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Mehr als 5 Millionen Familien leben weltweit vom Kakaoanbau
Neue SÜDWIND-Studie zu alternativen Geschäftsmodellen im Kakaosektor

Doch nur wenige von ihnen verdienen mit dem Anbau von Kakao ein existenzsicherndes Einkommen. Derzeit spitzt sich die Situation für viele Bäuerinnen und Bauern im Kakaosektor sogar noch weiter zu: Der Kakaopreis ist dramatisch gesunken. Für die meisten Familien bedeutet dies ein Auskommen mit weniger als 1 Euro pro Kopf am Tag. Das SÜDWIND-Institut stellt daher heute eine weitere Studie über den Kakaosektor vor, in der untersucht wird, ob in anderen Sektoren bereits erprobte Geschäftsmodelle wie inklusive Geschäftsmodelle Vertragsanbau, Versicherungssysteme und flexible Prämien dazu genutzt werden können, um die Situation der Bäuerinnen und Bauern im Kakaosektor zu verbessern.

Durch den Preisverfall von Kakao wird die ohnehin weit verbreitete Armut verschärft und die Zahl der Menschenrechtsverletzungen im Kakaoanbau nehmen zu. „Da die meisten Kakaobäuerinnen und -bauern nicht organisiert sind und keine Verhandlungsmacht besitzen, sind sie nicht dazu in der Lage, innerhalb der Wertschöpfungskette Preise durchzusetzen, die existenzsichernde Einkommen garantieren.“ so Friedel Hütz-Adams, einer der Autoren der Studie. „Notwendig sind daher Geschäftsmodelle, die menschenrechtliche und ökologische Aspekte berücksichtigen und so einen nachhaltigen Kakaoanbau ermöglichen.“

Die SÜDWIND-Studie stellt innovative Marktmodelle für den Kakaosektor vor. Dabei werden die theoretischen Hintergründe von inklusiven Geschäftsmodellen, Vertragsanbau- und Versicherungssystemen sowie flexiblen Prämien dargelegt. Inklusive Geschäftsmodelle zielen auf die Beseitigung von Marktversagen und Ineffizienzen auf der Angebots- und Nachfrageseite ab und sind ein Mittelweg aus sozial-und markorientierten Ansätzen. Der Vertragsanbau ist eine Möglichkeit zur Risikominimierung für alle Beteiligten durch erhöhte Planungs- und Preissicherheit.

„Eine Möglichkeit, schnell Änderungen im Sektor einzuführen, sind flexible Prämien. Unternehmen könnten auf dem Preisverfall reagieren, indem sie mit Sonderprämien beim Einkauf von Kakao den Verlust der Bäuerinnen und Bauern ganz oder teilweise auffangen.  Vorteile und Nachteile des Systems müssen diskutiert und Erfahrungen innerhalb des Kakaosektors öffentlich gemacht werden“, so Hütz-Adams weiter.

Alle veränderten Geschäftsmodelle benötigen aber einen stabilen politischen Rahmen, innerhalb dessen sie agieren können. Unternehmen werden erst dann flächendeckend in eine nachhaltigere Kakaoproduktion investieren, wenn aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen die gesamte Branche aktiv wird. Daher sollten die Regierungen der Anbauländer einen Rahmen setzen, der für alle Unternehmen bindend ist. Innerhalb der Anbauländer sind transparente, stabile gesetzliche Rahmenbedingungen erforderlich, um langfristige Beziehungen zwischen Bäuerinnen und Bauern einerseits und den AbnehmerInnen von Kakao andererseits zu ermöglichen und zu fördern.

Die Studie wurde von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert.

erschienen am: 2017-08-21 im europaticker

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