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Am 2. August wird die Menschheit das Budget der Natur für dieses Jahr aufgebraucht haben
ab jetzt leben wir auf "Öko-Pump"
Earth Overshoot Day: Ressourcenverbrauch steigt

Das Jahr 2017 hat noch 151 Tage und bereits jetzt sind die Ressourcen, die pro Jahr erneuert werden können aufgebraucht. Für den Rest des Jahres machen wir ökologische Schulden und vernichten die stillen Reserven der Erde. Umweltorganisationen rufen anlässlich des Erdüberlastungstages (Earth Overshoot Day) am 2. August zu einem effizienteren und nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen auf.

Die Überbeanspruchung des Planeten zeigt sich schon heute in geplünderten Meeren, vernichteten Urwäldern, kaputten Böden, schwindender Biodiversität und allen voran im Anstieg des CO2 in der Atmosphäre. Dies ist der Beginn eines gefährlichen Teufelskreises, da der Klimawandel selbst wiederum Boden, Wälder, Meere und Artenvielfalt gefährdet. Verschärfung bestehender Ungerechtigkeiten, Ressourcenkonflikte, Naturkatastrophen, Hunger und Kriege sind die Folge davon.

Dies berechnet Global Footprint Network, eine Forschungsorganisation, welche dieses Datum mit ihrer Ressourcenbuchhaltung, dem Ökologischen Fussabdruck, berechnet hat. Die Methode dient dazu, unsere Ressourcenabhängigkeit zu messen und zu managen. Dies wird im Kontext des Klimawandels und der wachsenden Ressourcennachfrage immer wichtiger.

Der „Earth Overshoot Day“ markiert den Tag, ab dem wir aus ökologischer Sicht über unseren Verhältnissen leben. Das bedeutet, dass die Menschheit vom 1. Januar bis zum 2. August so viel von der Natur verbraucht hat, wie die Erde im ganzen Jahr erneuern kann. Mit anderen Worten, nutzen wir Menschen die Natur 1,7-mal schneller als Ökosysteme sich regenerieren können. Das bedeutet wir brauchen mittlerweile 1,7 Erden.

Der Mehrverbrauch (oder Overshoot) ist möglich, weil wir mehr CO2 in die Atmosphäre ausstossen können als unsere Ozeane und Wälder absorbieren, weil wir schneller fischen können, als sich die Fischbestände erholen, und wir Bäume schneller fällen können, als sie nachwachsen.

Der CO2 Ausstoss ist der am schnellsten wachsende Anteil des Ökologischen Fussabdrucks oder Footprints. Der Carbon Footprint macht heute 60% des ganzen Footprints der Menschheit aus. Um das 2°C Ziel des Pariser Klimaabkommens vom Dezember 2015 zu erreichen, sollte der CO2 Ausstoss von Fossilenergie weltweit vor 2050 auf null sinken.

Lasst uns das Datum verschieben (#MoveTheDate)

Wir können den Trend umkehren. Wenn wir jedes Jahr den Earth Overshoot Day um 4,5 Tage in die Zukunft schieben, würden wir bis 2050 wieder innerhalb der Kapazität unserer Erde leben.

«Unser Planet ist endlich, aber unsere Möglichkeiten sind es nicht. Innerhalb des Ressourcenbudgets unseres Planeten zu leben ist nicht nur technologisch machbar, sondern auch finanziell von Vorteil. Es ist unsere einzige Chance für eine blühende Zukunft», sagte Dr. Mathis Wackernagel, CEO von Global Footprint Network und Entwickler des Ökologischen Fussabdrucks. «Letztlich geht es in der Nachhaltigkeit um das Zurückschieben des Earth Overshoot Datums».

Am Earth Overshoot Day 2017 deutet Global Footprint Network auf existierende Lösungsmöglichkeiten hin, und schätzt ab, um wie viele Tage jede Aktion das Datum des Earth Overshoot Days verschieben könnte. Würden wir zum Beispiel Nahrungsmittelabfälle weltweit halbieren, wäre das Datum um 11 Tage in die Zukunft verschoben. Unseren CO2 Ausstoss zu halbieren gäbe uns 89 Tage.

Einzelaktionen

Zusammen mit fast 30 Partnern aus der ganzen Welt, laden wir all zum Mitmachen ein. #Movethedate zeigt was möglich ist, und zeigt, wie wir alle dazu beitragen können.  Es soll informativ und auch unterhaltend sein, wie zum Beispiel unser Fotowettbewerb zu unseren beliebtesten Lösungen.

Auch lancieren wir am Earth Overshoot Day unseren neuen Footprint-Rechner (www.footprintcalculator.org), der nun auch auf Mobiltelefonen funktionieren wird. Damit können alle auch ihren persönlichen Earth Overshoot Day berechnen. Der aktuelle Rechner wird von mehr als 2 Millionen Menschen pro Jahr genutzt.

Systemische Lösungen

Die grössten Möglichkeiten sind systemischer Natur. Das macht Global Footprint Networks offene Datenplattform deutlich (data.footprintnetwork.org: die Trends von Ländern). Overshoot lässt sich umkehren, wie zum Beispiel Project Drawdown oder die McKinsey & Company vorrechnen. Global Footprint Network zeigt, um wie viele Tage sich der Earth Overshoot Day verschieben würde, wenn diese Lösungen umgesetzt würden.

«Der carbon Footprint der Menschheit hat sich seit den frühen 1970er Jahren mehr als verdoppelt und treibt die Kluft zwischen dem Ökologischen Fußabdruck und der Biokapazität des Planeten», sagte Wackernagel. «Aber, wie immer mehr Studien zeigen: wir können den carbon Footprint eliminieren – gar mit wirtschaftlichen Vorteilen».

Ermutigende Zeichen

Die neuesten Daten von Global Footprint Network zeigen, dass es möglich ist, in die richtige Richtung zu gehen. Zum Beispiel fiel der Ökologischer Fußabdruck in den USA pro Kopf um knapp 20% von 2005 (seinem Höchststand) bis 2013 (die letzten verfügbaren Daten). Diese signifikante Verschiebung, die eine Rezession beinhaltet, ist vor allem mit abnehmenden CO2-Emissionen verbunden. Doch gleichzeitig wuchs das BIP in den USA pro Kopf um etwa 20%. Das zeigt, dass damit Entkopplung stattgefunden hat: Wirtschaftsexpansion mit reduziertem Ressourcenverbrauch.

Trotz dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen haben viele US-Städte, Staaten und Großunternehmen ihre Klimaanstrengungen beschleunigt. China, das Land mit dem größten nationalen Ökologischen Fußabdruck, engagiert sich für den Aufbau einer ökologischen Zivilisation, die auch schon in ihrem jüngsten Fünfjahresplan deutlich verankert ist. Schottland, Costa Rica und Nicaragua sind weitere Beispiele von Nationen, die der Fossilenergie den Rücken kehren.

Earth Overshoot Day: Ressourcenverbrauch steigt

Entschlossenes Handeln der österreichischen Politik gefordert

"Der ökologische Fußabdruck Österreichs hat sich in den letzten zehn Jahren de fakto nicht verkleinert. Der Erdüberlastungstag zeigt, dass wir längst nicht mehr innerhalb der natürlichen Grenzen unseres Planeten leben und das darf von der Politik nicht länger ignoriert werden", warnt Stefan Moidl von der IG Windkraft. "Die Klimaverhandlungen in Paris sind ein Schritt in die richtige Richtung. Nun müssen den Worten Taten folgen um diese Ziele auch zu erreichen." Die Windenergie nimmt hier eine Schlüsselposition ein. Allein im Jahr 2017 wurden durch die Nutzung der Windkraft in Österreich mehr als 3,7 Millionen Tonnen CO2 vermieden. Das ist ungefähr so viel CO2, wie 1,6 Millionen Autos ausstoßen, das sind 35% aller Autos Österreichs.

Zum Earth Overshoot Day am 02. August 2017 erklären Dr. Valerie Wilms, Nachhaltigkeitsbeauftragte, und Peter Meiwald, Sprecher für Umweltpolitik: Noch immer kennt der Verbrauch der natürlichen Ressourcen weltweit nur eine Richtung: Immer mehr, immer schneller. Noch nie lag der Termin des Earth Overshoot Days so früh im Jahr. Schon jetzt haben wir weltweit mehr Natur verbraucht, als sich im Jahr 2017 regenerieren kann. Und jedes Jahr wird unser Ressourcenhunger größer.

Die Folgen werden auf kommende Generationen abgewälzt – und auf Weltregionen, die selbst vergleichsweise wenig Ressourcen verbrauchen, aber die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren bekommen.

Am sichtbarsten ist unser übergroßer ökologischer Fußabdruck beim CO2 Verbrauch. Er muss konsequent gesenkt werden, durch einen Ausstieg aus der Kohle und Ausbau der Erneuerbaren Energien, durch alternative Antriebe statt Verbrennungsmotoren.

Auch die Bundesregierung muss Ressourcen- und Klimaschutz in das Zentrum des politischen Handelns stellen und international darauf drängen, wenn die Erde auch in Zukunft noch gut bewohnbar sein soll.

Hintergrund zum Global Footprint Network

Global Footprint Network ist eine internationale Forschungsorganisation, die daran arbeitet, nachhaltige politische Entscheidungen in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und Klimawandel voranzutreiben. Gemeinsam mit Partnerinstitutionen koordiniert Global Footprint Network die Forschung rund um den Ökologischen Fußabdruck, entwickelt methodologische Standards und bietet Entscheidungsträgern ein Portfolio von Entscheidungs- und Messinstrumenten an. All das soll helfen, Wege zu finden, wie die Wirtschaft innerhalb der ökologischen Kapazität der Erde blühen kann. www.footprintnetwork.org

erschienen am: 2017-08-02 im europaticker

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