europaticker:
Greenwashing mit Aloe vera: Verbraucherschützer fanden trotz des vermeintlich grünen
Images umweltschädliche Plastikverbindungen
Verbraucherzentrale Hamburg prüft Kosmetik- und Drogerieartikel

Die Wüstenpflanze Aloe vera entfaltet ihre grünen Blätter auf Verpackungen von Drogerie- und Kosmetikartikeln. Doch in vielen Cremes, Duschbädern oder Hautgelen ist Aloe vera nur in geringen Mengen vorhanden. Das ergab eine Prüfung von insgesamt 21 Produkten durch die Verbraucherzentrale Hamburg. In einigen Artikeln mit Aloe fanden die Verbraucherschützer sogar umweltschädliches Mikroplastik.

Die Echte Aloe (Aloe vera) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Aloen (Aloe) in der Unterfamilie der Affodillgewächse (Asphodeloideae). Das Artepitheton vera stammt aus dem Lateinischen und bedeutet ‚wahr‘. Aloe vera wächst stammlos oder mit kurzen Stämmen, ist sprossend und bildet dichte Gruppen. Der Stamm erreicht einen Umfang von bis zu 30 Zentimeter. Die etwa 16 lanzettlich-verjüngten Laubblätter sind dicht rosettig am Stamm angeordnet. Ihre 40 bis 50 Zentimeter lange und 6 bis 7 Zentimeter breite Blattspreite ist graugrün und manchmal rötlich überhaucht. Die Blattoberfläche ist glatt. An den leicht rosafarbenen Rändern befinden sich im Abstand von 10 bis 20 Millimetern etwa 2 Millimeter lange, feste bleiche Zähne. Der getrocknete Blattsaft ist gelb.

Die ursprüngliche Heimat der Aloe Vera ist Mexico (Yucatan), Brasilien, Kuba, Afrika und die Kanaren - allgemein Länder mit Sommermonaten in denen oft monatelang kein Regen fällt und die sich durch ein extrem heißes Sommerklima auszeichnen. Aufgrund dieser erschwerten Lebensbedingungen ist die Aloe Vera Pflanze auf die Bildung eigener Nährstoffe und auf das Befüllen der Feuchtigkeitsspeicher in ihren Blättern angewiesen.

Große Bilder, wenig Inhalt: Während Bilder der Aloe-Pflanze bis zu 50 Prozent der Fläche auf der Schauseite der untersuchten Verpackungen ausmachten, betrug der Anteil im Produkt häufig nur wenige Prozent. Bei einer Feuchtigkeitsmilch und einer Pflegecreme war es jeweils lediglich ein Prozent. Gleichzeitig war häufig nicht klar zu erkennen, ob ein Hersteller Aloe vera als Direktsaft verwendet oder nur rückverdünntes Pulver- oder Saftkonzentrat einsetzt. Dem Direktsaft wird die größte kosmetische Wirkung nachgesagt.

Menge unklar: Kaum ein Hersteller machte auf der Verpackung oder im Internet konkrete Angaben zum prozentualen Anteil des Aloe-Saftes im Produkt. "Die Anbieter nutzen eine Gesetzeslücke, wonach der Prozent-Anteil bei einer Auslobung in Wort und Bild nicht angegeben werden muss", erläutert Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. Wie viel Aloe ein Drogerie- oder Kosmetikartikel tatsächlich enthält, ist für Verbraucher - anders als bei Lebensmitteln - nicht ersichtlich. Drei Viertel der Hersteller benannten nicht einmal auf Nachfrage der Verbraucherzentrale die genaue Menge an Aloe in ihrem Produkt.

Aloe vera und Mikroplastik: In fünf der 21 untersuchten Produkte fanden die Hamburger Verbraucherschützer trotz des vermeintlich grünen Images umweltschädliche Plastikverbindungen. Die kleinen Plastikteilchen verbargen sich hinter langen chemischen Begriffen. "Ohne chemisches Insiderwissen sind die Stoffe kaum zu identifizieren", warnt Schwartau.

Unbelegte Werbeaussagen: 19 von 21 Unternehmen legten zu Auslobungen wie "feuchtigkeitsspendende Wirkung" keine ausreichenden Belege vor. Fünf Anbieter führten Studien zur allgemeinen Wirkung von Aloe vera an, ohne sich jedoch auf die konkrete kosmetische Wirkung in ihrem Produkt zu beziehen.

"Die Ergebnisse unseres Marktchecks zeigen, dass auch bei Kosmetik- und Drogerieartikeln mehr Transparenz dringend geboten ist", meint Verbraucherschützerin Schwartau. Ein unabhängiges kontrolliertes Label für Naturkosmetik würde vielen Verbrauchern helfen, schwarze Schafe besser zu erkennen. "Es kann nicht sein, dass sich in vermeintlich grünen Aloe-Produkten kleine Plastikpartikel verbergen, die unabsehbare Schäden in der Umwelt anrichten. Plastik aller Art in Cremes oder Duschgelen gehört schnellstmöglich auf die Verbotsliste der Kosmetikverordnung."

Eine Aufstellung der untersuchten Aloe-Produkte mit Bildern und Bewertungen ist veröffentlicht auf der Internetseite der Verbraucherzentrale Hamburg unter www.vzhh.de. Zu finden ist dort ebenfalls eine Liste mit 22 möglichen Bezeichnungen für Mikroplastik in Kosmetika.

erschienen am: 2017-04-19 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Mitglied im Deutschen Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken