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Baden-Württemberg: Hoher Einfluss von Mini- und Teilzeitjobs sowie regionaler Branchenstruktur
Hohenlohekreis und Stuttgart mit höchster Arbeitszeit je Erwerbstätigem

Im Hohenlohekreis und im Stadtkreis Stuttgart arbeitet ein Erwerbstätiger mit durch­schnittlich jeweils 1 410 Stunden im Jahr landesweit am längsten. Am unteren Ende der Skala liegen die Landkreise Tübingen und Konstanz sowie der Stadtkreis Freiburg im Breisgau, in denen das Arbeitsvolumen je Erwerbstätigem lediglich zwischen 1 300 und 1 322 Stunden beträgt. Wie das Statistische Landesamt nach den neuesten Ar­beitsvolumen-Berechnungen des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bun­des und der Länder« auf Kreisebene für das Jahr 2015 feststellt, reicht in den Regionen die Spannweite von 1 384 Arbeitsstunden pro Erwerbstätigem in der Region Stuttgart bis 1 334 Stun­den in der Region Hochrhein-Bodensee. Der Landesdurchschnitt beträgt 1 366 geleis­tete Arbeitsstunden je Erwerbstätigem.

Auch wenn der Gedanke nahe liegt, sind die Unterschiede dieser pro Kopf geleisteten Arbeitsstunden keineswegs das Ergebnis eines regional unterschiedlich ausgeprägten Fleißes der Erwerbstätigen. Ausschlaggebend für die Zahl der geleisteten Arbeitsstun­den je Erwerbstätigem in den einzelnen Stadt- und Landkreisen ist vor allem der Um­fang an marginalen Be­schäftigungsverhältnissen wie Minijobs mit einer Verdienst­grenze bis 450 Euro und kurzfristigen Beschäftigungsverhältnissen (z.B. von Saison- oder Ferienkräften) sowie die Bedeutung der Teilzeitbeschäftigung. Je weniger Erwerbstätige in marginalen Beschäftigungsverhältnissen oder in Teilzeit arbeiten, desto höher ist das Arbeitsvolumen je Erwerbstätigem, da vergleichsweise viele Beschäftigte eine vertraglich hohe Arbeitszeit haben.

So arbeiten im Hohenlohekreis und im Stadtkreis Stuttgart, die landes­weit die höchste Arbeitszeit je Erwerbstätigen aufweisen, lediglich 25 bzw. 26 % aller Erwerbstäti­gen marginal oder in Teilzeit. In den Landkreisen Tübingen und Konstanz sowie im Stadtkreis Freiburg, den Kreisen mit den landesweit geringsten Pro-Kopf-Ar­beitsstun­den, liegen die Anteile der marginal und in Teilzeit Beschäftigten mit 37 bzw. 36 % dagegen spürbar höher. Tendenziell ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Teilzeit und der marginalen Beschäftigung umso ge­ringer, je stärker das Produzierende Gewerbe in einem Kreis ausgeprägt ist. Im Produzierenden Gewerbe wird nämlich häufiger in Vollzeit gearbei­tet. So be­trug der Anteil der Teilzeitbeschäftigten unter den sozialversicherungspflichtig Beschäf­tigten im Produzierenden Gewerbe landesweit lediglich 10 %, im Dienstleistungs­sektor war dieser dagegen mit 33 % mehr als drei Mal so hoch. In den Stadt- und Landkreisen reicht die Spanne beim Teilzeitanteil der sozialversicherungspflichtig Be­schäftigten im Produzierenden Gewerbe lediglich von 8 bis 14 %. Im Hohenlohe­kreis und im Landkreis Heilbronn mit sehr hohen Arbeitsvolumen je Erwerbstätigem ist daher ausschlaggebend, dass alleine 42 bzw. 43 % aller Erwerbstätigen im Produzierenden Gewerbe arbeiten, wäh­rend das Gewicht des Produzierenden Gewer­bes im Land­kreis Tübingen und im Land­kreis Konstanz mit entsprechenden Anteilen von 23 % bzw. 24 % nur etwa halb so groß ist. In den Stadtkreisen spielt dagegen das Produzierende Gewerbe wegen der Dominanz der Dienstleistungsbranchen als Arbeitgeber eine eher untergeord­nete Rolle. Krei­se mit den höchsten Arbeitsvolumen je Erwerbstätigem zeichnen sich durch vergleichsweise geringe Anteile an Teilzeitbe­schäftigten im Dienstleistungssektor aus. Die Gesamtspanne der Teilzeitanteile im Dienstleistungsbereich reicht bei den Kreisen insgesamt von 26 bis 42 %. Im Stadtkreis Stuttgart, der mit 81 % einen hohen Dienstleistungsanteil bei den Er­werbstätigen auf­weist, arbeiten lediglich 26 % der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor in Teil­zeit, in den Stadtkreisen Mannheim und Karlsruhe sind es 30 bzw. 29 %. In den Landkreisen Tübingen und Konstanz sowie im Stadt­kreis Freiburg im Breisgau am un­teren Ende der Skala lagen die Teilzeitquoten im Dienstleistungssektor mit 42, 36 und 38 % dagegen spürbar höher.

Schaubilder: Geleistete Arbeitsstunden je Erwerbstätigem in den Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs 2015

erschienen am: 2017-08-15 im europaticker

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