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Agrarminister Meyer: Niedersachsen verschärft die Kontrollen
Anwendung des Mittels Dega16 sollte den Behörden gemeldet werden
Schmidt wirft Niedersachsen Versäumnisse in Eierskandal vor

Im Fipronil-Skandal hat Bundesagrarminister Schmidt dem Land Niedersachsen schwere Versäumnisse vorgeworfen. Mehrere Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland berichten, dass vorhandene Informationen über verseuchte Eier wochenlang nicht weitergeleitet worden seien. Die Zeitungen berufen sich auf ein Schreiben Schmidts an seinen niedersächsischen Kollegen Meyer.

Schmidt verweist darin unter anderem auf einen Untersuchungsbericht aus einem der betroffenen niedersächsischen Produktionsbetriebe. Dort seien bereits Mitte Mai Fipronil-Rückstände festgestellt worden. Nach derzeitiger Kenntnis wurde in Belgien oder den Niederlanden illegal das Breitband-Insektizid Fipronil in das Stall-Desinfektionsmittel Dega16 gemischt. Niedersachsens Agrarministerium hat Legehennenbetriebe wegen belasteter Eier sperren lassen.

Vier niedersächsische Legehennenbetriebe mit positivem Befund des Insektizids Fipronil

In Niedersachsen ist mittlerweile bei insgesamt vier Legehennenhaltern das in Lebensmitteln nicht zulässige Insektizid Fipronil nachgewiesen worden. Alle Betriebe sind nach einem Anfangsverdacht bereits gesperrt. Die amtlichen Befunde wurden heute (Donnerstag) übermittelt. Agrarminister Christian Meyer sagte, damit erweise sich Niedersachsens Vorgehen, „umgehend schärfere Kontrollen von Betrieben und Eiern vorzunehmen als genau richtig. Von Entwarnung kann keine Rede sein."

Die Printnummern der aus niedersächsischen Betrieben stammenden und mit Fipronil belasteten Eier lauten wie folgt: 1-DE-0357731, 1-DE-0358001 sowie 0-DE-0360521. Diese Nummern sind bereits auf dem Portal www.lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Dort finden sich auch alle anderen bisher bekannten Printnummern von Eiern, in denen das Insektizid nachgewiesen wurde - im Wesentlichen Eier aus den Niederlanden mit dem Aufdruck „NL". Fipronil wird als Pflanzenschutzmittel verwendet, aber auch zur Bekämpfung von Flöhen und Zecken bei Hunden und Katzen. Als Arzneimittel ist es für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten. „Es gilt Nulltoleranz", so Meyer.

Nach derzeitigem Stand sind aus den Niederlanden über eine Packstelle in Nordrhein-Westfalen rund 1,3 Millionen möglicherweise mit Fipronil belastete Eier nach Niedersachsen gelangt. Hinzu kommen nun derzeit mehrere Zehntausende Eier aus Niedersachsen. Das niedersächsische Agrarministerium rät vom Verzehr der Eier ab und empfiehlt die Rückgabe. Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen Haut und Augen reizen sowie zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Schlimmstenfalls besteht das Risiko einer Schädigung von Organen. Besonders gefährdet durch einen Verzehr können Kinder sein.

Die nun positiv getesteten Betriebe in Niedersachsen befinden sich in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland. In drei der vier Fälle mit positivem Fipronil-Befund handelt es sich um Betriebe, in denen die Eier mit dem Insektizid kontaminiert waren. Im vierten Fall geht es um einen Hof mit Junghennen, in deren Gefieder das Fipronil entdeckt worden ist. Von den drei Betrieben mit positiv getesteten Eiern stand ein Hof bereits zuvor fest.

Dieser Legehennenhalter hat nach Meyers Worten „vorbildlich" gehandelt. Denn der Landwirt hatte sich vorsorglich bei den zuständigen Behörden gemeldet, da in seinem Betrieb das Mittel Dega16 durch einen niederländischen Dienstleister verwendet worden war. Dega16 ist ein auf Basis ätherischer Öle produziertes Stall-Desinfektionsmittel und deshalb für solche Zwecke auch zugelassen. Nun steht es nach Ermittlungen belgischer und niederländischer Behörden allerdings in dringendem Verdacht, unzulässig mit dem Breitband-Insektizid Fipronil vermischt worden zu sein, so dass es bei Reinigungsarbeiten von den Tieren aufgenommen werden kann und sich schließlich in den Eiern wiederfindet.

„Es deutet mittlerweile manches darauf hin, dass hier kriminelle Energie im Spiel ist", sagte Niedersachsens Agrarminister. „Nach derzeitigem Stand sind die Bauern unbescholten und vollkommen unschuldig in diese Notlage geraten." Meyer fügte hinzu: „Die Verantwortlichen für diese Gift-Panscherei müssen so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen und hart bestraft werden." Niedersachsen mit seiner enorm hohen Geflügeldichte stehe jedenfalls zu seiner Verantwortung. „Ich habe heute eine weitere Verschärfung der Kontrollen veranlasst", sagte Niedersachsens Agrarminister. „Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen verstärkt auch mit Eiern verarbeitete Produkte unter die Lupe nehmen."

Leider sei es aber auch so, „dass der Bund der mehrheitlichen Auffassung der Länder, entsprechend der Kennzeichnung von Frühstückseiern auch verarbeitete Eier-Ware zu klassifizieren noch keinen Deut nachgekommen ist. Hätten wir eine solche Kennzeichnung, wäre es bei Vorkommnissen wie jetzt viel einfacher, die Herkunft von Eiern zurückzuverfolgen", sagte Meyer. Der Agrarminister appellierte zugleich an die Legehennenhalter, „sich bei den Behörden zu melden, wenn die Betriebe Kontakt zu dem in Rede stehenden niederländischen Dienstleister oder dem Mittel Dega16 gehabt haben. Das würde die Aufklärung dieses Skandals erheblich erleichtern."

Die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten und den aktuellen Sachstand zu Fipronil in Eiern

„Im Moment herrscht bei vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern in Bezug auf den Verzehr von Eiern eine große Unsicherheit – auch wenn bisher keine direkte Gefahr für die Gesundheit besteht. Darum wollen wir die Bürgerschaft objektiv, verbrauchernah und verständlich informieren“, kommentierte Staatsekretärin Dr. Beatrix Tappeser das neue Angebot auf der Internetseite des Hessischen Verbraucherschutzministeriums. Auf dieser Seite können sich Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Sachstand und die Situation in Hessen informieren. „Es ist wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher  wissen, inwieweit der Fipronil-Skandal sie in ihrem Alltag betrifft“, sagte die Staatssekretärin.

Nach neuestem Stand der hessischen Lebensmittelkontrollbehörden sind mit Fipronil belastete Eier nicht mehr im Handel erhältlich. Auch in den hessischen Lege- und Masthennenbetrieben ist bisher kein Fipronil festgestellt worden. „Vor dem Hintergrund, dass der größte Teil der belasteten Eier aus Belgien und den Niederlanden zu uns nach Hessen kam, kann ich allen Verbraucherinnen und Verbrauchern nur raten, beim Einkauf auf regionale Ware zu setzen. Denn Nähe und Vertrauen zwischen Lebensmittelproduzenten und der Kundschaft ist die beste Grundlage für hohe Qualität und Sicherheit der Lebensmittel. Zudem stärkt dies die hessische Landwirtschaft“, so Dr. Tappeser.

https://umwelt.hessen.de/

https://umwelt.hessen.de/verbraucher/lebensmittelshysicherheit/rueckstaende-verunreinigungen/verbraucherinformationen-zu-mit

erschienen am: 2017-08-13 im europaticker

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