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Weiterhin eingeschränkter Verzehr von Grünkohl tolerabel 
Dortmund: PCB-Belastung im Envio-Umfeld

Die PCB-Belastung des Grünkohls lag im Jahr 2016 auf dem gleichen Niveau wie 2015. Auf der Basis seiner neuen Untersuchungsergebnisse hält das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) an der Verzehrempfehlung aus dem Vorjahr unverändert fest. Während für die Kleingartenanlagen Hobertsburg und Hafenwiese weiterhin der Verzehr von zwei Portionen (zusammen 500 g) selbstangebautem Grünkohl pro Woche aus gesundheitlicher Sicht tolerabel ist, sollte der Grünkohl aus der Kleingartenanlage Westerholz nur einmal in der Woche (eine Portion von 250 g) verzehrt werden.

Die  Räumungsarbeiten auf dem Betriebsgrundstück der insolventen Envio Recycling GmbH & Co. KG hatten am Montag (18.01.2016) begonnen. Beauftrag war die „Arbeitsgemeinschaft PCB-Sanierung ENVIO – Kluge-Heitkamp-Tredi“. Zuvor, am 15.01., war die Einrichtung der Baustelle mit Bauzäunen und Baucontainern sowie der ersten Schleuse abgeschlossen worden.

Nach Stilllegung der Entsorgungsanlage der Envio Recycling GmbH & Co. KG in Dortmund (2010) hatte die Bezirksregierung ein Sanierungskonzept für das Anlagengelände erarbeiten lassen. Die Sanierung wurde gegenüber denjenigen angeordnet, die nach Auffassung der Bezirksregierung ordnungsrechtlich in Anspruch genommen werden können. Durch zahlreiche verwaltungsgerichtliche Verfahren, die Insolvenz der Envio Recycling GmbH & Co. KG und die EU-weite Ausschreibung der Räumung hat sich die Sanierung verzögert. So musste vor der Ausschreibung noch die Teilräumung durch den Insolvenzverwalter Anfang 2014 abgewartet werden.

Im Jahr 2004 entstand aus einem Management-Buy-out aus dem ABB Konzern die Envio Group, die 2007 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Am 24. September 2007 erfolgten der Börsengang und die Aufnahme in den Entry Standard der Deutschen Börse.

Im Mai 2010 wurde der Betrieb in Dortmund von der Bezirksregierung Arnsberg geschlossen, da es als Hauptverursacher einer erhöhten PCB-Belastung umliegender Flächen verdächtigt wurde. Infolge eines anonymen Hinweises hatte die Bezirksregierung am 28. April 2010 Fegeproben durchführen lassen, bei denen eine 150fache Überschreitung der zulässigen PCB-Konzentration festgestellt wurde.

Im Juli 2010 erfolgte eine Umbenennung der Biogas-Sparte des Unternehmens in Bebra Biogas GmbH. Das Unternehmen heißt heute Aleia Holding AG und ist an der Hamburger Börse notiert. Ferner verlegte die Muttergesellschaft Envio AG ihren Sitz von Dortmund nach Hamburg. Teile des Konzerns, nämlich die für die Entsorgung der PCB-haltigen Geräte verantwortliche Envio Recycling-GmbH & Co. KG sowie die Envio Germany Geschäftsführungs-GmbH, gingen im Oktober 2010 in die Insolvenz. In Bezug auf die Umbenennung der Biogas-Sparte des Unternehmens vermutete der Chef des Bonner Finanzhauses, dass Teile der AG „ausgeweidet“ werden könnten, bevor ihre Werthaltigkeit im Rahmen eines Insolvenzverfahrens der AG den Geschädigten des Giftskandals zugutekäme.

Im Juni 2011 erhob die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage gegen Geschäftsführung und Betriebsleitung der Envio Recycling GmbH & Co. KG. Sie sollen von Mai 2006 bis Mai 2010 behördliche Vorgaben vorsätzlich verletzt haben und dabei unter anderem eine PCB-Kontamination ihrer Beschäftigten in Kauf genommen haben. Die Anklage erfolgte in vier Fällen, darunter Körperverletzung.

Den Verzehr von Kopfsalat und Endivie hatte das LANUV bereits nach den Untersuchungen aus dem Jahr 2011 als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Für Grünkohl ist nach Einschätzung des LANUV nach den Untersuchungsergebnissen für 2016 weiterhin ein lediglich eingeschränkter Verzehr tolerabel.

Das LANUV hat in 2016 wie im Vorjahr die Auswirkungen der PCB-Belastungen im Hafen-Umfeld in den Kleingartenanlagen Hafenwiese, Westerholz und Hobertsburg ermittelt. Zum Vergleich wurde wiederum ein Garten in Dortmund-Eving entsprechend untersucht. Dazu wurden Grünkohlpflanzen am 11. August 2016 ausgepflanzt am 17. November 2016 geerntet. Der Grünkohl wurde küchenfertig vorbereitet und anschließend als Mischprobe je Messpunkt auf Dioxine/Furane und PCB untersucht. Nach der Envio-Stilllegung hatte die PCB-Belastung der Nahrungspflanzen deutlich abgenommen.

Die Untersuchungen des Grünkohls werden auch in 2017 fortgesetzt. Da mittlerweile Referenzwerte für die Hintergrundbelastung in NRW vorliegen, wird zukünftig am Referenzmesspunkt 6 (Bereich Dortmund-Eving) kein Grünkohl mehr exponiert.

erschienen am: 2017-08-09 im europaticker

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