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Grundwasser ist in vielen Regionen stark belastet, in manchen Teilen Österreichs ist
Leitungswasser nicht mehr trinkbar
SPÖ Niederösterreich: Gift und Gülle verschmutzen das Wasser

Hauptursache sind Belastungen durch Nitrate aus der Landwirtschaft: Es gelangt vor allem durch das Düngeverhalten der Landwirte in den Boden. Sie bringen zu viel Gülle und Mist auf den Feldern aus, Stickstoff bleibt als Nitrat im Boden. Da ist es alarmierend zu hören, dass immer mehr Grundwasser-Messstellen zu hohe Nitratwerte aufweisen. In Deutschland schätzen die Behörden, dass Trinkwasser, das aufwändig gefiltert werden muss, um bis zu 50 Prozent teurer werden könnte.

Die Lage in Österreich ist vor allem im Osten des Landes ähnlich – spezielle Filteranlagen verursachen Kosten in Millionenhöhe. In der Region Lichtenwörth und Neufeld hat man sich auf ein Düngemanagement geeinigt. Aber es gibt weitere Spannungen durch die Bundesländer-Grenzlage: Denn anders als für ihr niederösterreichisches Einzugsgebiet bestand rund um die burgenländischen Grundwasserbrunnen bei Neufeld durchaus bereits ein Grundwasserschongebiet. Die Vertreter der Wasserleitungsbranche fordern jetzt eine Eindämmung der Düngerausbringung, weil sonst schon bald die Kosten für die privaten Haushalte empfindlich steigen könnten. Auf eine vierköpfige Familie kämen laut Umweltbundesamt Mehrkosten von bis zu 134 Euro im Jahr zu.

„Es muss endlich eine Agrarwende erfolgen, um die Umwelt zu schützen und die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten“, sagt der SPÖ NÖ Landesparteivorsitzende Franz Schnabl. Außerdem müsse der Bund eine verschärfte Düngemittelgesetzgebung erlassen, die auch dem Gewässerschutz dient. Für Nitrat im Trinkwasser gibt es im österreichischen Gesetz sehr strenge Regeln. 50 Milligramm pro Liter dürfen es sein, nicht mehr. Aus gutem Grund: Nitrat soll auf lange Sicht gesundheitsschädlich sein, bei Schwangeren und dem ungeborenen Kind kann es Sauerstoffmangel auslösen.

Eine Lösung wäre, weniger zu düngen. Im Umweltministerium wird derzeit an einem überarbeiteten "Aktionsprogramm Nitrat" gearbeitet, das im Herbst beschlossen werden soll. Ziel sei es, die Belastung zu reduzieren und dass die Landwirte einen engeren Spielraum für die Düngung bekommen. „Bauern sollen nur noch gewisse Mengen zu gewissen Zeiten auf ihren Feldern ausbringen dürfen. Im Osten, wo die Situation ernster ist als im Westen, gibt es zusätzliche Auflagen“, weiß die Vorsitzende des Umweltausschusses im niederösterreichischen Landtag, LAbg. Christa Vladyka. Die Mitgliedstaaten der EU müssen einen guten ökologischen Zustand aller Gewässer bis spätestens 2027 erreichen. Das fordert die europäische Wasserrahmenrichtlinie. Grundwasser und Oberflächengewässer sollen demnach frei von Schadstoffen und zu vielen Nährstoffen sein. „Der Handlungsbedarf ist groß. Wir brauchen eine bundesweite Lösung mit Schongebieten und einer Obergrenze von 170 Kilogramm Stickstoff pro Jahr auf einem Hektar Land, um die alarmierend hohe Nitratbelastung nachhaltig bekämpfen zu können“, sagt Vladyka: „Es wird in der Landwirtschaft zu viel gedüngt, das Ausbringen von Dünger und Gülle auf den Feldern muss strenger geregelt werden – gleichzeitig sollten aber die Landwirte, die auf Alternativen setzen, besser unterstützt werden.“

Die hohen Nitratwerte im Grundwasser ziehen auch das Trinkwasser in Mitleidenschaft. „Wir haben ein Recht auf sauberes und leistbares Wasser. Es kann nicht sein, dass die VerbraucherInnen die Rechnung für Überdüngung zahlen müssen und Trinkwasser sich stark verteuert – das würde die Haushaltsbudgets noch mehr belasten. Gute Trinkwasserqualität kann demnach nur ein Erfolg von Wasserversorgern und Landwirten gemeinsam sein“, erklärt Schnabl: „Das agrarindustrielle Geschäftsmodell muss ersetzt werden durch eine Landwirtschaft unter ökologischen und ökonomischen Aspekten – die Nitrate reduziert und einen eingeschränkten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln handhabt. Wir müssen auch im Landwirtschaftsbereich ‚Start-ups‘ mit innovativen Ideen fördern und unterstützen. “ Denn für Schnabl würde sonst der nächste Schritt – nach einer enormen Preissteigerung bei Trinkwasser – die Privatisierung sein: „Es gilt unsere Wasserressourcen auch für künftige Generation zu sichern und zu schützen. Ein privater Konzern, der den Renditeerwartungen seiner Aktionäre nachkommen muss, würde aber niemals so nachhaltig in den Erhalt der Wasserqualität investieren wie ein kommunales Unternehmen, das der Daseinsvorsorge für die Bevölkerung verpflichtet ist. Die Verlierer wären die Menschen, die mit sinkender Qualität und noch weiter steigenden Preisen rechnen müssten.“

erschienen am: 2017-07-16 im europaticker

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