europaticker:
Aktionsgemeinschaft für eine sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen
Umweltverband drängt HBCD-haltige Abfälle als Sondermüll einzustufen
HBCD-Entsorgung: Bundesweit einheitliche Lösung in Sicht

Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e. V. begrüßt den vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) am 27. April vorgelegten Referentenentwurf zur Verordnung zur Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen (POP) und zur Änderung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV). Mit dem Entwurf ist eine bundesweit einheitliche Lösung der HBCD-Problematik in Sicht.

„Der Referentenentwurf ermöglicht langfristig die reibungslose Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen. Das begrüßen wir“, sagte BDE-Präsident Peter Kurth. „In Anbetracht des fast zur Hälfe verstrichenen Moratoriums ist es nur folgerichtig, dass der dynamische Verweis zwischen deutscher AVV und europäischer POP-Verordnung endgültig gestrichen werden soll. Diese Verknüpfung ist europarechtlich ohnehin nie erforderlich gewesen.“

In der weiteren Diskussion müsse insbesondere präzisiert werden, welche Abfallgemische und Sortierreste aus Behandlungsanlagen der POP-Nachweispflicht unterliegen sollen und welche nicht. Kurth: „Bleibt es im Entwurf bei der derzeitigen Formulierung, würden alle Gemische und Sortierreste unter die POP-Nachweispflicht fallen, ob zum Beispiel HBCD-haltig oder nicht. Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein.“ Für die Zerstörungspflicht von POP-Abfällen ist im Entwurf ein Nachweisverfahren vorgesehen: „Um das Nachweisverfahren praxisnah zu gestalten, sollte der Sammelentsorgungsnachweis auch bei Mengen von über 20 Tonnen jährlich Anwendung finden. Andernfalls würde der Abfallerzeuger mit unnötigem Verwaltungsaufwand belastet werden“, so Kurth weiter.

Verordnung zur Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen und zur Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung

Stellungnahme zum Referentenentwurf der Verordnung zur Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen und zur Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung
Grundsätzliche Anmerkungen
Die in der Aktionsgemeinschaft „Sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen“ (AG EHDA) vertretenen Verbände und Unternehmen befürworten das Engagement von Bund und Länder, noch vor dem Ende der Legislaturperiode eine einheitliche und praktikable Regelung für die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen zu schaffen.

Die AG EHDA begrüßt besonders, dass die Gefährlichkeitseinstufung POP-haltiger Abfälle nicht mehr über die geforderte Umsetzung des EU-Abfallrechts hinausgeht. Die Einstufung von allen POP-haltigen Abfällen als gefährliche Abfälle hatte vor dem Moratorium zu einem Entsorgungsengpass geführt. Ein erneuter Engpass nach Auslaufen des Moratoriums soll mit der 1:1 Umsetzung der EU-Vorgaben verhindert werden. Die Bundes-Verordnung schafft die notwendige Voraussetzung für eine bundeseinheitliche Umsetzung. Darüber hinaus sieht die Verordnung zahlreiche Öffnungen der Regelungen für den Vollzug auf Länderebene vor, die die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfallen vereinfachen. Die Möglichkeit zur Öffnung der Regelung für den Vollzug bewertet die AG EHDA grundsätzlich positiv. Jedoch könnten die länderspezifischen Regelungen ungewollt zu Unsicherheiten bei der Entsorgung führen. Die Aktionsgemeinschaft möchte deshalb anregen – sofern möglich – die folgenden beiden Punkte direkt im Gesetzestext zu verankern, um einen bundeseinheitlichen Vollzug sicherzustellen und eine für alle Beteiligten technisch und wirtschaftlich zumutbare Entsorgungslösung zu ermöglichen.

 Im Rahmen des Sammelentsorgungsnachweises nach § 9 Absatz 2 NachwV wäre das Anheben der derzeit festgeschriebenen Massengrenze von 20 Tonnen nach § 9 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4 NachwV zu begrüßen.

 Der Verzicht auf die Deklarationsanalyse beim Entsorgungsnachweis unter den Voraussetzungen des § 3 Absatz 2 Satz 2 NachwV könnte – wie zum Beispiel auch für Asbest – verbindlich festgeschrieben werden.

Das rasche Inkrafttreten der Verordnung wird von den Teilnehmern der AG EHDA ausdrücklich befürwortet. Die AG EHDA würde es begrüßen, wenn der Gesetzgeber im Rahmen einer zeitnahen Überprüfung mit allen Betroffenen erneut spricht und eine zeitnahe Anpassung der Regelungen, wenn sie nicht praxistauglich vollzogen werden können, anstrebt. Die AG EHDA regt die Aufnahme einer Überprüfungsklausel an: „Die Bundesregierung überprüft innerhalb von 2 Jahren nach dem Inkrafttreten der Verordnung und auf der Grundlage der Stoffstromentwicklung und den bis dahin gesammelten Erfahrungen aus der Umsetzungspraxis, ob und inwieweit eine Anpassung der Anforderungen aus den einzelnen Artikeln der Verordnung notwendig ist.”

Der vorliegende Referentenentwurf ist für die AG EHDA ein tragbarer Kompromiss. Die vertretenen Verbände und Unternehmen schließen sich der Stellungnahme des Verbands der Chemischen Industrie (siehe Anlage) an und ergänzen diese um die nachfolgend aufgeführten Anmerkungen.

Detailanmerkungen
Zu § 2 POP-haltige Abfälle
In § 2 Absatz 1 Punkt 4 Nummer f) ist der Geltungsbereich der Verordnung auch für die Abfallart „gemischte Bau- und Abbruchabfälle“ mit der Abfallschlüsselnummer 17 09 04 vorgesehen. Gemäß der Begründung fallen Baumischabfälle jedoch nur in den Geltungsbereich, wenn im Gesamtgemisch die im Anhang IV der EU-POP-VO bezeichneten Konzentrationsgrenzen erreicht oder überschritten werden. Wie die Erfahrungen aus dem letzten Jahr gezeigt haben, wurde die Frage, ab welchem Maß ein Baumischabfall mit HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen als „gefährlich einzustufen ist“, aufgrund der verschiedenen Ländererlasse sehr unterschiedlich beantwortet. Um mögliche Unsicherheiten zu vermeiden und auf Landesebene einen einheitlichen Vollzug sicherzustellen, bittet die AG EHDA den Gesetzgeber um eine entsprechende Konkretisierung der Einstufung im Verordnungstext bzw. in der Begründung. Diese kann dann auch im Landesvollzug einheitlich angewendet werden. Erfolgt dies nicht, könnte es ab dem 01.01.2018 wieder zu einem „Flickenteppich“ an „Einstufungsregelungen für Baumischabfälle“ kommen, der zu Unsicherheiten und Schwierigkeiten bei der bundesweiten Entsorgung von HBCD-haltigen Abfällen führt. Eine verbindliche Regelung für einen einheitlichen Vollzug hält die AG EHDA daher für dringend erforderlich.

Ergänzende Erläuterung des Begriffs „Verbundstoffe“
Um eine fehlerhafte Auslegung des Begriffs Verbundstoffe (s. Referentenentwurf Seite 16 unter Moratorium für HBCD-haltige Abfälle und Seite 32 letzter Absatz) zu vermeiden, empfehlen wir diesen um den folgenden Zusatz zu ergänzen „Verbundstoffen (wie zum Beispiel Wärmedämmverbundsysteme, XPS- oder EPS-Dämmstoffe mit PU-Kleber- oder Bitumenanhaftungen)“.

Zu § 2 Absatz 2 Nr. 1
Die Regelung in § 2 Absatz 2 Nr. 1 stellt gemäß der Begründung der Verordnung darauf ab, alle Gemische, die aus der Behandlung der unter § 2 Absatz 1 genannten Abfälle entweder gezielt erzeugt werden oder sonstig anfallen, als POP-haltige Abfälle zu definieren, unabhängig davon, ob die Gemische die Konzentrationsgrenzen der POP-Verordnung der EU über- oder unterschreiten. Mithilfe dieser Festlegung werden die in den folgenden Paragraphen genannten Pflichten, insbes. Register- und Nachweispflicht auch für diese Gemische verankert. Auf diese Weise wird der Nachweis über die Aufbereitungsanlage hinaus bis zur endgültigen thermischen Behandlung sichergestellt.

Aus Sicht der betroffenen Abfallbehandlungsanlagen, insbesondere der Sortier- und Aufbereitungsanlagen, in denen POP-haltige Abfälle aufbereitet und zu Gemischen für die nachfolgende thermische Behandlung konditioniert werden, ist diese Vorgabe inhaltlich grundsätzlich akzeptabel.
Die Formulierung in § 2 Absatz 2, Satz 1 ist jedoch nicht ausreichend präzise formuliert. Hiernach gelten auch alle Gemische als POP-haltige und damit nachweispflichtige Abfälle, die in einer Anlage erzeugt oder in sonstiger Weise angefallen sind und „die die in Absatz 1 genannten Abfälle enthalten, unabhängig …“. Dieser Wortlaut besagt, dass jedes in einer Anlage angefallene Gemisch, welches beispielsweise geringe Anteile an HBCD-haltigen Wärmedämmplatten enthält, der Nachweispflicht unterliegt (denn es enthält Anteile von Abfällen gemäß §1 Absatz 1 Nr. 4 Ziffer e), gleichgültig ob es aus der Behandlung nachweispflichtiger POP-Abfälle oder aus der Behandlung nicht nachweispflichtiger Abfälle, die in geringem Maß ebenfalls POP-haltige Abfälle enthalten können – im Bauabfallbereich häufig der Fall – angefallen ist. Das würde dazu führen, dass alle Sortierreste oder hergestellten Gemische einer Sortier- und Aufbereitungsanlage nachweispflichtig würden, was deutlich über die heutige Vollzugspraxis hinausgeht. Diese erfordert einen Nachweis für diejenigen Gemische und Sortierreste, die gezielt aus gefährlich eingestuften HBCD-Abfällen entstehen.

Darüber hinaus würde es die AG EHDA begrüßen, wenn der Begriff „in sonstiger Weise“ sowohl aus dem Verordnungstext in § 2 Absatz 2 Nr. 1 als auch aus der Begründung zu dieser Regelung entfernt werden würde. In einer Anlage erzeugte Gemische umfassen bereits alle Tätigkeiten der zulässigen Vermischung von POP-Abfällen für die Konditionierung nach § 3 der Verordnung. Die Herstellung eines Gemisches „in sonstiger Weise“ hat keinen Anwendungsbereich.

Die AG EHDA regt an, die Formulierung in § 2 Absatz 2 Nr. 1 wie folgt zu ändern:
(2) Als POP-haltige Abfälle gelten auch in einer Anlage
1. im Zuge der Behandlung von POP-haltigen Abfällen gemäß Absatz 1 erzeugte Gemische, die die in Absatz 1 genannten Abfälle enthalten, unabhängig davon, ob …[im Übrigen unverändert]… .“

Ergänzende Erläuterung des Begriffs Anlage
Der Anlagenbegriff des § 2 Absatz 2 Nr. 1 ist nicht eindeutig definiert. Wir gehen davon aus, dass der Verordnungsgeber sich auf die Anlage, in der nach § 3 Absatz 3 zulässige Gemische hergestellt werden, bezieht. Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, möchten wir anregen, die Ausführungen zum Anlagenbegriff auf Seite 33 zu Absatz 3 Nr. 1 bereits in die Erläuterungen zu § 2 Absatz 2 Nr. 1 mit aufzunehmen.

Zu § 3 Vermischungsverbot, Absatz 3, Nr. 3
Um Fehlinterpretationen zu vermeiden, empfehlen wir den Satz „Nach Nummer 13 der Anlage 3 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes sind bei der Bestimmung des Standes der Technik unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit zwischen Aufwand und Nutzen möglicher Maßnahmen sowie des Grundsatzes der Vorsorge und der Vorbeugung insbesondere die Merkblätter zur besten verfügbaren Technik (BVT-Merkblätter) zu berücksichtigen.“ (siehe Referentenentwurf Seite 34) in den Entwurf der POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung im §3, Absatz 3, Nr. 3 zu übertragen.

Den Ausführungen in § 3 Abs. 1 nach haben Erzeuger und Besitzer von POP-haltigen Abfällen diese getrennt von anderen Abfällen zu sammeln und zu befördern, soweit es zur Erfüllung der Anforderungen nach § 7 Abs. 2 bis 4 und § 8 Abs. 1 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes oder nach § 15 Abs. 1 und 2 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes erforderlich ist. Dementsprechend soll es bei wirtschaftlicher Unzumutbarkeit bzw. fehlender technischer Möglichkeiten Ausnahmen vom Getrennthaltungsverbot geben. Gemäß § 7 Abs. 4 KrWG ist die Pflicht zur Verwertung von Abfällen zu erfüllen, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist. In § 3 des Entwurfs geht es jedoch nicht um die Verwertung, sondern um die Getrennthaltung.

Die AG EHDA regt an, den § 3 umzuformulieren, und zwar dergestalt, dass Erzeuger und Besitzer von POP-haltigen Abfällen diese getrennt von anderen Abfällen zu sammeln und zu befördern haben und diese Pflicht dann entfällt, wenn die Getrennthaltung technisch unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar ist.

Die Änderung würde auch einen Gleichklang mit der Gewerbeabfallverordnung schaffen. Zum besseren Verständnis sollte im Text des Verordnungsentwurfs ein Bezug auf dieses Regelwerk erfolgen.

Zu § 4 Nachweispflichten und § 5 Registerpflichten
Für Kleinstbetriebe ist die Implementierung des elektronischen Nachweisverfahrens mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden. Um auch kleinen und mittelständischen Entsorgungsbetrieben und Bauunternehmen, die in der Regel noch nicht über das elektronische Nachweisverfahren verfügen, die korrekte Dokumentation zu ermöglichen, könnte eine Alternative zum elektronischen Nachweisverfahren in Papierform ermöglicht werden.

Über die Aktionsgemeinschaft
Die Aktionsgemeinschaft für eine sichere und fachgerechte Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoff-Abfällen (AG EHDA) besteht aus 19 Unternehmen und Verbänden aus Handwerk, Fachhandel, Bau-, Dämmstoff-, Entsorgungs-, und Kunststoffbranche. Die Beteiligten treten für eine sichere, umweltverträgliche, dauerhafte, praxistaugliche und wirtschaftliche Lösung für die Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffabfällen ein. Sie engagieren sich für einen fachlichen Austausch mit politischen Entscheidungsträgern und bieten für die künftige Umsetzung ihre Gesprächsbereitschaft und Unterstützung an. Das Positionspapier der Aktionsgemeinschaft und Informationen zu den Mitgliedern sowie weitere Studien und Materialien stehen unter www.Entsorgung-HBCD.de oder www.agehda.de zur Verfügung.

 



Der BDE hat als Teil der Aktionsgemeinschaft EHDA intensiv an der aktuellen Stellungnahme zum Referentenentwurf mitgewirkt, die dem BMUB heute vorgelegt wurde.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert die Bundesregierung auf, HBCD-haltige Abfälle als Sondermüll einzustufen.

Seit 2016 definierte die  Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) HBCD-belastete Dämmstoffe als Sondermüll. Danach durften diese nicht mehr als Baumischabfall verbrannt werden. Stattdessen mussten die gefährlichen Abfälle getrennt erfasst und in Sondermüll- oder geeigneten Müllverbrennungsanlagen entsorgt werden. In der Folge kam es zunächst zu stark erhöhten Entsorgungspreisen. Daher beschloss die Bundesregierung ein einjähriges Moratorium, wonach HBCD-haltige Dämmstoffe bis zum 30. Dezember 2017 wieder als nicht gefährlicher Abfall gelten.

Um einen erneuten Entsorgungsnotstand zu vermeiden, arbeitet das Bundesumweltministerium unter Druck der Dämmstofflobby nun im Eilverfahren an der Novellierung der Abfallverzeichnis-Verordnung. „Es erweckt den Eindruck, als wollte das Bundesumweltministerium einen kritischen Meinungsbildungsprozess verhindern“,  sagt Barbara Metz, Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin. „Durch eine Bagatellisierung der Gefährlichkeit HBCD-haltiger Abfälle wird aber nicht nur der Gesundheitsschutz vernachlässigt, sondern auch eine im Sinne des Klimaschutzes notwendige Entwicklung hin zu einem ressourcenschonenden Recycling verhindert.“ 

Nicht umsonst wurde die Produktion und Verwendung von HBCD weltweit verboten. HBCD ist ein Schadstoff, der sich in der Umwelt nur sehr langsam abbaut und auf Mensch und Natur giftig wirkt. Trotz des Verbots fallen pro Jahr 40.000 Tonnen HBCD-haltige Abfälle an, die in den vergangenen Jahrzehnten millionenfach in Form von Polystyrol-Dämmplatten an Gebäuden verbaut wurden. Derzeit werden diese Abfälle verbrannt. Das Recycling dieser Abfälle ist erheblich umweltfreundlicher als die thermische Verwertung. Erste Ergebnisse einer aktuellen Ökobilanz des TÜV Rheinland weisen auf etwa 50 Prozent niedrigere CO2-Emissionen hin.

Dazu kommt, dass bereits ausreichend geeignete Entsorgungsanlagen in Deutschland existieren. Um einen Entsorgungsnotstand zu verhindern, müssen lediglich Informationen zu den entsprechenden Anlaufstellen bekannt gemacht werden. Zudem stehen bereits heute funktionierende Recyclingverfahren zur Verfügung. Mit der Schaffung adäquater gesetzlicher Rahmenbedingungen könnten innerhalb kurzer Zeit ausreichend Recyclingkapazitäten zur Verfügung stehen, die zu angemessenen Preisen eine hochwertige Verwertung gewährleisten und damit maßgeblich zur Ressourcenschonung beitragen.

„Ressourcenschutz gilt als ein Leitsatz der deutschen Bundesregierung. An dieser Stelle muss diesem Leitsatz gemäß gehandelt werden. Sonst zeigt sich einmal mehr, dass Gesundheitsschutz und Ressourcenschonung hinter kurzfristigen Wirtschaftsinteressen zurückstehen müssen“, sagt Metz.

Gibt es ein Problem bei der Entsorgung von HBCD-haltigen Dämmstoffen in Niedersachsen?

Der Niedersächsische Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz Stefan Wenzel hat namens der Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der Abgeordneten André Bock, Karl-Heinz Bley, Martin Bäumer, Ernst-Ingolf Angermann, Hans-Joachim Deneke-Jöhrens, Ingrid Klopp, Axel Miesner und Dr. Stephan Siemer (CDU) geantwortet.

Vorbemerkung der Abgeordneten: Die Deutsche Handwerkszeitung berichtet am 21. April 2017 unter dem Titel „HBCD-haltige Dämmstoffe - Entsorgungsproblem Styropor: Bundesverordnung in Planung" von einer geplanten bundesweiten Verordnung. „Seit der Novellierung der Abfallverzeichnisverordnung (AVV) Anfang März 2016 waren die Vorgaben für die Entsorgung der Polystyrol-Dämmstoffe, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, neu geregelt. Abfälle, die persistente organische Schadstoffe (POPs) wie das HBCD enthalten, mussten demnach so verwertet werden, dass die darin enthaltenen POPs zerstört oder unumkehrbar umgewandelt werden. Dies betraf seit 1. Oktober 2016 solche Kunststoffe, deren HBCD-Gehalt größer oder gleich dem HBCD-Grenzwert von 1 000 mg/kg ist". Die seit 1.Oktober 2016 als „gefährliche Abfälle" gekennzeichneten Abfälle müssen danach getrennt gesammelt und entsorgt werden. In einer Pressemitteilung vom 3. Februar 2017 schreibt das Niedersächsische Umweltministerium: „Aufgrund von Anlaufschwierigkeiten bei der Umsetzung dieser Regelung hat der Bundesrat in seiner Sitzung am 16. Dezember 2016 ein Moratorium für die Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffen als gefährlicher Abfall beschlossen." Die Regelungen sind derzeit außer Kraft, ob sie ab Dezember 2017 wieder gelten, sei laut Deutscher Handwerkerzeitung ungewiss.

1. Gibt es in Niedersachsen aktuell immer noch ein Entsorgungsproblem der genannten Stoffe, und, wenn ja, wie wird die Landesregierung dieses lösen?

Nach Angaben von Entsorgungsunternehmen und Abfallerzeugern, die im Zusammenhang mit dieser Anfrage befragt wurden, gibt es zurzeit in Niedersachsen keine Engpässe bei der Entsorgung HBCD-haltiger Dämmstoffe. Auch darüber hinaus sind dem Umweltministerium keine Entsorgungsengpässe mitgeteilt worden.

Diesbezügliche Maßnahmen der Landesregierung sind daher nicht erforderlich.

2. Hat sich Niedersachsen ebenfalls für die genannte bundesweite Ausnahmeregelung von den derzeitigen Entsorgungsgesetzen für HBCD-haltige Dämmstoffe ausgesprochen und, wenn ja, warum?

Niedersachsen hat im Bundesrat dem einjährigen Moratorium zur Aussetzung der Einstufung von HBCD-haltigen Dämmstoffen als gefährlicher Abfall zugestimmt, um dadurch ausreichend Zeit für die Erarbeitung einer sachgerechten und bundesweit einheitlichen Lösung zu gewinnen. Dieses galt insbesondere mit Blick auf die Länder, die Probleme bei der Bereitstellung ausreichender Entsorgungskapazitäten hatten.

3. Was unternimmt die Landesregierung, damit für die thermische Verwertung von HBCD-haltigen Monochargen ab Oktober 2017 die notwendigen Entsorgungskapazitäten in Niedersachsen bereitstehen?

Der Bund hat inzwischen zusammen mit den Ländern den Entwurf einer Verordnung erarbeitet, die die Grundlage dafür schafft, den Verbleib HBCD-haltiger Dämmstoffe über das Abfallnachweisverfahren nachzuweisen, ohne dass diese Abfälle als gefährlich eingestuft werden müssen. Insoweit wird es nach Verabschiedung dieser Verordnung, mit der noch in der laufenden Legislaturperiode zu rechnen ist, ohne größeren Genehmigungsaufwand möglich sein, HBCD-haltige Abfälle mit anderen Abfällen so zu mischen, dass diese mit einem geeignet eingestellten Brennwert in Abfallverbrennungsanlagen entsorgt werden können. Auch bei Abfallverbrennungsanlagen und sonstigen Anlagen zur energetischen Verwertung, bei denen die Verbrennung von gefährlichen Abfällen noch nicht zugelassen ist, entsteht kein Bedarf zur diesbezüglichen Erweiterung der Zulassung.

Niedersachsen wird sich aufgrund dieser Arbeiten, an denen das Umweltministerium mitgewirkt hat, mit Nachdruck dafür einsetzen, dass diese Verordnung einvernehmlich verabschiedet werden kann und somit weitere Maßnahmen zur Problemlösung nicht erforderlich sind.

Aufgrund des o.g. Moratoriums bestehen darüber hinaus zurzeit keine Einschränkungen für die Entsorgung dieser Abfälle in Anlagen zur Vorbehandlung und zur abschließenden energetischen Verwertung. Die Verbrennungskapazitäten für derartige als nicht gefährlich eingestufte Abfallgemische stehen zur Verfügung. Allerdings ist aufgrund der hohen Auslastung der Abfallverbrennungsanlagen allgemein eine angespannte Situation bei der Verbrennung heizwertreicher Abfälle festzustellen.

Schulterschluss bei Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle über Interessensgrenzen hinweg
Kompromiss zur HBCD - Entsorgung in Aussicht

Entsorgerverbände engagieren sich in der Aktionsgemeinschaft „AG EHDA“
Keine Einstufung HBCD-haltiger Dämmstoffabfälle als gefährlicher Abfall notwendig

Ab 31. Dezember 2017 HBCD wieder als „gefährlicher Abfall“ eingestuft?
HBCD-Entsorgung: BDE unterstützt Arbeitsgemeinschaft EHDA

Mit einer Vielzahl neuer gesetzlicher Regelwerke und der Umsetzung europäischer Vorgaben in
deutsches Recht, steht die Sonderabfallentsorgung vor einem Umbruch

bvse: Chemikalienrecht ist schlechte Krücke für Abfallklassifizierung

Dachdeckerbetriebe finden keine annahmebereite Müllverbrennungsanlage
Dachdeckerverband: Polystyrol-Entsorgung weiterhin problematisch

Zentrales Element von IPA: 52 Abfallsteckbriefe, die insgesamt etwa 430 Abfallarten umfassen
Aktuelles zur AVV im Informations-Portal-Abfallbewertung (IPA)

Handwerk, Bau- und Recyclingwirtschaft plädieren für substanzielle Änderungen am
Referentenentwurf der Mantelverordnung

Stoffstromverschiebung hält einer realistischen Betrachtung nicht stand

erschienen am: 2017-05-19 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Mitglied im Deutschen Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken