europaticker:
Frankenwald wird vierte Region für möglichen Nationalpark
Bayern: Nationalpark-Suche ausgeweitet

Der Frankenwald wird auf Wunsch aus der Region in die laufende Suche nach einem dritten Nationalpark in Bayern einbezogen. Das teilte die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf heute in München mit: "Ich freue mich über dieses positive Signal aus der Region. Der Frankenwald soll in die Suche nach einem Standort für einen dritten Nationalpark in Bayern aufgenommen werden. Mein Dank gilt den politisch Verantwortlichen vor Ort, allen voran dem Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner. Dieses Engagement im Frankenwald hat den Weg für weitere Schritte bereitet. Ein Nationalpark wäre eine große Chance für die Region. Ich werde möglichst bald in den Frankenwald kommen, um das Premiumangebot Nationalpark persönlich vorzustellen." MdL Jürgen Baumgärtner betonte: "Die Region im Frankenwald hat im Kern vier ausgeprägte Kompetenzen: eine wunderschöne und wertvolle Natur, eine äußerst innovative Industrie, starke mittelständische Unternehmen sowie engagierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Für mich war es wichtig, das Angebot des Ministerpräsidenten Horst Seehofer, den Frankenwald in die Suche nach einem dritten Nationalpark aufzunehmen, anzunehmen und auszuloten, welche Chance ein Nationalpark für die Region sein kann." Eine mögliche Nationalparkkulisse Frankenwald wäre Teil des Naturraums "Thüringisch-Fränkisches Mittelgebirge" und würde grenznah zu Thüringen liegen.

Das Gebiet Frankenwald ist naturschutzfachlich charakterisiert durch störungsarme und wenig zerschnittene große Waldgebiete. Naturschutzgebiete, Naturwaldreservate und Teile eines FFH-Gebiets kommen im Gebiet vor. Der Frankenwald zeichnet sich durch ein bundesweit herausragendes Schwarzstorch-Vorkommen aus. Ein Nationalpark Frankenwald wäre ein Entwicklungsnationalpark. Das grenznahe Nationalparkgebiet wäre an das bundesweite Biotopverbundsystem Grünes Band angebunden. Um die weiteren Schritte im Frankenwald zu besprechen, wurde vereinbart, dass möglichst bald ein Termin mit Umweltministerin Ulrike Scharf im Frankenwald stattfinden soll.

Nationalparke haben eine Wirkung weit über den Naturschutz hinaus. Scharf: "Nationalparke sind ein Motor für den regionalen Tourismus. Umfragen zeigen klar: Die Menschen wollen unberührte Natur. Sie wollen Wildnis erleben. Wir wollen einen dritten Nationalpark, weil wir für unsere Heimat nicht nur Lebenschancen schaffen möchten, sondern auch Lebensqualität. Ein Nationalpark ist für die Menschen da. Deshalb werden wir ihn gemeinsam entwickeln und für die Region maßanfertigen." Die beiden bestehenden Nationalparke in Bayern in Berchtesgaden und dem Bayerischen Wald ziehen pro Jahr knapp 3 Millionen Gäste an. Die Wertschöpfung geht inzwischen auf jährlich 70 Millionen Euro zu – Geld das in den Regionen bleibt. Außerdem entstehen wertvolle Arbeitsplätze in der Region und in den Nationalparken selbst: Allein in den Nationalparken Bayerischer Wald rund 200 und in Berchtesgaden rund 90.

Für einen Nationalpark sind entsprechend der gesetzlichen Vorgaben mindestens 10.000 Hektar Fläche erforderlich. Wo genau im grenznahen Gebiet Frankenwald ein Nationalpark entstehen könnte, wird nun gemeinsam mit den politisch Verantwortlichen vor Ort erarbeitet.

Die Einbeziehung des Frankenwalds in die Nationalpark-Suche hat keine Auswirkungen auf den laufenden Dialog mit den anderen Regionen.

SPD-Umweltpolitiker lehnen Nationalpark im Frankenwald ab
Klaus Adelt: „Kein zusammenhängendes Schutzgebiet“ - Florian von Brunn: „Reines Ablenkungsmanöver der CSU“

Der Frankenwald ist nach Ansicht der SPD-Umweltpolitiker nicht als Standort für einen Nationalpark geeignet. Der oberfränkische Landtagsabgeordnete Klaus Adelt hält die Ankündigung von Umweltministerin Scharf, die Region in das Auswahlverfahren aufzunehmen, für ein durchsichtiges Manöver: „Die Ministerin geht nicht nach fachlichen Gründen vor, sondern fügt sich brav in die Wünsche der örtlichen CSU-Abgeordneten. Dort wo kein Widerstand zu erwarten ist, wird ein Nationalpark propagiert - und sei der Standort noch so ungeeignet.“

Adelt verweist darauf, dass es im Frankenwald zahlreiche höchst schützenswerte Gebiete gebe, allerdings seien diese oft kleinteilig und von vielen Straßen durchzogen. „Das würde schwer, ein zusammenhängendes Schutzgebiet zu finden, das auch noch überwiegend dem Staat gehört.“ Sonst würden teure Entschädigungszahlungen fällig. Adelt verweist darauf, dass Fachleute den Steigerwald als Standort für einen dritten bayerischen Nationalpark bevorzugen. „Doch diese Region will Ministerin Scharf noch nicht mal untersuchen lassen.“

Adelts Kollege, der Münchner Abgeordnete und Umweltpolitiker Florian von Brunn, sieht in der Benennung des Frankenwalds ein reines „Ablenkungsmanöver der Staatsregierung“. Es gehe der CSU nur darum, Interesse am Umweltschutz zu heucheln: „Die CSU schleift den Alpenplan, lässt zu, dass die bayerische Heimat durch unbegrenzte Ausweisungen von neuen Gewerbegebieten zersiedelt wird und schützt die wertvollen Buchenbestände im Steigerwald nicht. Doch gleichzeitig versucht sie, ihre Politik mit unsinnigen Schutzvorschlägen grün anzupinseln. Das ist unglaubwürdig und durchsichtig.“

GRÜNE: Steigerwald braucht faire Chance
Dr. Christian Magerl sieht Nationalparkstandort Frankenwald kritisch

„Die CSU hat offensichtlich Torschlusspanik bei der Nationalparksuche“ vermutet der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag und umweltpolitische Sprecher der Landtags-Grünen, Dr. Christian Magerl. Nur so kann er sich den jetzt spät ins Gespräch gebrachten Standort Frankenwald erklären. Da die CSU bei den anderen Standorten auf Widerstand stoße, suche sie für die im Juli geplante Entscheidung verzweifelt nach Alternativen.

„Naturschutzfachlich unterscheidet sich dieses Gebiet nur wenig vom vorhandenen Nationalpark Bayerischer Wald“, so Christian Magerl unter Verweis auf den hohen Fichtenbestand in dem klassischen Wirtschaftswald. Bayern bekäme mit dem Frankenwald letztlich nur einen „Entwicklungsnationalpark“, der erst auf sehr lange Sicht von Wert wäre.

Eine Machbarkeitsstudie für den Frankenwald würde Christian Magerl indes unterstützen – „wenn die CSU-Regierung endlich alle infrage kommenden Standorte gleich behandelt und auch den Steigerwald mit untersucht.“ Die Landtags-Grünen sehen im Steigerwald nach wie vor das naturschutzfachlich größte Potenzial und verweisen auf die Vorarbeit in der Region und den Stadtratsbeschluss in der Steigerwaldstadt Gerolzhofen. „Die Menschen dort wünschen sich eine faire Chance für den Steigerwald – und die sollte man ihnen auch geben“, fordert Christian Magerl.

LBV freut sich über regionales Interesse an Nationalpark
Ausweitung der Suche auf den Frankenwald als vierte Region überrascht – naturschutzfachlicher Mehrwert eher begrenzt

Der LBV ist überrascht, dass die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf heute bekannt gegeben hat, die Nationalparksuche auszuweiten. Mit dem Frankenwald präsentierte sie als vierte mögliche Region einen komplett neuen Vorschlag, der auf einem Wunsch aus dem Gebiet selbst beruht. „Wir freuen uns über jede Region, die sich für Großschutzgebiete wie zum Beispiel einen Nationalpark interessiert“, erklärt deshalb der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer. Da der naturschutzfachliche Mehrwert des Frankenwaldes eher begrenzt ist, stuft der LBV die bisherigen drei Vorschläge Spessart, Rhön und Donauauen aber als etwas geeigneter ein. Der Frankenwald ist ein in weiten Teilen vom Menschen überformtes Fichtenwaldgebiet, daher bestehe immer die Gefahr von Borkenkäferausbrüchen, wenn man nicht mehr eingreift. Der LBV sieht für Bayern eine internationale Verantwortung eher bei Laubwäldern und Flussauen.

Weitere Informationen rund um das Thema Nationalparke unter www.np3.bayern.de

erschienen am: 2017-05-18 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Mitglied im Deutschen Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken