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Nordschwarzwald: Prozessschutz ist zwar das Hauptziel des Nationalparks, aber in Entwicklungszonen
werden noch 30 Jahre lang Maßnahmen durchgeführt
Nationalparkrat beschloss das Waldmanagement und diskutierte den Zwischenstand des Verkehrskonzepts

Zentrale Themen der Nationalparkratssitzung am 10. Juli 2017 in Freudenstadt waren die Module Waldmanagement und Verkehrskonzept. Die Arbeitsgruppe für das Waldmanagement hatte die Anregungen aus der Beteiligung in das bisherige Konzept eingearbeitet. Der Nationalparkrat zeigte sich äußerst zufrieden mit dem Ergebnis und beschloss das Waldmanagement. Der Zwischenstand zum Verkehrskonzept wurde berichtet.

Das Waldmanagement ist eines der zentralen Elemente des Entwicklungsnationalparks. Es legt fest, wie mit dem Wald im Nationalpark umgegangen wird. Prozessschutz ist zwar das Hauptziel des Nationalparks. Aber in den Entwicklungszonen werden die ersten 30 Jahre lang noch Maßnahmen durchgeführt. Diese verfolgen mehrere Ziele: So sollen die dortigen Waldflächen in einen Zustand versetzt werden, der ihre schrittweise Zuweisung zu den Kernzonen ermöglicht. Außerdem wird angestrebt, den für den Nordschwarzwald charakteristischen Bergmischwald sowie Moore, Grinden, Kare und andere naturschutzfachlich hochwertige Flächen zu erhalten und zu fördern.

Diese Ziele sollen mit möglichst geringem menschlichem Eingreifen erreicht werden. Zum Waldmanagement gehört auch ein situatives Borkenkäfermanagement in der Entwicklungszone, das das intensive Borkenkäfermanagement in den Pufferstreifen in der Managementzone ergänzt. Zum situativen Borkenkäfermanagement wird zeitnah noch ein separater Pressetermin von der Nationalparkverwaltung angeboten.

Nachdem der Nationalparkrat am 3. April 2017 das Waldmanagement zur Bürgerbeteiligung freigegeben hatte, stellte die Nationalparkverwaltung das Konzept der Bevölkerung, den Förstern der angrenzenden Forstbehörden sowie den Mitgliedern des Nationalparkrates und -beirates vor. Hierzu fanden sechs Führungen statt, an denen 89 Personen teilnahmen. Eine spezielle Führung für Privatwaldbesitzer kam mangels Interesse nicht zustande. Bei den Führungen wurden typische Waldbilder vorgestellt, intensiv diskutiert und die im Konzept zum Waldmanagement vorgeschlagene Vorgehensweise begrüßt. Aus diesem Beteiligungsprozess ergaben sich für die Arbeitsgruppe Waldmanagement 91 Anregungen und Statements.

In der Zukunft werden regelmäßige Führungen die Bevölkerung und die politischen Mandatsträger der Region über das Vorgehen im Waldmanagement informieren. Auch bei der Umsetzung der Maßnahmen soll die Bevölkerung durch gemeinsame Pflanz- oder Pflegeaktionen beteiligt werden. Dauerbeobachtungsflächen werden angelegt, die die langfristige Entwicklung des Waldes nachvollziehbar darstellen. Außerdem sollen beim Pflanzen von neuen Bäumen auch seltenere Arten wie Bergahorn, Esche oder Bergulme berücksichtigt werden.

Der Nationalparkrat folgte den Empfehlungen der Arbeitsgruppe und des Nationalparkbeirats und nahm das vorgelegte Konzept zum Waldmanagement an und bedankte sich bei den Mitgliedern der Arbeitsgruppe für die sehr gute Arbeit. Umwelt- und Naturschutzminister Franz Untersteller begrüßte das nun beschlossene Waldmanagementmodul: „Hiermit haben wir eine ausgewogene Mischung aus Prozessschutz und Waldentwicklungsmaßnahmen, die gleichzeitig den Schutz der umliegenden Wälder in vollem Maße sicherstellt.“ Der Vorsitzende des Nationalparkrats, Landrat Dr. Klaus Michael Rückert, schloss sich der positiven Beurteilung an: „Durch die intensive Diskussion und die umfassende Beteiligung aller betroffenen Gruppen haben wir hier ein wirklich zukunftsträchtiges Konzept für den Wald im Nationalpark und um ihn herum.“

Auch der aktuelle Stand zum Modul Verkehrskonzept wurde in der Sitzung diskutiert. Das digital basierte Konzept soll für eine nachhaltige und innovative Mobilität für Gäste und Bevölkerung in der Nationalparkregion sorgen. Nach einer intensiven Arbeitsphase wurde nun der aktuelle Planungsstand durch das Planungsbüro PTV erstellt. Schon im Vorfeld hatten dazu verschiedene Beteiligungsmaßnahmen stattgefunden. In der projektbegleitenden Arbeitsgruppe Verkehrskonzept sowie in einem großen Workshop mit regionale Vertretern und Fachexpertn wurden Vorschläge erarbeitet und erste Ideenansätze diskutiert. Bei drei Bustouren wurde das Konzept anhand konkreter Beispiele erläutert und interessierte Bürger sowie Gemeindevertreter der Nationalparkgemeinden konnten ihre Anregungen einbringen.

Der Rat lobte den Zwischenstand des Konzepts und die bisher geleistete Arbeit. Die beauftragte Agentur wird die Erarbeitung des Konzepts weiter fortsetzen. Als nächstes findet eine erste Online-Information statt. Es wurde zudem über erste Umsetzungsmaßnahmen diskutiert, wie beispielsweise die Straßenbeschilderung zum Nationalpark (z.B. touristisches Hinweisschild an der A 5) oder Lärmmessungen entlang der B 500.

Unter www.schwarzwald-nationalpark-im-dialog.de können sich Interessierte ab Ende Juli 2017 über das Verkehrskonzept informieren. Am 11. September 2017 startet die aktive Beteiligungsphase. Hierbei können Interessierte Anmerkungen und Ideen einbringen. Diese Punkte aus der Online-Beteiligung werden bei der weiteren Erarbeitung des Verkehrskonzepts berücksichtigt.

erschienen am: 2017-07-16 im europaticker

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