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GRÜNE: Kritik an Verharmlosung des Problems durch die Landesregierung
Sulfatbelastung als Folge der Braunkohle

Die bündnisgrüne Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky warnt die Brandenburger Landesregierung davor, die Sulfatproblematik auf die leichte Schulter zu nehmen. „Erhöhte Sulfatwerte entlang der Spree sind mittlerweile zum Dauerzustand geworden, ohne dass eine nennenswerte Verbesserung der Lage stattgefunden hat. Wie die Landesregierung darauf reagieren will, ist immer noch offen“, kritisiert sie: „Nur weil öffentlich über die Folgen des Braunkohleabbaus diskutiert wurde und Probleme zutage getreten sind, ist die Debatte noch lange nicht dramatisiert worden.“

Kurt Augustin, der Abteilungsleiter für Wasser und Boden im Umweltministerium, hatte die Debatte um sauberes Wasser und der Sulfatbelastung Medienberichten zufolge als „dramatisiert“ bezeichnet. Sulfat solle demnach neuerdings wesentlich unbedenklicher sein, als noch vor Jahren angenommen wurde. Gleichzeitig warnt das Brandenburger Umweltministerium nach wie vor auf seiner Webseite: „Sowohl Erwachsene als auch Säuglinge bekommen bei zu hohen Sulfatgehalten des Wassers osmotische Durchfälle, Erwachsene bei weit über 1200 mg/l, Säuglinge bereits bei über 500 mg/l."

„Statt die Probleme kleinzureden, sollte die Landesregierung alle Fakten auf den Tisch legen und an Lösungen arbeiten. Doch genau dabei mauert die Landesregierung“, so Schinowsky. Bereits im Frühjahr 2016 wurde von der Landesregierung – unter Federführung des Brandenburger Landesbergamtes – die Erarbeitung eines Sulfatprognosemodells in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse aber unter Verschluss gehalten werden, so Schinowsky weiter. Ursprünglich sollten diese im Frühjahr 2017 vorliegen. Im April 2017 hieß es dann, frühestens im II. Quartal. „Es ist ein Unding, dass die Öffentlichkeit bis heute über die Untersuchungsergebnisse der Sulfatentwicklung im Unklaren gelassen wird“, kritisiert sie. Einer Studie des bundeseigegen Bergbausanierers LMBV zufolge stammen etwa 64 Prozent des Sulfats aus dem aktiven Bergbau und 36 Prozent aus den alten DDR-Tagebauen. „Bislang weigert sich die Landesregierung beharrlich, dem Bergbaubetreiber Auflagen zur Sulfatreduzierung aufzuerlegen“, sagt Schinowsky.

Nicht nur wegen möglicher Gesundheitsbeeinträchtigungen sollten die Sulfatfrachten eingedämmt werden, mahnen die Bündnisgrünen. Eine zu hohe Sulfatbelastung kann auch schnell finanzielle Kosten nach sich ziehen. Wasserwerke, die Trinkwasser aus dem Uferfiltrat der Spree beziehen, wie Berlin und Frankfurt (Oder), stünden bei zu hohen Sulfatwerten Umbaumaßnahmen ins Haus. Die Kosten dafür würden dann den Kunden auferlegt werden. Zudem wurde im März 2017 bekannt, dass der geplante Hafendamm am künftigen Cottbuser Ostsee mit sieben Millionen Euro wesentlich teurer wird, als die ursprünglich angekündigten 4,4 Millionen Euro. Hauptgrund ist die zu erwartende schlechte Wasserqualität durch hohe Sulfatwerte in dem Bergbaufolgesee. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) warnen zudem, dass bereits Sulfatkonzentrationen von 200 Milligramm pro Liter die aquatischen Lebensgemeinschaften empfindlich stören können.

Bergbaubedingte Wirkungen auf den Wasserhaushalt in Brandenburg

4. Gewässermonitoring des Landesamtes für Umwelt für den Parameter Eisen, Sulfat und ph-Wert in der Spree und den Spreezuflüssen

» Gewässermonitoring für biologische Qualitätsmerkmale
» Gemeinsames Messprogramm LfU und LBGR

Im Auftrag des Landesamtes für Umwelt (LfU) werden durch das Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) die Fließgewässer Brandenburgs physikalisch-chemisch untersucht. Diese Untersuchungen erfolgen 13 mal pro Jahr an den festgelegten Messstellen der Fließgewässer. Besonders belastete Fließgewässer hinsichtlich des Parameters Eisen sind die Spree, das Vetschauer Mühlenfließ, das Greifenhainer Fließ und die Wudritz.

Spree

Seit Juni 2008 werden auf Grund der hohen Eisen- und Sulfatbelastungen an den Pegeln Spree Zerre, Spree Spremberg Süd und Spree Wilhelmstal die Parameter Sulfat, Eisen gesamt, Eisen gelöst und pH-Wert in einer höheren Häufigkeit (26 mal pro Jahr) gemessen. Dieses Messprogramm wird seitdem weitergeführt. Es dient der Verbesserung der Datenlage und der Überwachung der Entwicklung. Die Auswertungen der Eisen- und Sulfatgehalte sind tabellarisch und in den Abbildungen dargestellt. Sämtliche Messstellen der Spree sind der Tabelle zu entnehmen.

Monitoring Landesamt für Umwelt - Spree:  Eisen gesamt (2013, 2014 und 2015Neues Fenster: Bild vergrößern
Spree - Eisen 2014, 2015 und 2016 mg/l
Monitoring Landesamt für Umwelt: Spree -   Sulfatkonzentrationen mg/lNeues Fenster: Bild vergrößern
Spree - Sulfatkonzentrationen mg/l

Vetschauer Mühlenfließ

Das Vetschauer Mühlenfließ wird oberhalb und unterhalb von Vetschau untersucht. Die Messstellen des Vetschauer Mühlenfließes sind der Tabelle zu entnehmen.

Vetschauer Mühlenfließ: Eisen (gesamt) im Jahresvergleich Neues Fenster: Bild vergrößern
Vetschauer Mühlenfließ: Eisen (gesamt) im Jahresvergleich 

Greifenhainer Fließ

Das Greifenhainer Fließ wird an den Messstellen Krieschow, Babow, Müschen und Nauendorf untersucht. Die Messstellen des Greifenhainer Fließes sind der Tabelle zu entnehmen.

Greifenhainer Fließ: Eisen (gesamt) im JahresvergleichNeues Fenster: Bild vergrößern
Greifenhainer Fließ: Eisen (gesamt) im Jahresvergleich

Wudritz (Ottergraben)

Die Wudritz wird an den Messstellen Wilmersdorf-Stöbritz und Ragow untersucht. Die Messstellen der Wudritz sind der Tabelle zu entnehmen.

Wudritz (Ottergraben): Eisen (gesamt) im JahreNeues Fenster: Bild vergrößern
Wudritz (Ottergraben): Eisen (gesamt) im Jahresvergleich

Als bergbauspezifische Belastung der Südzuflüsse zum Spreewald für das Jahr 2015 wurden in Karte 1: Gesamteisen, Karte 2: Sulfat und Karte 3: pH-Wert dargestellt.

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Gewässermonitoring des LfU für biologische Qualitätsmerkmale

Grafik Messnetz Biologisches Qualitätskomponenten des Landesamtes für UmweltNeues Fenster: Bild vergrößernFür die bergbaubeeinträchtigten Fließgewässer wurde durch das Landesamt für Umwelt ein biologisches Bergbaumonitoring erstellt, die Anzahl der Messstellen und die Häufigkeit der Untersuchungen wurden erhöht. Dieses biologische Monitoring Bergbau umfasst 73 Messstellen (siehe Übersicht und Lage der Messstellen), welche hinsichtlich der Module Fische, Makrozoobenthos und Diatomeen ab 2013 jährlich untersucht werden.

 

Weitere Informationen

Lausitzer Rundschau vom 18. August 2017 „Kurt Augustin: Sulfatdebatte wurde dramatisiert“

http://www.lr-online.de/regionen/spree-neisse/spremberg/Kurt-Augustin-Sulfatdebatte-wurde-dramatisiert;art1050,6164100

MLUL „Sulfat im Wasser - Fragen und Antworten“

http://www.mlul.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.431337.de

Antwort der Landesregierung vom April 2017 „Wann kommt das Sulfatprognosemodell“

http://heide-schinowsky.de/wp-content/uploads/2017/04/2017_04_07_10_57_10-Zeitplan-Sulfatprognose.pdf

Das Bild „Talsperre Spremberg – Vorsperre Bühlow“ kann kostenfrei verwendet werden unter Angabe der Quelle „ideengruen.de“ (300 dpi)

erschienen am: 2017-08-19 im europaticker

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