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Mair: Erwarte mir zusätzlich ökologische Sanierung des bestehenden alten Kraftwerks
Zusätzliche Umwelt-Auflagen für Ausbau von Kraftwerk Sellrain-Silz

Die TIWAG plant die Erweiterung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz um das Pumpspeicherkraftwerk Kühtai. Das Bundesverwaltungsgericht hat für den Ausbau des Kraftwerks Sellrain-Silz zusätzliche ökologische Auflagen erteilt. So sind beispielsweise die Mieminger und Rietzer Innauen in einen besseren ökologischen Zustand zu versetzen sowie die Mündungen von Herztalbach und Pettnauer Gießen fischpassierbar zu gestalten. Und als Kern der Auflage sind 2,5 Hektar Ersatzflächen für Moore zu schaffen. Volle Revision gegen das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichtes ist jedenfalls für zulässig erklärt worden und ist auch zu erwarten.

Die Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz der Tiroler Wasserkraft AG ist ein bei Silz westlich von Innsbruck gelegene Anlage aus der Gruppe der Pumpspeicherkraftwerke zur Erzeugung von Spitzenlast, welche aus den beiden Speicherseen Finstertal und Längental sowie den Kraftwerken Kühtai und Silz besteht. Über Bachläufe in den Speicher Längental transportiertes Wasser kann im Kraftwerk Kühtai in den höher gelegenen Speicher Finstertal gepumpt werden, wodurch es an Höhenenergie gewinnt, welche zu den Hauptbedarfszeiten wieder nutzbar gemacht werden kann, indem Wasser zuerst in den Speicher Längental und anschließend durch im Felsmassiv verlegte Leitungen mit einem Höhenunterschied von über 1250 Metern in das Kraftwerk Silz geleitet wird, wo es mit hoher Geschwindigkeit Turbinen antreibt.

2009 reichte die TIWAG die Projektunterlagen zur Genehmigung bei der UVP-Behörde ein, im Juni 2016 wurde von der UVP-Behörde beim Land Tirol der positive Bescheid in erster Instanz ausgestellt. Jetzt hat das Bundesverwaltungsgericht (BVwG) in Wien in zweiter Instanz seine Erkenntnis über die Änderung des UVP-Genehmigungsbescheids übermittelt und damit grundsätzlich grünes Licht für den Ausbau gegeben.

„Wir freuen uns, dass das Erkenntnis des Bundesverwaltungsgerichtes die rechtskräftige Genehmigung des Vorhabens bestätigt – damit haben wir den nächsten Schritt zur Realisierung des Ausbauprojektes SKW Kühtai gemacht“, betont TIWAG-Vorstandsdirektor Johann Herdina: „Zunächst gilt es für uns, die Inhalte und Details der übermittelten Unterlagen eingehend zu studieren und zu prüfen. Mögliche weitere Schritte bedürfen darüber hinaus in jedem Fall der Genehmigung der sozietären Organe der TIWAG.“

Seitens des Bundesverwaltungsgerichts wurden weitere Auflagen formuliert, die unter anderem am Inn zwischen Stams und Rietz eine Revitalisierungsmaßnahme vorsehen und weiters die Mündungspassierbarkeit des Herztalbaches und des Leiblfinger/Pettnauer Gießen betreffen. Zusätzlich wird eine Ersatzmaßnahme im Umfang von 2,5 ha für den Verlust von Feuchtlebensräumen vorgeschrieben.

Wertvolle Ausgleichs- und Regelenergie

Seit der Eröffnung der Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz 1981 produzieren die Kraftwerke Kühtai und Silz mit den beiden Speichern Finstertal und Längental jährlich 450 Gigawattstunden (GWh) sauberen und CO2-freien Strom aus natürlichem Zufluss. Zur besseren Nutzung der Wasserkraft plant die TIWAG den Ausbau dieser Kraftwerksgruppe um ein Speicherkraftwerk, das im Wesentlichen aus drei Anlagenteilen besteht: dem neuen Speichersee Kühtai, dem Pumpspeicherkraftwerk Kühtai 2 und dem Beileitungsstollen, über den Wasser aus dem Stubai- und dem Ötztal zum Speicher geführt wird. Mit Hilfe des neuen Speichers wird die Wasserspeicherkapazität der Bestandsanlage um rund 50 Prozent erhöht.

Mit flexibler Stromerzeugung je nach Bedarf kann wertvolle Ausgleichs- und Regelenergie bereitgestellt werden, um schwankende Erzeugungsbeiträge aus Wind- oder Sonnenenergie im Sinne der Netzstabilität auszugleichen.

Für die Grünen zeigt sich, dass das ursprüngliche Projekt ökologisch nicht ausreichend verträglich war. „Das Bundesverwaltungsgericht hat zu einer zusätzlichen Ökologisierung des Projektes beigetragen. Ich habe aber noch weitere Erwartungen“, reagiert der Grüne Klubobmann Gebi Mair. „Ich erwarte mir vom Projektbetreiber auch eine ökologische Sanierung des bestehenden alten Kraftwerks. Das bedeutet beispielsweise, mehr Wasser im Alpeiner Bach im Stubaital zu belassen.“

Im Koalitionsprogramm der schwarzgrünen Landesregierung ist festgehalten, dass vor einem Ausbau des Kraftwerks Sellrain-Silz jedenfalls eine ökologische Sanierung der bestehenden Anlage zu erfolgen hat. „Ich erwarte nun Vorschläge der TIWAG, wie die Verbesserung der Ökologie des bestehenden Kraftwerks geschehen kann“, stellt Gebi Mair eine klare Forderung an die TIWAG. Am kommenden Dienstag wollen die Tiroler Grünen zudem die Begutachtung von Tabustrecken für den Kraftwerksbau in der Tiroler Landesregierung starten.

erschienen am: 2017-08-08 im europaticker

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