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Thüringens Zweifel am 3D-Grundwassermodell zur Verpressung von salzhaltigen Abwässer
aus der Kaliproduktion bestätigt
BUND: Genehmigung für K+S sofort zurücknehmen

Im Auftrag des Thüringer Umweltministeriums haben TLUG und externe Gutachter das 3D-Grundwassermodell überprüft. Es ist Grundlage der Genehmigung zur Verpressung von jährlich 1,5 Mio. Kubikmeter salzhaltiger Abwässer aus der Kaliproduktion in den Untergrund durch den Kalikonzern K+S. Das Gutachten bewertet der BUND Thüringen als wichtige Unterstützung in der Klage des BUND gegen die Ende 2016 vom Regierungspräsidium Kassel verlängerte Erlaubnis zur Verpressung von Salzabwasser in den Untergrund. Derzeit prüft das Verwaltungsgericht Kassel, ob es dem Stoppantrag des BUND folgt. Hätte der BUND mit seinem Stoppantrag Erfolg, müsste K+S die Verpressung vermutlich sofort einstellen.

Im Ergebnis wurden erhebliche Mängel festgestellt.

In der Bewertung wird u.a. aufgeführt, dass:

und dass das 3D-Modell nach wie vor nicht als kalibriert bewertet werden kann.

Fazit: Nach wie vor kann mit dem vorgelegten Modell die Ausbreitung des versenkten Salzabwassers im Untergrund nicht hinreichend prognostiziert und nachvollzogen werden. Modelltechnische Mängel bestehen weiter, so dass insgesamt eine Schädigung weiterer Grundwasserschichten und insbesondere eine Gefährdung der Trinkwassergewinnung aus dem Grundwasser nicht ausgeschlossen werden kann. Vor diesem Hintergrund hätte aus Sicht Thüringens eine weitere Versenkung nicht genehmigt werden dürfen. Gutachten

BUND: Genehmigung für K+S sofort zurücknehmen

Das Gutachten der Thüringer Fachbehörde bestätigt erneut die Unzulänglichkeit des von K+S entwickelten 3D-Modells. Bereits im März hatte das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) den Unbedenklichkeitsnachweis zur Verpressung salzhaltiger Abwässer als mangelhaft entlarvt. Der BUND Thüringen fordert, die Erlaubnis zur Verpressung salzhaltiger Abwässer sofort zurücknehmen.

„Das Gutachten der TLUG stärkt unserer Position erneut den Rücken“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Für uns ist nicht nachvollziehbar, wie das Regierungspräsidium Kassel überhaupt eine Erlaubnis zur weiteren Verpressung erteilen konnte. Die Entscheidung verstößt eindeutig gegen den „Besorgnisgrundsatz“ im Wasserrecht. Dieser verlangt, dass eine Erlaubnis nur erteilt werden darf, wenn die Verunreinigung von Trink- und Grundwasser sicher ausgeschlossen ist. Und das war zu keinem Zeitpunkt der Fall.“

Mit dem sogenannten „3D-Modell“ wurde seitens K+S ein komplexes Trinkwassermodell vorgelegt, das die Unbedenklichkeit der aktuellen Entsorgungswege nachweisen sollte. Doch ein solcher Nachweis konnte bis zum heutigen Zeitpunkt nicht erbracht werden. Das Gutachten der TLUG bestätigt jetzt die Bedenken des BUND: Das in den Boden verpresste Salzwasser steigt auf und birgt die Gefahr einer Verschmutzung des Grundwassers und einer Gefährdung der Trinkwasserversorgung.

Vogel: „Selbst bei einem sofortigen Stopp der Versenkung wird es zu einem weiteren Anstieg der Salzkonzentration im Grundwasser kommen. Schon in der Vergangenheit mussten Trinkwasserbrunnen in der Werra-Region stillgelegt werden. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen. Das scheint das Regierungspräsidium Kassel nicht wahrhaben zu wollen.“

Für Vogel steht fest: „Die Gutachten von TLUG und HLNUG belegen übereinstimmend, dass die aktuelle Erlaubnis für K+S jeglicher Grundlage der Unbedenklichkeit entbehrt und deshalb schnellstmöglich zurückgenommen werden muss. Wir werden alle, uns zur Verfügung stehenden, rechtlichen Mittel nutzten, um gegen diese Fehlentscheidung des Regierungspräsidiums Kassel vorzugehen. Und das gerade weil diese der früheren Zusage der Landesregierung, die Verpressung des Salzwassers aus Gründen des Grundwasserschutzes im Jahr 2015 zu beenden, widerspricht.“

Das Gutachten mit dem Titel "Begutachtung des numerischen 3D-Grundwasserströmungs- und Transportmodells im Werra-Kaligebiet" umfasst 116 Seiten und steht zum Nachlesen zur Verfügung:

Download: "Begutachtung des numerischen 3D-Grundwasserströmungs- und Transportmodells im Werra-Kaligebiet"

erschienen am: 2017-08-11 im europaticker

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