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BWIHK-Präsident Grenke: Standortfaktoren nur befriedigend
IHK-Umfrage zum Industriestandort BW

Die Unternehmen in Baden-Württemberg geben den Standortfaktoren in Schulnoten ausgedrückt insgesamt ein befriedigend“, fasst Wolfgang Grenke, BWIHK-Präsident und Präsident der in Industriefragen federführenden Industrie- und Handelskammer Karlsruhe das Ergebnis zusammen. Nach Auswertung der Rückmeldungen steht als Durchschnittsnote hier eine 3,2 zu Buche „Eine Drei kann mit Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich und die Herausforderungen der Zukunft natürlich nicht zufriedenstellend sein“, mahnt Grenke.

Zum Sorgenkind wird zunehmend die Breitbandanbindung, deren Bewertung einen sehr deutlich negativen Trend aufweist. Erreichte die Zensur 2008 noch einen Wert von 2,3, reicht es aktuell nur noch zu 3,8 – kein anderer Standortfaktor hat so stark eingebüßt. BWIHK-Präsident Grenke betont: „Für Industrie 4.0 und Digitalisierung müssen die strukturellen Rahmenbedingungen absolut stimmen. Der Ausbau der IT-Infrastruktur hinkt offensichtlich den Anforderungen der Betriebe deutlich hinterher. Der Breitbandausbau des Landes, vorzugsweise mit Glasfaser, muss deshalb zügig vorangetrieben werden. Grenke fordert weiter: „Die Verbesserung dieses Standortfaktors muss hohe Priorität haben, hier sollte sich die Landesregierung noch stärker engagieren.“ Die Industrie sei Antreiber und Impulsgeber der Wirtschaft in Baden-Württemberg, deren derzeitige Stärke nicht als Selbstverständlichkeit angesehen werden dürfe.  

Etwas besser werden die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung mit 3,0 und der eigenen Landesregierung mit 2,9 bewertet. Das Urteil zur Wirtschaftspolitik der Bundesregierung hat sich damit seit 2008 von einer guten vier auf eine glatte drei verbessert, während die Bewertungen zu Standortfaktoren im Durchschnitt etwa gleich blieben.

In der detaillierten Betrachtung einzelner Standortfaktoren zeigt sich, dass in Baden-Württemberg die Faktoren schlechte Noten erhalten, welche im weiteren Sinne in Verbindung mit Regulierung und Bürokratie zu sehen sind. Dazu gehören das Steuerrecht (Note 4,5), die Dauer und Komplexität von Planungs- und Genehmigungsverfahren (Note 4,1), die Höhe der Steuern und Abgaben (ebenfalls Note 4,1), die Effizienz der Behörden (Note 4,0) und die Energiekosten (Note 3,9). Deutliche Verschlechterung zeigen auch die Verfügbarkeit von Gewerbe-/Industrieflächen sowie die Verkehrsinfrastruktur. Dabei stellen schlecht bewertete Standortfaktoren auch ein Investitionshemmnis dar. 44 Prozent der befragten Unternehmen sehen eigene Investitionsvorhaben am Standort Deutschland beeinträchtigt. Trotz aller Kritik gibt es auch Faktoren, die Industrieunternehmen in Baden-Württemberg am Wirtschaftsstandort schätzen. Punkten können insbesondere Energieversorgungssicherheit (Note 2,3), Verfügbarkeit von Zulieferunternehmen/Dienst-leistern vor Ort (Note 2,4), Qualifikation von Fachkräften (Note 2,4) sowie die Vernetzung von Forschung/Hochschulen mit Unternehmen (Note 2,5).

„Um das Potenzial des Industriestandorts Deutschland besser zu nutzen, muss Politik die industriellen Standortfaktoren stärken – regional und national. Wichtig ist ebenso eine höhere Akzeptanz für den Industriestandort – insbesondere für den notwendigen Aus- und Umbau der Infrastruktur, aber auch für Produktion und neue Technologien allgemein. Erforderlich ist zudem eine Übereinkunft aller politischen Ebenen und Ressorts auf ein Glasfaser-Infrastrukturziel. Die aktuell sehr unterschiedlichen Ansätze von Bund, Ländern und Kommunen verunsicherten Investoren und führten zu Ineffizienzen bei der Regulierung und in der Förderpolitik. Auch die Grundstoffindustrie muss mit Blick auf die Energiekosten erhalten bleiben, denn integrierte Wertschöpfungsketten sind als Wettbewerbsvorteil nicht zu unterschätzen“, fasst Grenke die Erwartungen zusammen.

Die Industrie und unternehmensnahe Dienstleister werden von den IHKs um Beurteilung der Perspektiven am Standort Deutschland im 3-Jahres-Rythmus gebeten. Die aktuelle Befragung, an der rund 1.600 Unternehmen teilgenommen haben, fand im Mai 2017 deutschlandweit statt. 345 Feedbacks kamen dabei aus Baden-Württemberg.
Die vollständige Auswertung der Umfrage finden Sie unter www.karlsruhe.ihk.de, Dok.-Nr. 3812722.

erschienen am: 2017-08-17 im europaticker

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