europaticker:
Bürger fragen, Behörden antworten nicht
Wie kommt die künstliche Fahrrinne in das Juister Watt?

Bei Google Earth ist sie deutlich zu sehen: Wie mit dem Lineal gezogen zieht sich eine gerade Linie durch das Wattenmeer und „Weltnaturerbe“ hinter der Nordseeinsel Juist, aus 18 Kilometer Höhe gut zu erkennen, ca. 3 Kilometer lang. Das sagt etwas über die tatsächlichen Ausmaße aus. Der Wattenrat erhielt Hinweise von der Insel, dass diese Linie eine künstlich geschaffene Fahrrinne in der strengsten Schutzzone des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer sei. Da das Juister Watt durch Baggergutverklappungen (im „Weltnaturerbe“!), Wasserbaumaßnahmen und Strömungsverlagerungen verschlickt, kommt  es in der natürlichen Fahrrinne nicht selten zur „Grundberührung“ mit Wartezeiten für den Schiffsverkehr. Daher soll eine Reederei mit ihren Frachtschiffen und am Heck angebrachten Dalben (große Holzbalken) eigenmächtig eine neue Fahrrinne von West nach Ost durch das Watt gepflügt haben, die auch die Wege für die Schiffe verkürzt.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer besteht seit 1986 und umschließt die Ostfriesischen Inseln, Watten und Seemarschen zwischen Dollart an der Grenze zu den Niederlanden im Westen und Cuxhaven bis zur Außenelbe-Fahrrinne im Osten. Der Nationalpark ist etwa 345.800 ha groß.Die Nationalparkverwaltung befindet sich in Wilhelmshaven. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gehört zusammen mit dem Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, dem Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer, dem dänischen Nationalpark Vadehavet und dem niederländischen Wattenmeer zum UNESCO-Weltnaturerbe.

Zu schützende Lebensräume dieses Nationalparks sind unter anderem das Watt, Sandbänke, Salzwiesen, Strände, Dünen und Flussmündungen in die Nordsee. Besonderes Augenmerk gehört dabei der für das Wattenmeer typischen Fauna und Flora.

Die Küste der Nordsee ist ungewöhnlich flach. Der Meeresboden fällt teilweise nur wenige Zentimeter pro Kilometer ab. Zweimal täglich trägt die Flut Sand, Ton und Schluff in das Gebiet des Wattenmeeres. Dünen kennzeichnen die Küste, die der Wind aus den feinen Sandkörnchen aus dem bloßgelegten Watt aufbaut.

Das Wattenmeer ist nach dem Tropischen Regenwald das zweitproduktivste Ökosystem – nur dieser übertrifft das Wattenmeer an lebendiger Biomasse. Die im Wattenmeer zu findenden Lebensformen umfassen Kieselalgen, Schnecken, Würmer, Muscheln und Garnelen. Ein typischer Bewohner des Sandwatts ist der Wattwurm, der in einer u-förmigen Röhre unter der Wattoberfläche lebt.

Bis zu 4.000 Tier- und Pflanzenarten sind auf den ungewöhnlich nahrungsreichen Lebensraum Wattenmeer spezialisiert. So leben beispielsweise Brandgänse von den Wattschnecken, die zu Hunderttausenden auf der Wattoberfläche zu finden sind. Die etwa 180.000 Vögel zählende nordwesteuropäische Brandgans-Population verbringt außerdem ihre Mauserzeit zwischen Juli und September im Wattenmeer. Auch etwa 200.000 Eiderenten verbringen hier ihre Mauserzeit; etwa 1.000 Eiderentenpaare nutzen das Watt der Nordsee als Brutgebiet. Die meisten davon brüten auf der Insel Amrum.

Gleichzeitig ist das Wattenmeer Rastgebiet für Brutvögel nordischer Länder, die sich hier die Fettreserven anfressen, die sie für eine erfolgreiche Brut benötigen. So finden sich im gesamten Wattenmeer etwa 10–12 Millionen Watvögel, Gänse, Enten und Möwen ein.

Auf den Sandbänken im Wattenmeer sind Seehunde zu beobachten und an das Wattenmeer grenzen Salzwiesen, Sandstrände und Dünen. Auf den Salzwiesen, die den Säbelschnäblern und Seeschwalben als Brutgebiet dienen, blüht im Sommer die Stranddistel und der Strandflieder. Typischste Pflanze der Dünen ist der Gewöhnliche Strandhafer, der mit seinem ausgedehnten Wurzelwerk die Dünen befestigt.

Am 27. April 2017, vor mehr als drei Monaten, fragte der Wattenrat bei der Nationalparkverwaltung nach, und hat bis heute keine Antwort erhalten. Die vom Wattenrat informierte Presse schweigt bisher. Das macht stutzig. Frage: Hat es inzwischen einen Ortstermin mit der Reederei und der Nationalparkverwaltung dazu gegeben, was sind ggf. die Ergebnisse? Immerhin, neben einer Ordnungswidrigkeit käme evtl. sogar eine Straftat in Betracht.

Bild: Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, Ruhezone (strengste Schutzzone) im „Weltnaturerbe“: Zwischen den beiden gelben Markierungen verläuft eine schnurgerade Linie, aus 18km Höhe gut zu erkennen. Das sagt etwas über die Dimension dieses Eingriffs aus: Es  ist eine künstliche Fahrrinne, die wie ein Kanal zwei natürliche Fahrwasser im Watt verbindet und die Fahrtzeiten verkürzt. Wie kommt diese Fahrrinne ins Watt? Foto (C): Google Earth, Markierung durch den Wattenrat Ostfriesland Titelbild: Muschelbank und Löffler im Juister Watt, 08. Aug. 2017, Foto (C): Eilert Voß Text: Unter Verwendung von WIKIPEDIA

Wattenrat-Schreiben sehen Sie hier:

An die
Verwaltung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer
Virchow Straße

Wilhelmshaven

27. April 2107

per Email (bitte die Anlagen beachten)

„Green Shipping“: Fahrrinne von Norddeich nach Juist, mögliche
eigenmächtige Fahrwasservertiefung durch die Reederei Norden-Frisia in
der Ruhezone des Nationalparks?


Sehr geehrte Damen und Herren,

am gestrigen Mittwoch, 26. April 2017, fand bekanntlich die Veranstaltung „Green Shipping“ in Norden statt. In der Ankündigung und heutigen Berichterstattung im Ostfriesischen Kurier/Norden wird deutlich, dass es um das „Weltnaturerbe im Spannungsfeld von Naturschutz und wirtschaftlicher Nutzung“ und auch um die „Vereinbarkeit von Naturschutz und Schifffahrt im empfindlichen Ökosystem Wattenmeer“ ging, also nicht mehr ganz so frische Themen. Diskussionsteilnehmer war auch Carl-Ulfert Stegmann, Vorstand der Reederei AG Norden-Frisia, die die Fahrgastschiffe zu den Inseln und Frachtschiffe als Inselversorger betreibt.

Bekanntlich verschlickt das Juister Watt, möglicherweise auch durch die Baggergutverklappungen im „Weltnaturerbe“, und hat dadurch Auswirkungen auf die Leichtigkeit des Fähr- und Frachtverkehrs. „Dem Vernehmen nach“ soll die Reederei Norden-Frisia schon in „Eigenregie“ Maßnahmen ergriffen haben, um den Frachtverkehr von Norddeich nach Juist „flüssiger“ zu gestalten, in dem an die Frachtschiffe „Frisia VII“ und „Frisia VIII“ am Heck große Dalben angebracht wurden, die bei jedem Befahren eine Rinne durch das Wattenmeer ziehen. Eine künstliche Rinne ist auf dem Satellitenbild von Google-Earth deutlich zu sehen (Anlage .jpg). Diese Rinne befindet sich in der strengsten Schutzzone des Nationalparks, in der Ruhezone. Möglicherweise ist das nicht der einzige „neue“ Schifffahrtsweg durch das Wattenmeer. Diese Maßnahmen hätten also mit „grünen Schiffskonzepten“ wenig gemeinsam.

Unabhängig von den Vorschriften des Nationalparkgesetzes ist das Wattenmeer bekanntlich auch ein „gesetzlich geschützter Bioptop“ nach § 30 BNatSchG.

Ich rege daher an, den geschilderten Sachverhalt zu prüfen und bitte um gelegentliche Rückäußerung in der Sache.

Mit freundlichem Gruß

Manfred Knake

Kopie: Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Emden

erschienen am: 2017-08-13 im europaticker

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zu dem Beitrag:
Ihre Meinung ist uns wichtig!

Impressum (Kurzfassung):
EUROPATICKER mit den Magazinen: Umweltruf, Korruptionsreport und Green IT
Das Magazin mit Hintergrund aus der Entsorgungsbranche
Deutscher Presserat (ID-Nummer 3690)

Herausgeber Hans Stephani
Beratender Betriebswirt - Journalist - Autor
Blumenstr. 11, 39291 Möser
Telefon: 039222 - 4125 Telefax: 039222 - 66664
Der EUROPATICKER Umweltruf erscheint im 15. Jahrgang. Das Ersterscheinungsdatum war der 20. März 2000.

Für die Titel: EUROPATICKER, KORRUPTIONSREPORT und UMWELTRUF nehmen ich Titelschutz nach § 5 Abs. 3 MarkenG. in Anspruch.
Ich unterliege dem Presserecht des Landes Sachsen-Anhalt.
Verantwortlich im Sinne des Presserechtes und nach Telemediengestz (TMG) ist: Diplom-Betriebswirt Hans Stephani.

Anzeigenverwaltung:
EUROPATICKER - Verlag  GmbH, Eingetragen im Handelsregister des Amtsgerichts Stendal unter der Nummer B 2311, Geschäftsführer: Beatrix Stephani, Steuerliche Angaben: Finanzamt Genthin Steuernummer: 103/106/00739, Blumenstr. 11 D-39291 Möser Telefon: 039222 4125, Telefax: telefax@europaticker.de

    Zurück zum Nachrichtenüberblick                                    Diese Meldung ausdrucken