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Bundestagsabgeordnete wollen sich "mit aller Kraft für die Alternativen zu den dreckigen fossilen Energien einsetzen"
Lokale Befragung bestätigt: Kein Zusammenhang erhöhter Krebsraten zu Erdgasförderung
GRÜNE: Erdgasindustrie verweigert öffentlichen Dialog

Die Erdgasindustrie in Niedersachsen würde den Dialog mit den Menschen vor Ort verhindern. Bereits zum zweiten Mal hätten sie sich einer öffentlichen Podiumsdiskussion verweigert, berichten Grünen Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler und Dr. Julia Verlinden in einer Presseaussendung. Dei beiden Politiker besuchten Ende Juni Erdgas-Bohrstellen im Landkreis Rotenburg. Für den Nachmittag war eine öffentliche Diskussionsrunde zu Risiken der Erdgasförderung und Fracking geplant. Doch weder der Verband der Erdgasindustrie (BVEG) noch ExxonMobil oder DEA wollten an dem Termin teilnehmen. Da sie ihre Absagen zum Teil mit dem Ferienbeginn begründeten, wurde ein Ersatztermin angeboten. Doch auch im August sei die Erdgasindustrie nicht bereit, sich dem öffentlichen Dialog mit den beiden Abgeordneten zu stellen.

Die beiden Bundestagsabgeordneten zeigten sich enttäuscht. „Es darf nicht sein, dass die Erdgasindustrie sich für ihre Lobbyinteressen bei SPD und Union in Berlin Gehör verschafft, aber hier in der Region nicht bereit ist zur öffentlichen Diskussion. Die Erdgasindustrie muss sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger stellen“, fordert Verlinden.

Kindler fügt hinzu: „Vielleicht ist es auch das schlechte Gewissen, das sie treibt. Es ist doch klar, dass die Erdgasförderung Spuren bei Menschen und Natur hinterlässt. Da kann es einem schon mal die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn man diese Bedenken aus Profitinteresse immer wieder wegwischt. Wer im Verdacht steht Menschen krank zu machen, sollte sich dem Dialog darum nicht verweigern.“

Die beiden Abgeordneten werden in Berlin weiter Druck machen gegen gefährliche Formen der Erdgasförderung. Dazu Verlinden und Kindler: „Die Profitinteressen von Erdgaskonzernen dürfen nicht länger über der Gesundheit der Bevölkerung und dem Schutz der Natur stehen. Wir setzen uns mit aller Kraft für die Alternativen zu den dreckigen fossilen Energien ein. Wir wollen eine echte Energiewende für 100 Prozent Erneuerbare schaffen, um die Klimakrise wirksam zu begrenzen.“

Lokale Befragung bestätigt: Kein Zusammenhang erhöhter Krebsraten zu Erdgasförderung

„Das ist ein wichtiges Signal für die Branche und unsere Mitarbeiter, die jahrelang immer wieder dem Verdacht ausgesetzt waren, die Erdgasförderung sei für erhöhte Krebsraten verantwortlich“, kommentiert Dr. Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) die nun vorgestellten Ergebnisse der Befragung zu den Krebsfällen im Landkreis Rotenburg (Wümme).

„Wir haben Verständnis für die Betroffenen und für ihren Wunsch nach Aufklärung der Krebsursachen. Auch wir haben großes Interesse daran, denn unsere Mitarbeiter sind dort selbst Nachbarn und Teil der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Befragung zeigen auch, dass die Zusammenhänge sehr komplex sind und nicht vereinfacht werden können. Das gilt auch für den jetzt in den Raum gestellten Zusammenhang zu historischen Bohrschlammgruben“, so Löwer. Diese sind bereits Teil eines Programmes, in dem mögliche Umweltauswirkungen untersucht werden.

Löwer fordert eine Rückkehr zu mehr Sachlichkeit und die gründliche Untersuchung aller arbeits- und umweltbezogenen Risikofaktoren, die in einer aktuellen Studie des Niedersächsischen Landesgesundheitsamts zum Multiplen Myelom identifiziert werden. „Wir werden unseren Weg der Aufklärung, der Transparenz und des Dialogs weitergehen. Denn wir wollen auch in Zukunft zur Energiesicherheit in Deutschland beitragen.“

Ergebnisse der niedersachsenweiten Bodenuntersuchungen liegen vor

Seit Juli 2015 hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) die Böden im Umfeld von Erdgasförderplätzen in Niedersachsen untersucht. Insgesamt wurden 2.357 Boden- und Sedimentproben an rund 200 Förderplätzen entnommen und analysiert. Das Untersuchungsprogramm ist nun abgeschlossen. Das LBEG meldet in einer aktuellen Pressemitteilung, dass an zwei Erdgasförderplätzen die Maßnahmewerte1 der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung überschritten werden.

Dr. Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) kündigt an: „Selbstverständlich stellen wir uns als Industrie der Verantwortung, auch in diesen beiden Fällen die Sicherheit für Mensch und Umwelt nachhaltig zu gewährleisten. Die betroffenen Betreiber bereiten bereits in Abstimmung mit den zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen vor, d.h. zum Beispiel weitere Bodenuntersuchungen und –analysen.“

Nähere Informationen zu den beiden Betriebsplätzen finden Sie auf den Presseseiten von Vermilion Energy Germany GmbH und Wintershall Holding GmbH

An 27 weiteren Plätzen mit punktuellen Überschreitungen der Prüf-/Schwellenwerte² sind vorsorgliche Detailuntersuchungen veranlasst worden. Bei sechs abgeschlossenen Detailuntersuchungen konnte der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung bereits ausgeschlossen werden.

Hier finden Sie die Presseinformation des LBEG.

1 Maßnahmewerte: Werte für Einwirkungen oder Belastungen, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung der jeweiligen Bodennutzung in der Regel von einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast auszugehen ist und Maßnahmen erforderlich sind.

² Prüfwerte: Liegen der Gehalt oder die Konzentration eines Schadstoffes unterhalb des jeweiligen Prüfwertes, ist der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung ausgeräumt. Bei einer Überschreitung der Prüfwerte ist unter Berücksichtigung der Bodennutzung eine einzelfallbezogene Prüfung durchzuführen.

Hintergrund: Das Epidemiologische Krebsregister Niedersachsens (EKN) hatte 2014 in der Samtgemeinde Bothel eine erhöhte Krebsrate bei Männern zwischen 60 und 74 Jahren und Kindern festgestellt. Aussagen zu Ursachen trafen die Erhebungen des EKN nicht.

erschienen am: 2017-07-06 im europaticker

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