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Mit vielen Arbeitsstunden und schweren Geräten eine ca. 4,6 Kilometer lange "Endurostrecke"
in Möser (Jerichower-Land) gebaut
Schwarzbau einer Motocross-Strecke unter den Augen der Behörden

Laut grölende Motoren, aufgewirbelte Dreckwolken und unberechenbares Gelände. Für manch einen mag das abstoßend klingen, doch für Motorrad-Fans ist dies der Himmel auf Erden, so beschreibt ein Reporter der in Magdeburg erscheinenden „Volksstimme“ die Veranstaltung des ADAC in Burg und Umgebung. Was dem Reporter verborgen geblieben ist, das Gelände in der Gemeinde Möser im Ortsteil Körbelitz ist ein „Schwarzbau“. Ohne jegliche Genehmigung haben dort die Leute um den Rallyefan und Betreiber einer Fahrschule, Michael Kahllfuss, eine 4,8 Kilometer lange Schneiße der Verwüstung in den Wald oberhalb einer Mülldeponie geschlagen. Das Grundstück habe ihm der Bürgermeister der Gemeinde Möser, Bernd Köppen (FDP), in den letzten Monaten des Jahres 2016 überlassen.

Stolz berichten seine Motorfreunde am 19. April 2017 auf den Internetseiten des Motorsportclub Burg (MSC): „ Hallo Motorsportfreunde, in den letzten Jahren haben wir große Anstrengungen unternommen ein eigenes Vereinsgelände in Burg zu bekommen. Eine Absage nach über 3 Jahren für das Gelände „Krähenberge“ enttäuschte uns sehr und wir mussten von vorn starten. In den letzten Monaten des Jahres 2016 führte unser Vereinsmitglied Michael Kahlfuß Gespräche mit der Gemeinde Möser/Körbelitz und schnell, zu unserer Freude, bekamen wir ein Gelände zugesprochen. Seit Januar 2017 waren wir mit vielen Arbeitsstunden und schweren Geräten unterwegs und schafften so eine ca. 4,6 Kilometer lange Endurostrecke. Zusätzlich errichteten wir dank der Hilfe vom Bauhof Bethge eine Kindercrossstrecke mit ca. 200m Länge und für die Kleinsten noch direkt daneben einen Sandkasten. So kann der Nachwuchs schon früh beginnen zu trainieren. Unsere aktiven Mitglieder haben sich schon viel Mühe gegeben und eine anspruchsvolle Strecke gebaut, die in den nächsten Monaten sicherlich noch verändert und erweitert wird.“

Es bedurfte erst einer Anfrage bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landkreis Jerichower-Land, bis der die Betreiber der nicht genehmigten Anlage anhören will. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) kennt zwar das Schild mit den Trainingszeiten, aber das dort am Rande des Ortes in der er selber wohnt eine illegale Sportanlage, die nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt werden muss, errichtet wurde, hat er nicht mitbekommen. Möglicherweise hat sich das ohnehin in der Behörde bislang nicht herumgesprochen. Auch sein Umweltdezernent, Bernd Girke, gibt sich schon seit mehr als 10 Jahren unwissend.

Für die Veranstaltung am vergangenen Wochenende hatte Girke seinen Mitarbeitern den diskreten Hinweis gegeben „FB7 Bitte möglichst Zustimmung, wie im Vorjahr. Bei Problemen R.“ es folgt sein Handzeichen. Der Hinweis steht auf dem Schreiben des ADAC Niedersachsen vom 31.03.2017, mit dem der sich die 24 Int. ADAC Geländefahrt Burg genehmigen lassen hat. Der Verein, der sich durch Kahlfuß  vertreten lässt, will aber nicht die vorgeschriebene BImSchG-Genehmigung beantragen. Der Verein will sich mit einer „verkehrsrechtlichen Anordnung“ zufrieden geben.

Keine Einwände in Hinblick  auf ein Genehmigungserfordernis hat dann auch das eigentlich zuständige Sachgebiet Immissionsschutz.  Dass dort „irgendwelche“ Bestimmungen zu beachten seien, das scheint sich indes doch schon herumgesprochen zu haben. Die Lautsprecher sollen zum Boden geneigt werden und der Staub müsse in der Nähe von Wohnbebauung auf ein  Mindestmaß reduziert werden. Eine Geräuschkontrolle soll zu viel Lärm verhindern.

Burchhardt sieht unterdessen ohnehin kein Genehmigungserfordernis. Die Veranstaltung fände nur an drei Tagen statt und zwingende  Voraussetzung sei die Absicht des Betreibers mindestens an 5 Tagen im Jahr einen Motorsportbetrieb zu betreiben. Doch genau diese Voraussetzung hat der ADAC „erfüllt“. Das letzte Rennen fand am 13. und 14. August des vergangenen Jahres statt. Also eine Woche vor Ablauf der Jahresfrist.

In einem Eilverfahren auf Untersagung der Veranstaltung hat das Verwaltungsgericht in Magdeburg eine „Folgenerwägung“ vorgenommen und „… berücksichtigt, dass ein Großteil der Veranstaltungsteilnehmer aus In- und Ausland bereits mit Motorrädern angereist ist, teilweise über lange Distanzen. ...“ Das Rennen durfte durchgeführt werden. Offenbar mit schlechten Gewissen der Stadt- und Kreisoberen. Die haben sich nicht einmal auf der Eröffnungsveranstaltung zu Wort gemeldet. Beobachter wollen Bürgermeister und Landrat aber unter den Zuschauern gesehen haben.

Der Motorsportclub Burg (MSC) hat seine Internetseiten inzwischen gelöscht.  Landkreis, Stadt Burg und die Gemeinde Möser müssen sich nach dem Pressegesetz des Landes Sachsen-Anhalt innerhalb der nächsten Tage erklären. So soll Bürgermeister Köppen auch offenlegen, wer die Schotterung von Wegeanlagen finanziert hat und ob seine Verwaltung, die die Aufträge dazu erteilt hat, Vergleichsangebote eingeholt hat. Die Schotterung hat die Tochter eines Ratsherrn durchgeführt, die den Betrieb nach dem finanziellen Zusammenbruch von der Grundpfandgläubigerin über eine Zwangsversteigerung zurückgekauft hat.

Inzwischen lässt Landrat Steffen Burchhardt wissen: "Die Beantwortung ihrer Fragestellung bedarf etwas Zeit bzw. einer hausinternen Abstimmung. Insofern kann ich Ihnen eine Beantwortung im Laufe der nächsten Woche in Aussicht stellen.

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erschienen am: 2017-08-08 im europaticker

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