europaticker:
BUND: EU-Behörden kehrten Beweise für Krebsbefunde systematisch unter den Tisch
Analyse zur Glyphosat-Wiederzulassung

Kurz vor der erneuten Befassung der EU-Mitgliedstaaten mit der Wiederzulassung für Glyphosat soll eine neue Analyse belegen, dass der Wirkstoff nach den geltenden EU-Standards als "wahrscheinlich krebserregend" hätte eingestuft werden müssen. Damit wäre Glyphosat nicht mehr zulassungsfähig. Die Analyse mit dem Titel "Glyphosat und Krebs: Systematischer Regelbruch durch die Behörden" wurde vom Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN), dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Umweltinstitut München unterstützt.

"Nur unter massiver Verletzung der eigenen Regeln und Richtlinien war es den EU-Behörden möglich, die krebsauslösende Wirkung von Glyphosat zu leugnen", erläutert der Autor der Analyse, Peter Clausing, Toxikologe und PAN-Vorstandsmitglied. Alle mit der Bewertung befassten Behörden, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hätten die Krebsbefunde systematisch weg interpretiert. "Sieben der zwölf von den Behörden ausgewerteten Langzeitstudien belegen Krebsbefunde."

"Die Schlussfolgerung hätte lauten müssen: Keine EU-Wiederzulassung für Glyphosat," so Clausing weiter. "Nach EU-Recht reichen zwei voneinander unabhängige Studien an Versuchstieren aus, um eine Substanz als krebserregend einzustufen. Eine Einstufung als "wahrscheinlich krebserregend" muss zu einem Verbot führen." Der Toxikologe verweist darauf, dass die Beweislage gezielt geschwächt wurde, etwa indem eine mit schweren Qualitätsmängeln behaftete Studie unangefochten blieb, um das Fehlen von Tumoreffekten zu "beweisen", während eine andere, wichtige Studie mit fadenscheinigen Argumenten von der Bewertung ausgeschlossen wurde. "Ich bin empört, wie unverfroren und selektiv die Behörden bei der Studienauswahl vorgegangen sind. Wären die Behörden korrekt vorgegangen, müssten sie auch die drei Studien akzeptieren, die einen Krebseffekt für den gleichen Tumortyp zeigen und sie hätten keine handfeste Studie anführen können, die dagegen spricht."

"Die Bewertung folgt politischen, nicht wissenschaftlichen Vorgaben", so Heike Moldenhauer, BUND-Glyphosatexpertin. "Offenbar ist Glyphosat ein systemrelevantes Herbizid und damit too big to fail. Die EU-Kommission macht deutlich, dass sie von einem überholten Agrarmodell nicht abweichen und am Einsatz des weltweit meistgespritzten Ackergifts nicht rütteln will. Den beteiligten EU-Behörden sind die Geschäftsinteressen von Monsanto und Co. wichtiger als die Gesundheit der Menschen."

Karl Bär, Referent für Agrarpolitik im Umweltinstitut München, fordert politische Konsequenzen: "Die Vertreter der EU-Mitgliedstaaten, die über Glyphosat beraten, dürfen dem fehlerhaften Urteil der Behörden nicht folgen. Sie müssen das in der EU geltende Vorsorgeprinzip anwenden und ein Verbot von Glyphosat durchsetzen. Die Gesundheit von 500 Millionen EU-Bürgern steht auf dem Spiel."

Mehr Informationen

erschienen am: 2017-07-16 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Mitglied im Deutschen Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken