden "nid dem Wald" rührt.

Im Rahmen der Etappe 2 des nationalen Sachplanes hat die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) Ende Januar 2015 ihre Standortvorschläge für geologische Tiefenlager für schwach- und mittelaktive Abfälle beim Bundesamt für Energie (BFE) eingereicht. Beim dannzumals eingereichten Einengungsvorschlag (2x2-Vorschlag: mindestens zwei Standortgebiete je Lagertyp) kam die Nagra zum Schluss, dass das Standortgebiet Wellenberg zurückgestellt und somit im Rahmen der bevorstehenden Etappe 3 nicht weiter untersucht werden soll. Dies, da der Wellenberg im Vergleich zu den übrigen Standortgebieten sicherheitstechnisch eindeutige Nachteile - insbesondere aufgrund ungünstiger Verhältnisse für die Untersuchbarkeit des Untergrundes (Explorierbarkeit) - aufweist und somit Ungewissheiten bezüglich der Langzeitstabilität und der Barrierenwirkung des Wirtgesteines bestehen. Die Standortgebiete Zürich Nordost und Jura Ost wurden von der Nagra Ende Januar 2015 hingegen zur vertieften Untersuchung in Etappe 3 des Sachplanverfahrens vorgeschlagen.

ENSI beurteilt Nagra-Vorschläge

Im Rahmen des Sachplanverfahrens ist das ENSI als Aufsichtsbehörde für die sicherheitstechnische Prüfung und Beurteilung der Standortvorschläge zuständig. Das ENSI wird dabei von der Expertengruppe Geologische Tiefenlager (EGT), vom Bundesamt für Landestopographie (swisstopo) und von zahlreichen weiteren Experten unterstützt.

Das ENSI hat die Unterlagen der Nagra geprüft und kommt in seinem nun veröffentlichten Detailgutachten (www.ensi.ch) zum Schluss, dass die geologischen Informationen für die Zwecke einer provisorischen Sicherheitsanalyse und den Standortvergleich in der laufenden Etappe 2 des Sachplanverfahrens ausreichend sind und dass die Nagra diese Informationen in ihrem 2x2-Vorschlag berücksichtigt hat. Das ENSI bleibt weiter bei seinem bereits im Dezember 2016 geäusserten Fazit, dass in Etappe 3 neben den beiden Standortgebieten Zürich Nordost und Jura Ost auch Nördlich Lägern weiterzuverfolgen und die Standortgebiete Wellenberg, Südranden und Jura-Südfuss zurückzustellen sind.

ENSI teilt Vorbehalte gegen Wellenberg

Mit dieser Einschätzung werden die vom Regierungsrat schon in der Stellungnahme zu Etappe 1 wie auch im Verlaufe der Etappe 2 geäusserten Vorbehalte gegen den Standort Wellenberg auch von der Aufsichtsbehörde geteilt. Der Regierungsrat fühlt sich bestärkt in seiner Beurteilung, dass der Wellenberg eindeutige sicherheitstechnische Nachteile aufweist.

Als Nächstes werden die Kommission für nukleare Sicherheit (KNS) sowie der Ausschuss der Kantone (AdK) ihre Stellungnahmen abgeben. Basierend auf der behördlichen Überprüfung sowie der Stellungnahmen des AdK und der Standortregionen nimmt das BFE danach eine Gesamtbeurteilung der Vorschläge vor (Ergebnisbericht). Ende 2017 werden sämtliche Unterlagen der Etappe 2 in eine dreimonatige öffentliche Vernehmlassung geschickt. In diesem Rahmen wird auch der Kanton Nidwalden seine Stellungnahme zu Handen des Bundes abgeben. Diese ist vorgängig den Nidwaldnerinnen und Nidwaldnern mittels Volksabstimmung zu unterbreiten. Der Bundesrat wird voraussichtlich bis Ende 2018 über den Abschluss der Etappe 2 der Standortsuche entscheiden und damit festlegen, welche Standortgebiete in Etappe 3 tatsächlich vertieft untersucht werden sollen.

erschienen am: 2017-04-20 im europaticker

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