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Modellforschung führt Geistes- und Technikwissenschaft zusammen – Gesellschaftliche Dimensionen
der Energiewende im Fokus
VolkswagenStiftung fördert Projekt zur Modelltheorie

Modelle sind die Grundlage für politische und gesellschaftliche Entscheidungen. Was Viele nicht wissen: Außer Zahlen und Fakten fließen hier oft auch unbewusst Ideologien und Haltungen ein. Das interdisziplinäre Projekt „Literaturforschung und Energiewende – Entwicklung und Applikation einer literarischen Modelltheorie“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) und des KIT untersucht auf Basis einer literaturwissenschaftlichen Modelltheorie Modellierungen aus der Energietechnik. Die VolkswagenStiftung fördert das nun startende Projekt mit 940.000 Euro.

Modellierungen gibt es in jeder wissenschaftlichen Disziplin. Sie helfen aktuelle Entwicklungen zu verstehen, Zukunftsszenarien zu gestalten und die Folgen unseres Handelns abzuschätzen. Eine übergreifende Theorie, welche die Stärken von Modellen aus unterschiedlichen Fachrichtungen zusammenführt, gibt es bislang nicht. Ziel des Verbundprojektes ist es deswegen, eine literaturwissenschaftliche Modelltheorie zu entwickeln, die nicht nur Ausgangspunkt für die Überprüfung von Narrativen – sinnstiftenden Erzählrahmen – in technischen und naturwissenschaftlichen Modellen ist, sondern auch als neues Instrument in die Technikfolgenabschätzung einfließt.

„Uns interessiert, was die Menschen jenseits ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse bei der Modellentwicklung antreibt“, erklärt Professor Veit Hagenmeyer, Leiter des Instituts für angewandte Informatik (IAI) am KIT. Die Wissenschaftler aus den Bereichen Germanistik, Anglistik, Philosophie, Pädagogik, Informatik und Technikfolgenabschätzung wollen ihre Fachkulturen zusammenführen und analysieren, welche gesellschaftlichen Narrative, also persönliche Einschätzungen, Prägungen und Erwartungen oder auch Ideologien, in Modelle einfließen und welche Aspekte ein Modell mit beeinflussen, die über die eigentliche wissenschaftliche Fragestellung hinaus gehen.

„Modelle haben oft ein Eigenleben“, beschreibt der Informatiker das Phänomen, der die Karlsruher Anteile am Projekt koordiniert. In Kooperation mit dem Energy Lab 2.0 des KIT sollen bei einem Praxistest Modelle aus dem Bereich der Energieforschung mithilfe der neuen Modelltheorie hinterfragt und verbessert werden. Darüber hinaus wollen die Experten vom KIT auf der Basis der Projektergebnisse eine „hermeneutische Wende“ in der Technikfolgenabschätzung vorantreiben, die ein vertieftes Verständnis menschlichen Handelns ermöglichen soll. Hermeneutik ist die Lehre vom Verstehen – im engeren Sinne von Texten. Im weiteren Sinne, wie es innerhalb des Projektes angestrebt wird, die Lehre vom Verstehen von Inhalten und Quellen im Umfeld, in dem sie stehen.

Das Projekt „Literaturforschung und Energiewende – Entwicklung und Applikation einer literarischen Modelltheorie“ startet im August 2017. Die VolkswagenStiftung fördert es im Rahmen ihres Programmes „Offen für Außergewöhnliches“ für vier Jahre mit 940.000 Euro. Projektpartner sind das Englische Seminar und Germanistische Institut der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), das Institut für Angewandte Informatik (IAI) und das Institut für Pädagogik und Allgemeine Pädagogik (IBAP) des KIT.

Mehr Information:

http://portal.volkswagenstiftung.de/search/projectDetails.do?ref=93293 

https://www.uni-muenster.de/Philologie/aktuelles/pm/2017_volkswagenstiftung_foerdert_projekt_zu_literaturforschung_und_energiewende.html 

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT – Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

erschienen am: 2017-08-09 im europaticker

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