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Not-Aus für Kahlenberg-Seilbahn; Naturjuwel am Rande Wiens bleibt weiterhin erhalten
Kahlenberg-Seilbahn nicht genehmigungsfähig

Der bereits geplanten Kahlenberg-Seilbahn wird das Stromkabel aus der Steckdose gezogen. Ein unverwechselbares Naturjuwel am Rande der Stadt bleibt weiterhin erhalten. Die List Rechtsanwalts GmbH hat im Auftrag der Bürgerinitiative „Schützt den Wienerwald - STOPP der Seilbahn auf den Kahlenberg“ eine umfassende Prüfung der Sach- und Rechtslage vorgenommen und will erkannt haben, dass das Projekt keinesfalls bewilligungsfähig ist. 

Es bestände keine Rechtsgrundlage für die Genehmigung einer Seilbahn auf den Kahlenberg. Europarechtliche Vorschriften legen eindeutig fest, dass sämtliche Anträge auf Genehmigung von Errichtung und Betrieb einer Seilbahn abzuweisen sind.

Es wurde bisher weder eine Strategische Umweltprüfung, noch ein Umweltverträglichkeitsverfahren durchgeführt. Die Öffentlichkeit wurde in die Planung bisher nicht einbezogen. Dies stellt eine massive Rechtsverletzung dar. Wir werden gegebenenfalls durch alle Instanzen gehen und den Europäischen Gerichtshof anrufen. Wir sind davon überzeugt, dass die Seilbahn nicht gebaut wird.

Die hier relevante europäische Richtlinie („UVP-RL“) gibt eindeutig vor, dass Seilbahnen einer Umweltverträglichkeitsprüfung zu unterziehen sind. Die Umsetzung dieser Richtlinie in innerstaatliches Recht erfolgt jedoch nur unvollständig.  

Die Richtlinie wurde durch das Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-G 2000) umgesetzt. Allerdings erfolgte die Umsetzung nur mangelhaft, zumal im UVP-G 2000 eine Umweltverträglichkeitsprüfung lediglich für Seilbahnen in Schigebieten vorgesehen ist. Offensichtlich hat im Alpenland Österreich niemand daran gedacht, dass Seilbahnen auch außerhalb eines Schigebietes errichtet werden können. Sollte die Errichtung der Seilbahn tatsächlich bewilligt werden, kann diese gem § 3 Abs 6 UVP-G binnen 3 Jahren als nichtig erklärt werden.

WKÖ sah vor einem Jahr neue Impulse für Kahlenberg durch Seilbahnprojekt
Positive Machbarkeitsstudie präsentiert – neue Chance für Tourismusstandort Wien - Experte rechnet mit rund 600.000 Besuchern pro Jahr

Die Überlegungen für eine Seilbahn auf den Kahlenberg als neue Tourismusattraktion nehmen weiter Form an. Genau ein Jahr nachdem Josef Bitzinger, oberster Repräsentant der Wiener Tourismus- und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer Wien, seine Idee zum 1. Mal präsentiert hat, liegt nun eine positive Machbarkeitsstudie zum Projekt vor.

Seilbahn Kahlenberg als Tourismusmagnet

Initiator Bitzinger blickt gespannt auf die weitere Entwicklung des Projektes. Vorteile würde es genug bringen: „Die Seilbahn auf den Kahlenberg wäre mit Sicherheit ein Tourismusmagnet, der den heutigen Anforderungen, Stichwort SMART-City-Konzept, entspricht, da es sich um eine umweltfreundliche Erschließung des Kahlenbergs mit Null-Emission, geräuscharm und auch noch barrierefrei handelt.“ Weiters sei der Spaßfaktor bei einer Stadtseilbahn von hohem Stellenwert. So gibt es beispielsweise Gondeln mit Glasböden, die spektakuläre Blicke erlauben.

Seilbahn als Transportmittel zum Naherholungsgebiet für Wienerinnen und Wiener

Doch nicht nur im Touristenprogramm würde eine Seilbahn einen fixen Platz einnehmen, sondern auch für die Wiener Bevölkerung wäre dieses neue Transportmittel von hoher Attraktivität. „Der Kahlenberg ist mit seiner einzigartigen Aussicht ein beliebtes Ausflugsziel für Wienerinnnen und Wiener sowie für Touristen und Gäste aus den anderen Bundesländern. Eine Seilbahn wäre eine beliebte Alternative zu den üblichen Transportmitteln und würde einen weiteren Anreiz für einen Besuch schaffen. Zusätzlich können die Gäste die einzigartige Aussicht über die Dächer Wiens bei der Fahrt mit der Seilbahn genießen“, so Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien.

So könnte sie aussehen: Die Hardfacts zur Seilbahn auf den Kahlenberg

Die positive Machbarkeitsstudie, welche vom renommierten Seilbahnunternehmen Doppelmayr erstellt wurde, zeigt deutlich, wie die Seilbahn auf den Kahlenberg aussehen könnte:

Stadtseilbahnen funktionieren

„Seilbahnen in Städten funktionieren und finanzieren sich von selbst, wenn sie einmal in Betrieb gegangen sind. Das zeigt uns die Erfahrung mit bestehenden internationalen Projekten“, bestätigt Michael Bitterl, Seilbahnexperte von Doppelmayr Seilbahnen. Erfolgsbeispiele gibt es genug, verfügen doch Tourismusmetropolen wie Barcelona, New York oder Hong Kong über eine eigene Stadtseilbahn.

Das jüngste Beispiel einer erfolgreichen Stadtseilbahn befindet sich im deutschen Koblenz, wo eine Seilbahn zur Bundesgartenschau 2011 vorerst nur bis 2014 errichtet werden durfte, um den prestigeträchtigen Welterbe-Status des Oberen Mittelrheintals nicht zu gefährden. Nach einem überwältigenden ökonomischen und ökologischen Erfolg mit mehr als 5,6 Mio. Fahrten während sechs Monaten gab sogar die UNESCO schließlich grünes Licht für den Fortbestand der Seilbahn. „Welterbe-Status und Seilbahn schließen sich also nicht aus. Weiters zählt Koblenz nur ca. 110.000 Einwohner und hat viel weniger Touristen als Wien und die Seilbahn funktioniert dort blendend“, so Bitterl.

Die reine Bauzeit für eine Stadtseilbahn beträgt im Normalfall etwa ein Jahr. Mit einem weiteren Jahr ist für sämtliche Bewilligungen zu rechnen. Mit der Zustimmung von Stadtverwaltung, Grundstückeigentümern sowie der Umsetzung durch eine Betreibergesellschaft könnte ein derartiges Projekt innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden. „Die Wiener Hotelbetten müssen gefüllt werden, und Besucherrekorde mit mehr als 12 Mio. Nächtigungen pro Jahr fallen nicht vom Himmel. Da müssen wir längerfristig schon etwas mehr bieten als Sissi und Franzl“, so Bitzinger.

erschienen am: 2017-07-31 im europaticker

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