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Wiener Tierschutzverein fordert Dialog mit Tierschutzbewegung
Petrovic: „Entscheidungsträger haben wenig Ahnung von der Praxis“
Tierschutzgesetz: Ohne Mitsprache droht weiterhin Chaos

Eine Novelle der Novelle noch vor der Nationalratswahl? So lautet jedenfalls die jüngste Ankündigung des Gesundheitsministeriums zur Causa. Genaue Details, wie diese aussehen soll, wurden freilich noch nicht genannt. „Es ist zwar zu begrüßen, dass das Ministerium nun endlich aufgewacht zu sein scheint und Änderungen plant. Solange allerdings nicht die Expertinnen und Experten auf dem Gebiet, die Tierschutzbewegung, in die Gesetzgebung miteinbezogen werden, wird das Gesetz immer an der Realität vorbeigehen“, so Madeleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins (WTV). Daher fordert der WTV einmal mehr, das Tierschutzgesetz in Absprache mit denjenigen zu konzipieren, die es auch wirklich betrifft. „Ein Verkehrsgesetz ohne die Miteinbeziehung von Autofahrerclubs wäre undenkbar. Das muss auch für den Tierschutz gelten, wenn man wirklich eine Vorreiterrolle in Europa einnehmen möchte“, so Petrovic. Die aktuelle Erfahrung habe jedenfalls gezeigt, dass die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger offenbar keine Ahnung von der Praxis haben, so die WTV-Präsidentin.

 Missstände evident

Denn die Schäden, welche die verpfuschte Novelle seit Inkrafttreten am 1. Juli 2017 verursacht hat, sind mehr als evident. Ganz besonders, was das Verbot der Tiervermittlung für kleine Tierschutzvereine und Privatpersonen betrifft. Den Wiener Tierschutzverein erreichen täglich mehrere Anrufe über ausgesetzte Tiere aus sämtlichen Bundesländern. Auch aus Wien wurde gestern wieder ein Fall gemeldet, wo in einem inneren Bezirk ein Mann in der Nacht von Augenzeugen beobachtet wurde, als er vier Rassekatzen, die zusammen in einen Sack gepfercht waren, einfach mitten in der Stadt „freiließ“. Die verstörten Tiere stoben sofort davon, die städtische Tierrettung sowie das städtische Tierheim fühlten sich nicht zuständig. Der WTV arbeitet aktuell immer noch daran, die Tiere zu finden. Hinzu kommen noch jene Fälle ausgesetzter Tiere, die im WTV direkt bearbeitet wurden. Die Bilanz der letzten Wochen: 23 ausgesetzte Katzen, darunter 18 Jungtiere. Hinzu kommen auch noch so genannte Eigentümerabgaben von Jungtieren. „Eine derart hohe Zahl an ausgesetzten und abgegebenen Jungtieren hat es zuvor noch nicht gegeben und ist mit Sicherheit eine Folge des verpfuschten Gesetzes. In der Vergangenheit handelte es sich bei Welpen, die in den WTV kamen, ausschließlich um von den Behörden abgenommene und beschlagnahmte Tiere. Das kann so nicht weitergehen, denn irgendwann ist auch der Wiener Tierschutzverein als größtes Tierheim Österreichs voll“, so Petrovic.

Denn es braucht im Tierschutz das Zusammenspiel kleiner Vereine mit großen Vereinen und Tierheimen, um einen flächendeckenden und modernen Tierschutz zu praktizieren. „Und ohne Vermittlung und Kommunikation über das Internet spielt es das alles nicht“, sagt Petrovic.

Einladung zum „Lokalaugenschein“

Ein Dialog mit der Tierschutzbewegung sei daher dringend erforderlich. „Daher noch einmal: Ich lade die Gesundheitsministerin sowie sämtliche Tierschutzsprecher alle Parteien herzlich in den Wiener Tierschutzverein ein, um sich selbst ein Bild von der Lage und der täglichen Arbeit im Tierschutz zu machen. Vielleicht findet dann endlich ein Umdenken statt. Denn wenn die Regierung nicht hören will, müssen die Tiere leider weiter fühlen“, so Petrovic abschließend.

erschienen am: 2017-08-14 im europaticker

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