europaticker:
Europäische Kommission leitet neue Initiative für eine nachhaltige Entwicklung
der „blauen Wirtschaft“ im westlichen Mittelmeerraum ein
Maßnahmen für eine nachhaltige Entwicklung der „blauen Wirtschaft“

Die Region umfasst Wirtschaftszentren wie Barcelona, Marseille, Neapel und Tunis, außerdem Reiseziele wie die Balearen, Sizilien und Korsika. Die biologische Vielfalt des Mittelmeeres steht unter massivem Druck. Aus einem aktuellen Bericht von Wissenschaftlern der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) geht hervor, dass in den letzten 50 Jahren 50 % der Arten verschwunden sind. Hinzu kommen die jüngsten Sicherheits- und Schutzbedenken aus Anlass der Zunahme der Migration von Süden nach Norden.

Diese Initiative ermöglicht die Zusammenarbeit von EU-Mitgliedstaaten und Nachbarländern im Hinblick auf die Verbesserung der Sicherheit und der Gefahrenabwehr im Seeverkehr, die Förderung eines nachhaltigen blauen Wachstums und der Beschäftigung sowie die Erhaltung der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt.

Der für Umwelt, Meerespolitik und Fischerei zuständige EU-Kommissar Karmenu Vella erklärte: „Millionen von Urlaubern verbinden positive Assoziationen mit dem westlichen Mittelmeerraum. Wie die vielen Millionen, die in der Region leben, verstehen sie, wie fragil das Gleichgewicht zwischen dem Erhalt der Lebensräume und der Traditionen der Länder und der Sicherstellung der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit ist. Die „blaue Wirtschaft“ ist für jedes der beteiligten Länder wichtig, und die Länder haben erkannt, dass ihre Stärke in der Zusammenarbeit liegt.“

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik und Erweiterungsverhandlungen, erklärte: „Mit dieser neuen regionalen Initiative wird das wirtschaftliche Potenzial des Mittelmeers und seiner Küstengebiete anerkannt. Dieses soll zur weiteren Stärkung des Wirtschaftswachstums, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und letztlich zur Stabilisierung der Region genutzt werden. Wir haben damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer engeren Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Ländern getan.“

Die Initiative ist das Ergebnis mehrjähriger Gespräche zwischen zehn Ländern des westlichen Mittelmeerraums (fünf EU-Mitgliedstaaten (Frankreich, Italien, Malta, Portugal und Spanien) und fünf Länder der Südlichen Partnerschaft (Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien)), die bereit und willens sind, zur Förderung dieser gemeinsamen Interessen der Region zusammenzuarbeiten. Die Initiative folgt der Ministererklärung zur Blauen Wirtschaft, die am 17. November 2015 durch die Union für den Mittelmeerraum (UfM) angenommen wurde. 

Ziele der Initiative

Die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den zehn genannten Ländern verfolgt drei Hauptziele:

  1. Mehr Sicherheit und Gefahrenabwehr im Meeresraum
  2. Eine intelligente und krisenfeste blaue Wirtschaft
  3. Eine bessere Verwaltung der Meere

Es wurden Lücken und Herausforderungen ermittelt, und für jedes Ziel wurden eine Reihe von Prioritäten und gezielte Maßnahmen festgelegt.

Zu den Prioritäten für Ziel 1 gehören die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Küstenwachen und die Reaktion auf Unfälle und Ölverschmutzungen. Spezifische Maßnahmen sind für den Ausbau der Infrastrukturen für die Überwachung des Schiffsverkehrs, die gemeinsame Nutzung von Daten und den Kapazitätsaufbau vorgesehen. Für Ziel 2 umfassen die Prioritäten die Beschaffung neuer Daten, die Biotechnologie und den Küstentourismus. Die Prioritäten für Ziel 3 betreffen die Raumplanung, das Wissen über die Meere, die Erhaltung von Lebensräumen und die nachhaltige Fischerei.

Die Initiative wird durch bestehende internationale, EU-, nationale und regionale Fonds und Finanzinstrumente finanziert, die koordiniert werden und sich ergänzen. Dadurch dürften eine Hebelwirkung erzielt und weitere Mittel vonseiten anderer öffentlicher und privater Investoren mobilisiert werden.

Diese "Initiative für die nachhaltige Entwicklung der blauen Wirtschaft im westlichen Mittelmeerraum" ist ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Nachbarschaftspolitik der EU. Vor knapp drei Wochen erreichte die EU, dass Zusagen für 10 Jahre gegeben wurden, die Fischbestände im Mittelmeer zu retten. Die MedFish4Ever-Erklärung wurde von den Ministern der nördlichen und südlichen Mittelmeeranrainerstaaten am 30. März unterzeichnet (8 Mitgliedstaaten: Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Malta, Slowenien, Spanien und Zypern, 7 Drittländer: Ägypten, Albanien, Algerien, Marokko, Montenegro, Tunesien, Türkei). Die beiden Projekte werden sich gegenseitig beim Schutz des ökologischen und wirtschaftlichen Reichtums der Region unterstützen.

Hintergrund

Die Initiative stützt sich auf die langjährige Erfahrung der Kommission mit Strategien für Meeresbecken und Makroregionen (z. B. die Atlantikstrategie, die EU-Strategie für den Ostseeraum und die EU-Strategie für die Region Adria-Ionisches Meer). Sie beruht ferner auf zwei Jahrzehnten Arbeit im Rahmen des 5+5-Dialogs, durch die enge Verbindungen zwischen den teilnehmenden Ländern entstanden sind. Außerdem stützt sie sich auf andere mit der Region verbundene EU-Maßnahmen, etwa die Prioritäten der Überprüfung der Europäischen Nachbarschaftspolitik und die jüngste Mitteilung der Kommission zur internationalen Meerespolitik.

Grundlage der Initiative sind zwei Dokumente: In einer Mitteilung werden die wesentlichen Herausforderungen, Mängel und möglichen Lösungen skizziert. In einem Aktionsrahmen werden die ermittelten Prioritäten, Maßnahmen und Projekte im Einzelnen dargelegt sowie quantitative Ziele und Fristen im Hinblick auf die Überwachung der Fortschritte genannt. Einige der Maßnahmen könnten weit über die genannten Länder und sogar über dieses Teilgebiet des Mittelmeerraums hinaus reichen.

erschienen am: 2017-04-19 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken