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Mehr Naturschutz im Hessischen Staatswald
Umweltministerium und HessenForst stellen Nachhaltigkeitsbericht 2016 vor

„Der Wald ist Lebensraum, Erholungsraum und Ressource. Wald unterstützt die Luftreinhaltung, ist unverzichtbar bei der Wasserregulation und für die Erhaltung von Arten. Das müssen wir insbesondere in Zeiten des Klimawandels schützen und bewahren. Damit das auch künftig so bleibt, hat der Landesbetrieb HessenForst auch im vergangenen Jahr vielfältige Maßnahmen umgesetzt, die sowohl der Natur als auch den Bürgerinnen und Bürgern zugute kommen“, sagte Umweltministerin Priska Hinz bei der Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichts 2016 von HessenForst. 42 Prozent der Landesfläche in Hessen sind von Wald bedeckt.

Der Waldnaturschutz war auch 2016 ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt. Die hessischen Forstleute haben mit speziellen Projekten seltene Arten gefördert und Biotope gepflegt. Als Beispiele nannte Landesbetriebsleiter Michael Gerst den Edelkrebs, den Schwarzstorch und die Kreuzotter: „Mit unseren Naturschutzprojekten haben wir es geschafft, einer Vielzahl seltener Tier- und Pflanzenarten Wohlfühlzonen zu schaffen. Diese Erfolge waren nur möglich in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Akteuren aus dem ehrenamtlichen Naturschutz sowie den Oberen Naturschutzbehörden.“

Kernflächen in Hessen: 25.540 Hektar sind sich selbst überlassen

Neben den speziellen Naturschutzprojekten und der naturschutzorientierten Waldpflege spielten im Jahr 2016 weitere Flächenstilllegungen eine bedeutende Rolle. „Seit Anfang 2016 überlassen wir insgesamt 25.540 Hektar – das sind acht Prozent des hessischen Staatswaldes – in sogenannten Kernflächen sich selbst. Damit leisten wir nicht nur einen wichtigen Beitrag zur biologischen Vielfalt im Wald, sondern auch zum Klimaschutz“, betonte Hinz. Die Ausweisung der zweiten Tranche mit insgesamt 5.940 Hektar Kernfläche geschah unter intensiver Beteiligung der Naturschutzvereinigungen und -behörden.

Durch gezielte Verjüngung hat HessenForst den Wald für künftige Generationen weiter gestärkt. Die Forstleute pflanzten 2016 rund 1,5 Millionen junge Bäume und förderten die natürliche Waldverjüngung durch naturnahe Waldpflege. Die Natur nutzte diese Flächen perfekt aus: Der Herbst 2016 war geprägt durch eine außergewöhnlich starke Samenbildung der Bäume. Die Bucheckern und anderen Samen fielen an den entsprechenden Waldstellen auf fruchtbaren Boden, so dass hier die neue Waldgeneration gut heranwachsen kann.

„Die Pflanzungen sind mit umfangreichen Investitionen verbunden“, betonte Gerst. „Sie sind aber wichtig, denn wir müssen den Wald fit machen für den Klimawandel. Auch unsere Urenkel sollen den Wald genießen und nutzen können wie wir.“ Die weitere Förderung des Mischwaldes spielte bei der Waldverjüngung eine wesentliche Rolle, denn Mischwälder sind auch gegenüber Klimaveränderungen stabiler als Reinbestände.

Bemerkenswert sind die Investitionen von HessenForst vor dem Hintergrund, dass Hessen bundesweit bereits „Mischwaldmeister“ ist: Im Staatswald sind 80 Prozent aller Bestände aus verschiedenen Baumarten zusammengesetzt. „Wir müssen unseren Wald weiter an klimabedingte Veränderungen anpassen. Durch gezielte Beimischung und Förderung von Baumarten, die mit den Klimaveränderungen besser zurechtkommen, streuen wir das Risiko und gestalten so einen zukunftssicheren Wald“, erläuterte Gerst das Vorgehen.

Hälfte des Staatswaldes ist FSC®-zertifiziert

Im Jahr 2016 wurden weitere zwölf Forstämter in die FSC-Gruppe aufgenommen. „Mittlerweile ist mit 21 Forstämtern die Hälfte aller hessischen Forstämter FSC-zertifiziert. Das setzt ein Zeichen für Transparenz sowie eine ökologische, ökonomische und soziale Bewirtschaftung“, erläuterte Hinz. „Die Vergabe des Siegels war problemlos möglich. Das spricht für die hohen innerbetrieblichen Qualitätsstandards von HessenForst“.

Im Staatswald erntete HessenForst im vergangenen Jahr rund 1,9 Mio. Kubikmeter Holz. Das entspricht nur etwa 86 Prozent des Zuwachses. Der Holzvorrat in unseren Wäldern hat demnach – wiederholt – deutlich zugenommen. Insbesondere durch die Bindung von Kohlenstoff im Holz hat die Erntemenge von knapp zwei Millionen Kubikmetern der Atmosphäre etwa 1,5 Millionen Tonnen CO2-Belastung erspart.

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Jahren war eine reguläre Bewirtschaftung beim Laubholz in 2016 nur erschwert möglich. Grund dafür waren insbesondere die eingeschränkten Absatzmöglichkeiten für Laubindustrieholz. Eine gezielte, kurzfristige Anpassung der Holzerntemenge in jüngeren Beständen war erforderlich – es wurde weniger Laubholz geerntet.

Aus- und Weiterbildung sichert Waldpflege

Bei HessenForst steht ein Generationenwechsel an. Ein Großteil der Belegschaft wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand wechseln, junge Forstleute werden gebraucht. Das ist dem Landesbetrieb seit seiner Gründung in 2001 bewusst – Programme zur gezielten Nachwuchsgewinnung laufen seit bald einem Jahrzehnt. Im vergangenen Jahr hat HessenForst deshalb auch 58 Neueinstellungen vorgenommen. Zusätzlich hat der Landesbetrieb 63 junge Leute zur Ausbildung, für die Anwärterzeit bzw. das Referendariat eingestellt – 55 Prozent der Absolventinnen und Absolventen hat HessenForst übernommen.

„Bildung ist uns sehr wichtig. Nur mit gezielten Aus-, Fort- und Weiterbildungen können wir eine qualitativ hochwertige Waldpflege sicherstellen“, sagte Gerst. Weiteren Raum für noch mehr forstliche Bildung bietet seit 2016 das neue Tagungsgebäude am Forstlichen Bildungszentrum (FBZ) Weilburg: Im Herbst weihte Ministerpräsident Volker Bouffier „Haus Lärche“ ein. Der moderne zweigeschossige Neubau, der sich durch flexible Funktionalität, klimafreundliche Eigenschaften und die Verwendung von möglichst viel Holz auszeichnet, bietet optimale Voraussetzungen für den Lehr- und Fortbildungsbetrieb.

Um die Bedeutung der Bildung begreifbar zu machen, fand im Rahmen der Pressekonferenz zur Vorstellung des Nachhaltigkeitsberichtes ein Waldbautraining statt. Mit dem Waldbautraining hat HessenForst eine passende Methode gefunden, um seine Revierförsterinnen und -förster auf dem neuesten Stand zu halten. Umweltministerin Hinz konnte dies im Wald live miterleben.

„Mir ist aber auch besonders wichtig, dass die Forstleute ihr Wissen über Wald und Natur auch an andere weitergeben. Denn eigene Erlebnisse und Erfahrungen im Wald sensibilisieren für die Bedeutung des Waldes. Damit leisten die Forstleute einen wichtigen Beitrag im Sinne nachhaltiger Bildung“, betonte die Umweltministerin. Im Jahr 2016 profitierten mehr als 150.000 Schulkinder und Waldbesucher von den waldpädagogischen Angeboten von HessenForst. Die beiden Wildparke besuchten rund 285.000 Besucher.

Fakten zum Geschäftsjahr 2016 - Staatswald

Für den gesamten Betrieb HessenForst:

Der Nachhaltigkeitsbericht kann über folgenden Link im Internet abgerufen werden:

www.hessen-forst.de/nhk-bericht

NABU und BUND verwundert über SPD-Bremse bei FSC-Zertifizierung
GRÜNE Hessen: Naturgemäße Waldwirtschaft vorantreiben

erschienen am: 2017-07-11 im europaticker

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