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Noch fließt der Belzbach in Dotzheim in seinem engen Steinkorsett starr und unansehnlich
am Rand des neuen „Haus der Vereine“ vorbei
Landeshauptstadt Wiesbaden: Belzbach wird mit Landesmitteln renaturiert

„Doch schon bald soll das Gewässer naturnah umgestaltet und von auentypischen Gehölzen begleitet werden“, erklärte Umwelt- und Verkehrsdezernent Andreas Kowol. Er nahm am Dienstag, 8. August, bei einem Vor-Ort-Termin einen Fördergeldbescheid in Höhe von rund 298.000 Euro von Staatssekretärin Beatrix Tappeser vom Hessischen Umweltministerium entgegen. Das Land Hessen trägt damit 85 Prozent der Gesamtkosten des Projekts, die bei 360.000 Euro liegen. Die Restsumme bringt die Stadt Wiesbaden auf.

Der Alte Ortskern von Dotzheim liegt rund drei Kilometer westlich des Wiesbadener Stadtzentrums an der Stelle, wo der Weilburger Bach als Belzbach aus der bewaldeten Talenge des Vordertaunus in das Taunusvorland eintritt und dessen Tal sich in südöstlicher Richtung bis zum Schlosspark Biebrich erstreckt, wobei der Gewässername hier als Mosbach bekannt ist. In der Gemarkung Dotzheim gruppieren sich eine Reihe von Großsiedlungen um den Ortskern: im Norden am Waldrand die Siedlung Kohlheck, im Südosten am Belzbach/Mosbach die Siedlung Talheim, südwestlich davon und höher gelegen die Siedlung Sauerland und schließlich westlich des Alten Ortskerns die Hochhaussiedlung Schelmengraben mit den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden. Da der Ortsbezirk Dotzheim den Nordteil der Gemarkung Schierstein einschließt, zählen auch der Nordteil der Siedlung Freudenberg im Südwesten und die Siedlung Märchenland im Westen zu Dotzheim. Im Norden umfasst der Stadtteil die bewaldeten Südhänge des Taunushauptkamms und reicht bis zur Stadtgrenze am Rheinhöhenweg. Hier liegt in Gipfelnähe der Hohen Wurzel mit 608 Meter der höchste Punkt sowohl Dotzheims als auch von ganz Wiesbaden.

Bereits im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens legte der Ortsbeirat Dotzheim Wert auf eine naturnahe Gestaltung und Integration des Belzbaches. So wurde die Maßnahme als Renaturierungsfläche im derzeit gültigen Bebauungsplan „Im Wiesengrund-Bürgerheim Dotzheim“ festgesetzt. Mit dem Zugewinn an Raum soll der Belzbach schneller regenerieren und zugleich das Landschaftsbild im Belzbachtal verbessern.

Das Konzept für die ökologische Aufwertung des Baches auf einer Länge von 180 Metern wurde vom städtischen Umweltamt erarbeitet. Es sieht einen zehn Meter breiten Uferstreifen auf der Nordseite des Gewässers vor. Derzeit ist die Sohle des Belzbaches befestigt und auf beiden Seiten mit einer eineinhalb Meter hohen Ufermauer eingefasst.

„Die Bepflanzung des Ufers sowie ein variables Gewässerprofil sollen dem Bach wieder ein dynamisches Erscheinungsbild verleihen, zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten und dabei im Einklang mit der angrenzenden Bebauung stehen“, erklärte Kathrin Hartfiel, im Umweltamt für den Schutz und die Bewirtschaftung der Gewässer zuständig.
Das Vorhaben wurde mit dem Regierungspräsidium Darmstadt abgestimmt, das auch die Förderfähigkeit und die Einhaltung der Kriterien der europäischen Wasserrahmenrichtlinie feststellte.

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser übergibt Förderbescheid in Höhe von 297.440 Euro an den Wiesbadener Umweltdezernenten Andreas Kowol

„Naturnahe Flüsse und Bäche verbinden Hochwasserschutz und Naturschutz. Sie sind Hotspots der Artenvielfalt und wichtig dafür, dass Arten auch bei sich ändernden klimatischen Bedingungen überleben können“, so Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser bei der Übergabe eines Förderbescheids in Höhe von 297.000 Euro für die Renaturierung des Belzbachs an den Wiesbadener Umweltdezernenten Andreas Kowol. Insgesamt liegen die Kosten für die Renaturierungsmaßnahme bei 366.220 Euro. „Das Land unterstützt die Kommunen bei der Renaturierung in großem Umfang. Gelungene Renaturierungsmaßnahmen wie am Belzbach zeigen, dass sich der Einsatz lohnt und können andere Kommunen motivieren, aktiv zu werden“, erklärte Dr. Beatrix Tappeser.

In Wiesbaden Dotzheim soll der Mosbach, in diesem Bereich Belzbach genannt, naturnah umgestaltet werden. Ganz konkret bedeutet das, den bisher gradlinig, in einem Kastenprofil und umschlossen von einer 1,30 Meter hohen Ufermauer, verlaufenden Bach zurück zu einem natürlichen Lauf zu verhelfen. Dazu wird der Bach in einem rund zehn Meter breiten Streifen mit Überflutungsflächen angelegt, die nördliche Ufermauer wird abgebrochen, die Uferneigung flacher und die Uferfläche abwechslungsreicher gestaltet.

Ziel des Projektes ist es, eine Verbesserung der Gewässerstrukturgüte zu erzielen, dafür wird auch die teilweise aus Beton bestehende Sohle des Baches gegen eine naturnahe Sohle aus Taunusquarzit ausgetauscht. Das naturnahe, breitere Bachbett sorgt dafür, dass sich die Fließgeschwindigkeit des Belzbaches verringert. Das langsamer fließende Wasser bietet für standorttypische Pflanzen die Möglichkeit, sich wieder anzusiedeln und schafft so für die Fließgewässerlebewesen einen natürlichen Lebensraum.

Der Bereich des Belzbachs, welcher südwestlich hinter dem neu errichtetem „Haus der Vereine“ verläuft, macht das Renaturierungsprojekt auch öffentlich zugänglich und sichtbar. Durch das neue Gebäude sind die Freizeitaktivitäten auf dem Gelände gestiegen. „Es ist besonders wichtig, dass sich auch die Öffentlichkeit einen Eindruck von dem Projekt machen kann und somit ein Beitrag zum Umweltbewusstsein und zur Umweltbildung geleistet wird“, so die Staatssekretärin.

Hintergrund

Der Mosbach, der im Oberlauf zunächst „Weilburger Bach“ und später auch „Belzbach“ genannt wird, entspringt am Taunuskamm östlich von Schlangenbad und durchfließt die westlichen Stadtteile Wiesbadens. Nach gut 14 Kilometern Fließstrecke mündet er als „Mosbach“ südlich des Biebricher Schlossparks in den Rhein. Während der Oberlauf naturnah ist, ist seine Gewässerstruktur innerorts stark bis vollständig verändert. In den letzten Jahren wurden bereits mehrere Renaturierungsmaßnahmen am Bach durchgeführt - beispielsweise wurde aus dem Landesprogramm 2013 die Renaturierung des Mosbachs im Biebricher Schlosspark bewilligt. Die biologische Gewässergüte des Mosbachs hat sich dadurch bereits deutlich verbessert, der ökologische Zustand des Mosbachs ist aber in der Gesamtbewertung noch immer schlecht. Durch die neue Renaturierungsmaßnahme die Teil des Wasserrahmenrichtlinien-Maßnahmenprogramms ist, wird die Gewässerökologie des Mosbachs in Dotzheim deutlich verbessert und ein Schritt hin zum von der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie geforderten „guten ökologischen Zustand“ erreicht.

Mehr Informationen zu Renaturierungsprojekten: https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/broschuere_wrrl_internet_lowres.pdf 

Nach der Sommerpause wird die Baumaßnahme ausgeschrieben und die Umsetzung beauftragt. „Das Belzbachprojekt ist nur eines von vielen vorangegangenen Projekten in Wiesbaden, das mit Hilfe von hessischen Fördergeldern realisiert werden kann. Bereits erfolgreich abgeschlossen wurden etwa Maßnahmen am Wickerbach, Rambach und Mosbach“, so Kowol abschließend.

erschienen am: 2017-08-08 im europaticker

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