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WWF-Bericht zur Region Regensburg: Lebensmittelverschwendung in der Stadt fast
9.000 Tonnen jährlich
Vom drohenden Ende einer Kulturlandschaft

Der Gäuboden, Bayerns Kornkammer vor den Toren Regensburgs, leidet massiv unter den direkten wie indirekten Folgen einer ständigen Intensivierung der Landwirtschaft. Davor warnt der WWF in einem Regionalbericht, den der Naturschutzverband am Donnerstag im Rahmen seiner deutschlandweiten Foodtruck-Tour in Regensburg vorgelegt hat. Demnach begünstigt eine hohe Nutzungsintensität der Böden die Erosion und verschlechtert zunehmend die Wasserqualität. So wird regelmäßig im Grundwasser ein Nitratgehalt jenseits der gesetzlichen Grenzwerte gemessen. Erschwerend kommt der niedrige Anteil an Bio-Landwirtschaft  hinzu: Mit nur 4 Prozent ist die Quote in der Region Regensburg extrem niedrig. Sie liegt deutlich unter dem deutschen Durchschnitt von 7,5 Prozent – und ist meilenweit von dem Ziel der Bundesregierung entfernt, dass ein Fünftel der Agrarflächen nach Bio-Vorgaben bewirtschaftet werden soll.

„Gerade in Bayern hat die agrar-geprägte Kulturlandschaft einen herausragenden Stellenwert. Doch die Bauern ziehen sich langfristig sprichwörtlich den eigenen Boden unter den Füßen weg“, warnt Dr. Birgit Wilhelm, Referentin Landwirtschaft und Agrarpolitik beim WWF Deutschland. „Natur und Landwirtschaft sind keine voneinander abgekoppelten Systeme. Sie können nur gemeinsam dauerhaft existieren. Wir brauchen daher eine neu ausgerichtete Agrarpolitik zum Wohle der Umwelt und der Bauern.“

Der Freistaat hat hier laut Wilhelm noch Nachholbedarf: „Der  Bayrische Ökopakt für den sich Landwirtschaftsminister Brunner so stark macht, scheint in Regensburg – vor seiner Haustür - noch nicht angekommen zu sein. Und gerade in so intensiv beanspruchten, landwirtschaftlichen Gebieten muss unbedingt etwas für die Artenvielfalt und für den Schutz des Bodens und des Wassers getan werden.“ Denn insbesondere hier leidet die Tier- und Pflanzenwelt. Der flächendeckende Einsatz von Pestiziden und der zu hohe Eintrag von Dünger sind Ursache für das massive Artensterben. Es droht eine „stumme Kulturlandschaft“. Die klassischen Wald- und Wiesenvögel, Schmetterlinge und Amphibien verschwinden gemeinsam mit ihren Lebensräumen. So sind in Bayern etwa Kiebitz oder Wachtelkönig inzwischen laut Roter Liste „stark gefährdet“ und die Grauammer oder der Große Brachvogel sind gar „vom Aussterben bedroht“.

Zugleich müsse sich auch der Konsum verändern und der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln gestoppt werden. Laut WWF-Berechnungen fallen allein in Regensburger Haushalten vermeidbare Lebensmittelverluste von fast 9.000 Tonnen pro Jahr an. Zudem ist der hohe Fleischbedarf ein Problem. Insgesamt fragen die Regensburger pro Jahr über 12.500 Tonnen Fleisch nach. Um diese Nachfrage zu bedienen, werden insgesamt über 15.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche benötigt, vor allem um Tierfutter anzubauen. Große Teile dieses Flächenfußabdrucks importiert Deutschland aus anderen Regionen der Erde. Eine veränderte Ernährung sowie vermiedene Lebensmittelabfälle würden den Regensburger Flächenverbrauch zur Erzeugung von Lebensmitteln um 17 % reduzieren. „Damit die Landwirtschaft nachhaltiger wird, müssen Politiker umdenken, Unternehmen die Initiative ergreifen, aber auch die Konsumenten mit anpacken. Schließlich sind unsere Ernährungsgewohnheiten eine entscheidende Stellschraube im System“, so Wilhelm.

Landwirtschaft & Ernährung Regensburg in Zahlen:

WWF-Foodtruck in Regensburg

Im Sommer 2017 tourt der WWF-Foodtruck quer durch die Bundesrepublik. Am 03. und 04. August steht der Foodtruck mit einer großen Erlebniswelt auf dem Haidplatz. Food-Helden aus der Region stellen ihre Projekte für nachhaltiges Essen vor. An Erlebnis- und Wissensstationen gibt es Mitmach-Aktionen für die ganze Familie. WWF-Experten geben Tipps, worauf es beim Einkaufen und Essen ankommt, um die Natur zu schützen. Pünktlich ab 12 Uhr gibt es den leckeren, regionalen Mittagspausen-Snack der WWF-Foodtruck-Köche.
Bild: Der WWF-Foodtruck kommt nach Regensburg. © Benjamin Knispel / WWF

erschienen am: 2017-08-04 im europaticker

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