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Geplante Halle im Braunschweiger Stadtteil Thune soll ausschließlich zur Lagerung schwach
radioaktiver Abfällen genutzt werden
Stadt Braunschweig und Eckert & Ziegler vor der Einigung

Die Gespräche zwischen der Stadtverwaltung und dem im Braunschweiger Stadtteil Thune ansässigen, mit radioaktiven Stoffen arbeitenden Unternehmen Eckert & Ziegler (Umweltdienste und Nuclitec) haben in Teilbereichen eine grundsätzliche Einigung erzielt. Das hat Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer heute dem Planungs- und Umweltausschuss mitgeteilt. Das Unternehmen hat schriftlich seine Bereitschaft erklärt, seine geplante Halle ausschließlich zur Lagerung schwach radioaktiver Abfälle zu nutzen, nicht zu deren Konditionierung oder Verpackung. Parallel dazu wird Eckert & Ziegler seine beim Verwaltungsgericht anhängige Vollstreckungsklage zurückziehen, wenn sich die Stadt bereit erklärt, das Bauantragsverfahren mit der geänderten Nutzung fortzusetzen.

Die Eckert & Ziegler Gruppe gehört zu den weltweit größten Herstellern von radioaktiven Komponenten für medizinische, wissenschaftliche und messtechnische Zwecke. Das Unternehmen konzentriert sich auf Anwendungen in der Krebstherapie, der industriellen Radiometrie und der nuklearmedizinischen Diagnostik. Das operative Geschäft teilt sich in drei Segmente: Strahlentherapie, Isotope Products und Radiopharma. Eckert & Ziegler wurde 1997 als Holdinggesellschaft gegründet. Das älteste Tochterunternehmen, die Eckert & Ziegler BEBIG GmbH, ging 1992 aus dem Zentralinstitut für Isotopentechnik, einem Forschungsinstitut der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR hervor. Seit 1999 ist Eckert & Ziegler börsennotiert und im Prime Standard der Deutschen Börse in Frankfurt am Main gelistet.

„Mit dieser Abstimmung ist von einer deutlichen Verbesserung der Situation vor Ort auszugehen“, kommentiert Stadtbaurat Leuer. „Bei einer Fortsetzung des gerichtlichen Streitverfahrens über die Halle in ihrer derzeit beantragten Form wäre diese am Ende gegebenenfalls zu genehmigen gewesen. Die Beschränkung der neuen Halle auf die reine Lagertätigkeit trägt neben dem Verzicht auf die Konditionierung dazu bei, dass die derzeit frei stehenden Container schneller beseitigt werden können.“ Das Bauantragsverfahren werde mit der geänderten Nutzung fortgesetzt. Zunächst werde Eckert & Ziegler aber auf Basis des geänderten Antrags die mit dem strahlenschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren verbundene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (MU) betreiben.

Mit der Firma konnte weiterhin vereinbart werden, dass ein nochmals modifizierter Bauantrag zur Befestigung und Nutzung von Containerflächen seitens der Stadt weiterbearbeitet wird und zunächst nur eine befristete Genehmigung ausgesprochen wird. Die Befristung soll in Abhängigkeit von der Errichtung einer neuen Lagerhalle enden. Eckert & Ziegler hat deutlich gemacht, dass aus betriebslogistischen Gründen für Teilflächen auch eine dauerhafte Genehmigung benötigt wird. Hierüber ist zu einem späteren Zeitpunkt zu entscheiden.

Eckert und Ziegler hat darüber hinaus einige bereits erklärte Zugeständnisse bekräftigt, etwa am Standort Thune nicht mit Abfällen aus Kernkraftwerken oder aus der Asse umzugehen und die erteilte Umgangsgenehmigung in Abstimmung mit dem Umweltministerium zu reduzieren. Hierzu soll es vertragliche Vereinbarungen geben, parallel zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplans.

Dieses Verfahren soll, mit den genannten Abstimmungen, zeitnah eingeleitet werden. Die wesentlichen Festsetzungen folgen dem Urteil des OVG Lüneburg und sind mit den betroffenen Firmen im Grundsatz abgestimmt. Wie bereits mitgeteilt, basiert die Erarbeitung des Bebauungsplans darauf, dass Betriebe nach der Strahlenschutzverordnung nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen sein sollen. Die im Eigentum der Firmen befindlichen Flächen sollen als gewerbliche Bauflächen ausgewiesen werden. Die neue Halle wird nach dem neuen Bebauungsplan zulässig sein. Eine Veränderungssperre soll nicht erlassen werden.

Eine verbindliche Vereinbarung zwischen dem Unternehmen soll geschlossen werden, wenn die erforderlichen Genehmigungsunterlagen zwischen dem MU und Eckert & Ziegler geklärt sind. Die Verwaltung wird die weitere Detaillierung der Regelungen mit der Firma parallel zum Bebauungsplan betreiben.

„Wir bewerten die Abstimmungen positiv“, resümmiert Stadtbaurat Heinz-Georg Leuer. „Stadt und Unternehmen gehen aufeinander zu, ohne in eine unmittelbare Abhängigkeit von Verfahren oder Entscheidungen des MU als Genehmigungsbehörde zu geraten. Wir sind der Auffassung, dass der Verzicht von Eckert & Ziegler auf eine Halle, in der auch die Konditionierung radioaktiver Abfälle erfolgen sollte, eine wesentliche Verbesserung für das Miteinander des Gewerbes und der angrenzenden Bebauung darstellt, da die hiermit befürchtete Erweiterung der Konditionierungstätigkeiten nicht mehr stattfindet. Die jetzt vorgesehene Nutzung der Halle ausschließlich zur Lagerung schwach radioaktiver Abfälle stellt eine Verbesserung gegenüber der heutigen Situation dar, da die Container im Außenbereich des Geländes stark reduziert werden. Aus den parallel stattfindenden Abstimmungen mit dem MU ergeben sich möglicherweise zusätzliche Aspekte, die weiter zur Verbesserung und Befriedung der Situation vor Ort beitragen. Es ist unser gemeinsamer Wunsch, dazu nach Kräften beizutragen.“

Eckert & Ziegler Q2 / 2017: Ertragssprung durch Verkauf der Zyklotronsparte.
Nettoliquidität übersteigt 40 Mio. EUR. Konzern fast schuldenfrei.

Die Berliner Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, hat im ersten Halbjahr 2017 seinen Gewinn pro Aktie gegenüber dem Vorjahr auf 1,83 EUR und damit um 0,91 EUR oder fast das Doppelte steigern können. Ursache für die verbesserte Ertragslage sind vor allem erhöhte Umsätze mit ertragsstarken Produkten und ein Sonderertrag aus dem Verkauf der Zyklotronsparte im Mai dieses Jahres. Ohne diese aufgegebenen Geschäftsbereiche  und somit gemäß den Regelungen von IFRS 5 stieg der Jahresüberschuss pro Aktie im 1. Halbjahr gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,34 EUR oder 23% auf 1,23 EUR.

Der Konzernumsatz wuchs unter Berücksichtigung der gemäß IFRS 5 notwendigen Anpassungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 6% auf 64,8 Mio. EUR. Unter Einbeziehung der aufgegebenen Geschäftsbereiche hat der Konzern im ersten Halbjahr 2017 dagegen insgesamt einen Umsatz von 71,0 Mio. Euro gegenüber 70,1 Mio. Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres erzielt. Das organische, reale Umsatzwachstum, also der währungsbereinigte Umsatz ohne die in 2016 und 2017 getätigten Akquisitionen und Desinvestitionen beträgt 0,8 Mio. EUR.

Wachstumstreiber ist das Segment Radiopharma. Rechnet man die verkaufte Zyklotron-Sparte heraus, so beträgt das Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 3,2 Mio. EUR oder 31%. Insbesondere in den USA konnten die guten Umsätze weiter ausgebaut werden. Der Umsatz im Segment Strahlentherapie stieg um 0,2 Mio. Euro oder 2% auf 12,3 Mio. Euro. Das Segment Isotope Products legte weiter zu und wuchs um 0,5 Mio. Euro oder 1% auf 40,6 Mio. Euro.

Der Kapitalfluss wuchs überproportional zum Ergebnis, so dass die Nettoliquidität, also der Bestand an Barmitteln abzüglich sämtlicher Bankschulden, um 12 Mio. EUR auf 40 Mio. EUR anstieg. Der Konzern ist jetzt fast schuldenfrei.

Aufgrund der Sondererträge aus dem Verkauf der Zyklotronsparte wird für 2017 mit einem Jahresüberschuss von etwa 2,80 EUR pro Aktie gerechnet, von denen 0,60 EUR aus Sondereffekten und aufgegebenen Geschäftsbereichen resultieren. Es wird ein Umsatz von knapp 150 Mio. Euro erwartet.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier.

erschienen am: 2017-08-06 im europaticker

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