europaticker:
Für die Bevölkerung, auch für die unmittelbare Nachbarschaft des Unternehmens, bestand keine Gefahr der Ansteckung
mit Influenza-Viren aus dem Abwasser
Dresden: Stellungnahme der Landeshauptstadt zum Vorfall bei GlaxoSmithKline

Wie das Unternehmen GlaxoSmithKline in seiner Pressemitteilung aktuell mitteilte, wurde durch einen baulichen Fehler der Abwasserleitungen am Standort Zirkusstraße 40 über mehrere Jahre sogenanntes aktives Abwasser in das normale Netz der Stadtentwässerung Dresden eingeleitet. Dies bedeutet, dass Abwasser aus zwei Reinigungsräumen, in dem sich aktive Influenza-Viren befanden, unmittelbar in die Kanalisation gelangte. Die Stadt Dresden, Umweltamt und Gesundheitsamt, waren umgehend vom Unternehmen bzw. den zuständigen Ministerien darüber informiert worden. Zugleich wurde der bauliche Fehler sofort behoben und damit eine weitere fehlerhafte Einleitung in das Abwassersystem gestoppt. Auch wurde der Stadt eine Risikobewertung des Unternehmens unverzüglich zur Verfügung gestellt.

„Nach Einschätzung des Gesundheitsamtes bestand für die Bevölkerung von Dresden, auch für die unmittelbare Nachbarschaft des Unternehmens keine Gefahr sich mit den Influenza-Viren aus dem Abwasser anzustecken“, erklärt Pressesprecher Kai Schulz. „Die Art der Erreger und Eigenschaften von Influenza-Viren, die starke Verdünnung und die Übertragungswege der Influenza sind Faktoren, die eine Ansteckung über das Abwasser mehr als unwahrscheinlich werden lassen.“ Auch wurden unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorfalls die Dresdner Influenza-Fälle nach Abweichungen von der Norm untersucht. Schulz: „Dabei kam heraus, dass es keine Aktivitäten von Influenza-Viren in Dresden gab, die Anlass geben könnte, mit den Viren aus der Anlage von GSK in Verbindung gebracht zu werden. Insbesondere außerhalb der Influenza-Saison sind die Fallzahlen völlig unauffällig.“

Wie kommt das Gesundheitsamt zu dieser Einschätzung?

1) Bei der Impfstoffproduktion werden veränderte (attenuierte) Virusstämme verwendet, die eine deutlich geringere Pathogenität (krankmachende Kraft) aufweisen als die im Rahmen einer Influenzawelle üblichen Wildviren. Diese von der WHO aus speziellen Laboren bereit gestellten sogenannten Saatviren sind für die Herstellungsprozesse in Hühnereiern angepasst und in ihren pathogenen / infektiösen Eigenschaften abgeschwächt.

2) Influenzaviren werden v.a. über Aerosole / Tröpfcheninfektion (oder direkten/indirekten Kontakt mit Sekret) übertragen. Ein Infektionsweg über Abwasser ist äußerst unwahrscheinlich.

3) Influenzaviren sind im Gegensatz zu darmpathogenen Viren für Umwelteinflüsse und Chemikalien anfälliger, weniger stabil. Beim Verschlucken von mit Influenzaviren belastetem Abwasser würden die Viren durch den niedrigen ph-Wert im Magen („Magensäure“) inaktiviert. Influenzaviren können sich nur in lebenden (infizierten) Zellen vermehren, sie sind auf einen speziellen Wirt angewiesen.

4) Infolge der Vermischung mit Wasser im Abwasserkanal kommt es zu einer erheblichen Verdünnung. Hier sind die von GSK in Zusammenarbeit mit dem Abwasserbetrieb der Stadt Dresden errechneten Modelle nachvollziehbar. Am Ausfluss des Klärwerks kann von einer so geringen Konzentration ausgegangen werden, dass nicht einmal die deutlich höher pathogenen Wildviren in einer für eine Infektion beim Menschen ausreichenden Konzentration vorliegen würden.

„Die Ämter der Stadt Dresden stehen im ständigen Kontakt mit dem Unternehmen und den zuständigen Ministerien“, so Pressesprecher Kai Schulz. „Es geht insbesondere darum, dass das Unternehmen nachweisen muss, dass eine solche fehlerhafte Anbindung an das Kanalisationssystem für die Zukunft ausgeschlossen wird.“

Hintergrund:

GSK produziert an seinem Standort in Dresden für den globalen Markt Impfstoffe gegen Grippe (Influenza). Bei dem Impfstoff handelt es sich um sogenannte Totimpfstoffe, die aus Bestandteilen abgetöteter Viren bestehen. Entstehende Abwässer, die aktive Viren enthalten, werden zunächst in einer firmeneigenen Anlage behandelt und dort mit Peressigsäure inaktiviert, bevor sie in das öffentliche Abwassersystem abgegeben werden. Bei GSK werden sowohl konventionelle Grippeimpfstoffe als auch solche Impfstoffe produziert, die unter Einsatz gentechnischer Methoden hergestellt werden. Mit diesen Methoden können im Einzelfall schneller und gezielter als bei gewöhnlicher Züchtung die Virengenerationen erzeugt werden, die für die Immunisierung in der bevorstehenden Grippesaison oder bei einer Influenza-Pandemie erforderlich sind. Die Herstellung dieser unterschiedlichen Impfstoffe erfolgt jedoch nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd.

Am 10. Juli 2017 hatte GSK den zuständigen Behörden - darunter dem SMUL - gemeldet, dass wegen eines fehlerhaften Anschlusses mehrerer Bodenabläufe in zwei Reinigungsräumen mehrere Jahre unbehandeltes Abwasser in das öffentliche Abwassersystem gelangt war.

Der fehlerhafte Abwasseranschluss wurde im Rahmen von geplanten Baumaßnahmen am 7. Juli 2017 entdeckt. Die Produktion wurde daraufhin sofort gestoppt und der Fehler bereits am folgenden Tag behoben. Durch von GSK durchgeführte Färbetests wurde nachgewiesen, dass seitdem in der betroffenen Produktionsanlage das gesamte virushaltige Abwasser über die Inaktivierungsanlage geführt wird.

erschienen am: 2017-08-02 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken