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Grundlagen für IVS werden kontinuierlich weiterentwickelt
Infrastrukturbetreiber setzen auf neue Formen des Verkehrsmanagements

Intelligente Verkehrssysteme (IVS) sind darauf ausgelegt, die Vernetzung aller Verkehrsträger organisatorisch und technisch zu unterstützen. Dabei geht es darum, die NutzerInnen des Systems mit exakten Informationen und Entscheidungsgrundlagen in Echtzeit zu versorgen, um die Auslastung der Infrastruktur zu optimieren und in Folge zur Steigerung der Effizienz, zu erhöhter Verkehrssicherheit und zur Schonung der Umwelt beizutragen. Verkehrsminister Jörg Leichtfried setzt auf ein ständig verbessertes Angebot qualitativ hochwertiger Dienste für alle IVS-NutzerInnen, wie aus dem vom Verkehrsminister vorgelegten Verkehrstelematikbericht 2017 ( III-416 d.B.) hervorgeht. Der Bericht, der in enger Zusammenarbeit mit den im IVS-Bereich tätigen Stakeholdern erstellt wurde, liefert einen umfassenden Statusbericht über die Umsetzung von IVS-Anwendungen auf nationaler wie auf internationaler Ebene.

Um intelligente Verkehrssysteme praxistauglich zu machen, bedarf es umfassender organisatorischer, technologischer und legistischer Grundlagen. Im Bereich der Gesetzgebung wurde in den letzten Jahren einiges zur Schaffung der rechtlichen Rahmenbedingungen getan, etwa mit dem IVS-Gesetz 2013 und dem Informationsweiterverwendungsgesetz (IWG).

Auch auf EU-Ebene wurden eine Reihe von Maßnahmen gesetzt, um intelligente Verkehrssystem zu fördern. Im November 2016 veröffentlichte die Europäische Kommission die Strategie zum Thema "Cooperative, connected and automated mobility". Ziel ist die Markteinführung von Diensten im Bereich kooperativer IVS (Cooperative Intelligent Transport Systems, C-ITS) auf breiter Ebene bis 2019. Solche Dienste sollen menschlichem Fehlverhalten im Verkehr entgegenwirken können und so Verkehrssicherheit, Effizienz und Komfort entscheidend erhöhen.

Intelligente Verkehrssysteme werden auch eine Rolle bei der Umsetzung der Pariser Klimaziele spielen. Die EU hat in mehreren Richtlinien festgelegt, dass durch den Einsatz neuer Technologien der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und vorhandene Infrastruktur intelligent genutzt werden soll. Gesammelte Geodaten und damit verknüpfte Dienste sollen durch die Schaffung einer Geodateninfrastruktur allen Mitgliedsstaaten zur Verfügung stehen.

Die Vision für ein intelligentes Verkehrssystem in Österreich ist im nationalen IVS-Aktionsplan dargestellt, der 2011 veröffentlicht wurde. Konkrete Ziele und Handlungsfelder sind im Maßnahmenkatalog definiert, der als lebendiges Dokument in den nationalen IVS-Aktionsplan eingegliedert ist und zusammen mit ihm veröffentlicht wurde. Er wurde 2014 erstmals überarbeitet.

Auf nationaler Ebene sind die ITS Austria Plattform, die Austria Tech GmbH, die Graphenintegrationsplattform (GIP) und die Verkehrsauskunft Österreich (VAO) dafür zuständig, Daten der Verkehrsinfrastruktur zu sammeln, zu verwalten und benutzerfreundlich Firmen und Privatpersonen zur Verfügung zu stellen. Die ITS Austria nimmt als gemeinwirtschaftliches Unternehmen im Eigentum des Bundes eine wesentliche Rolle in der Umsetzung des Gesamtverkehrsplans ein und kooperiert als neutraler Partner mit allen Playern im Mobilitätssystem.

Die Datenbank National Access Point (NAP) wurde in Umsetzung des IVS-Gesetzes entwickelt. Er ist seit Oktober 2016 verfügbar und ermöglicht den zentralen Zugriff auf Verkehrsdaten im unternehmerischen und privaten Bereich. Gemäß IVS-Gesetz ist seit Jänner 2014 auch eine von der Austria Tech GmbH betriebene IVS-Schlichtungsstelle operativ tätig, die Streitigkeiten bezüglich Diskriminierungsfreiheit und Qualität der Dienste außergerichtlich beilegen soll.

Infrastrukturbetreiber setzen auf neue Formen des Verkehrsmanagements

Das Verkehrsmanagement muss sich einem geänderten Mobilitäts- und Informationsverhalten anpassen. Hier ist in den letzten Jahren einiges geschehen. Datengrundlagen werden erweitert, Methoden zur Auswertung und Darstellung verfeinert. Auf verbesserten Daten bauen die Betreiber ganzheitliche und interoperable Managementsysteme auf. Die ASFINAG stellt beispielsweise seit 2015 alle verkehrsrelevanten Daten der Autobahnen und Schnellstraßen Österreichs im Format DATEX II auf einer Echtzeit-Datenschnittstelle im Internet zur Verfügung. Mit DATEX II Services AUSTRIA werden seit 2017 auch Informationen des untergeordneten Straßennetzes aufgenommen.

Das Korridorprojekt CROCODILE ist eine Kooperation von Verkehrsministerien, Straßenbetreibern und Verkehrsinformationsbereitstellern, in dem Partner aus Zentral- und Südosteuropa bei der Optimierung des grenzüberschreitenden Güter- und Personenverkehrs mittels IVS-Anwendungen auf Autobahnen zusammenarbeiten. Ziel sind paneuropäische IVS-Lösungen.

Die Zukunft von Reiseinformationsdiensten ist grenzüberschreitend, hält der Verkehrstelematik-Bericht fest. NutzerInnen würden heute erwarten, dass Ihre Reiseinformation nicht an Betreiber-, Stadt-, Landes- oder Staatsgrenzen endet, sondern ein durchgängiger Informationsfluss auch über diese Grenzen hinweg gewährleistet wird. Während in Österreich mit der Verkehrsauskunft Österreich die innerösterreichischen Grenzen bereits überschritten wurden, widmen sich andere Projekte diesem Thema aus regionaler Sicht mit dem Ziel, den EndkundInnen grenzüberschreitende Reiseinformationen zur Verfügung zu stellen.

Ein Beispiel dafür ist das Modellprojekt FCD-Region ("Floating Car Data") in Salzburg zur Echtzeiterfassung von Bewegungsdaten. Trotz der Beendigung des Projekts im Dezember 2014 dient die Region noch immer als Testlabor in realer Umgebung. Die gewonnenen Daten werden für die Ermittlung der Echtzeit-Verkehrslage in den Bundesländern Salzburg und Tirol sowie die der angrenzenden bayrischen Landkreise genutzt. Die gemessenen Reisezeiten werden für die Analyse des Staurisikos und für Reisezeitvergleiche verwendet.

Im Schienenverkehr gibt es das Rail Emergency Management, das alle Abweichungen vom normalen Zugbetrieb aufzeichnet. Um den Informationsfluss zu den KundInnen zu verbessern, wurde ein Störinformations-Tool (SFIT) entwickelt. Videoüberwachung im Bahnbereich der ÖBB soll Daten zur Fahrgastanzahl und auch zur Steigerung der Sicherheit beisteuern. Mit einem Investitionspaket verbessern die ÖBB, das bmvit und drei Mobilfunkbetreiber den Ausbau der Mobilfunknetze entlang der wichtigsten Bahnstrecken.

Ein sich veränderndes Mobilitätsverhalten erfordert die innovative Verarbeitung von Verkehrsdaten. Ein Beispiel, wie auf den Wandel einer digitalisierten Gesellschaft reagiert wird, ist "FLOW", ein Gemeinschaftsprojekt der Firma Xebris mit Ö3, das basierend auf Echtzeitmessungen von Verkehrsdaten eine bessere Verkehrsinformation zur Erhöhung der Verkehrssicherheit ermöglicht.

erschienen am: 2017-08-12 im europaticker

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