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Handlungsbedarf besteht hinsichtlich der ordnungsgemäßen Trennung von Verpackungsabfällen und Wertstoffen
Brandenburg: Erste Ergebnisse der Hausmüll- und Bioabfallanalyse 2017 liegen vor

In der Zeit vom 04.07.-07.07.2017 fand die erste von zwei geplanten Sortieraktionen (Sommer, Winter) im Rahmen einer Hausmüllanalyse und einer Bioabfallanalyse in der Stadt Brandenburg an der Havel statt.

Die Sommer und Winteranalysen erfolgen in Umsetzung der geplanten Maßnahmen des kommunalen Abfallwirtschaftskonzeptes der Stadt Brandenburg an der Havel. Ziel ist es dabei, die Zusammensetzung des Hausmülls sowie des eingesammelten Bioabfalls zu bestimmen und insbesondere Fehlwürfe bei den Restmülltonnen wie z. B. Schadstoffe, Verpackungen, Organikanteil, Glas und bei den Biotonnen wie z. B. Plastik, Metalle, Glas, Mineralien, sonstige Störstoffe zu ermitteln.

Aus den Ergebnissen kann die Verwaltung wichtige abfallwirtschaftliche Maßnahmen ableiten.
Zu den einzelnen Maßnahmen zählen u. a. gezielte Öffentlichkeitsarbeit und Abfallberatung, Überprüfung und Durchsetzung des Anschlusszwanges an die Biotonne, Kontrolle des bereitgestellten Abfallbehältervolumens und die Kontrolle der Nutzung der Wertstoffsysteme.

Praktisch wurden am Entsorgungstag vor der regulären Abfuhr ausgewählte Restmülltonnen und analog ausgewählte Biotonnen in bestimmten Straßen zu einer Stichprobeneinheit zusammengefasst und separat sortiert. Die Straßen für die Probenahme wurden vorab aus je drei Strukturgebieten ausgewählt:

- Eigenheimgebiete
- Mehrfamilienhausgebiet
- Großwohnanlage

So wurde dann aus jedem Strukturgebiet 7 m3 Hausmüll (41 Sortierfraktionen) und 2 m3 Bioabfall (19 Sortierfraktionen) nach einzelnen Fraktionen und Störstoffen sortiert, gewogen und entsprechend ausgewertet. Die Durchführung erfolgte nach der Sortierrichtlinie des Landes Brandenburg. Die Hausmüllanalyse erfolgte zum dritten Mal nach den bereits durchgeführten Aktionen in den Jahren 1999/2000 und 2009/10, während die Bioabfallanalyse erstmalig durchgeführt wird.

2. Ergebnisse

2.1  Hausmüllanalyse

Im Hinblick auf die spezifische Hausmüllmenge und auch bezüglich des vorhandenen Organikanteils im Hausmüll hat sich eine positive Entwicklung ergeben:


2.1.1 Spezifische Hausmüllmenge in Kilogramm je Einwohner und Jahr

2009: 151 Kg/EW x a (laut Sommeranalyse) -
2017: 139,5 kg/EW x a (Rückgang der spezifischen Hausmüllmenge je Einwohner und Jahr*)

2.1.2 Störstoffanteile

Organikanteil im Hausmüll (= Falschbefüllung in der Hausmülltonne)
2009: 62,1 kg/EW x a
2017: 47,9 kg/EW x a  (positiv*, Rückgang des Organikanteils in der Restmülltonne um -12%)

*Inwieweit sich die positiven Resultate verfestigen, bleibt jedoch erst von der zweiten Sortieraktion im Winter abzuwarten.

Obwohl der ausgewertete Organikanteil im Hausmüll ein insgesamt positives Ergebnis erzielte, trugen hierzu insbesondere die geringeren Organikanteile aus den Eigenheimen und auch aus den Großwohnanlagen bei. Bei den Mehrfamilienhausgebieten hat sich hier eine geringfügige Verschlechterung ergeben, d. h. der Organikanteil im Hausmüll war sogar noch etwas höher als im Jahr 2009, was auf ein schlechteres Trennverhalten oder ein zu geringes bereitgestelltes Biotonnenbehältervolumen hindeutet.

Anteil an Verpackungen (= Falschbefüllung in der Hausmülltonne)
2009: 21,2 kg/EW x a
2017: 22,1 kg/EW x a

Anteil an sonstigen Wertstoffen (= Falschbefüllung in der Hausmülltonne)

2009: 15,6 kg/EW x a
2017: 15,9 kg/EW x a

Hingegen hat sich der Anteil von Verpackungen im Hausmüll und der Anteil an sonstigen Wertstoffen gegenüber der Analyse 2009 leicht erhöht, was auf ein schlechteres Trennverhalten schließen lässt.

2.2  Bioabfallanalyse

2.2.1 Spezifische Bioabfallmenge in Kilogramm je Einwohner und Jahr

Eigenheimgebiete                92,0 kg/EW x a
Mehrfamilienhausgebiete     43,3 kg/EW x a
Großwohnanlagen               20,4 kg/EW x a

Spitzenreiter sind hierbei die Eigenheimgebiete, wobei zu berücksichtigen ist, dass auf Grund der Jahreszeit Sommer der Anteil der Gartenabfälle hier ganz erheblich ausfällt*. Des Weiteren ist hierbei zu beachten, dass es sich nur um das Ergebnis von Biotonnennutzern handelt. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung der Stadt Brandenburg an der Havel ergibt sich derzeit ein spezifischer Anteil an Bioabfall von 26,5 kg/EW x a.

*Inwieweit sich die positiven Resultate verfestigen, bleibt jedoch erst von der zweiten Sortieraktion im Winter abzuwarten.

2.2.2 Störstoffanteile in Kilogramm je Einwohner und Jahr

Konkret führte die erstmalige Sommeranalyse der Biotonnen 2017 zu folgenden Resultaten:
Die Störstoffbefrachtung der Biotonnen über das gesamte Entsorgungsgebiet betrug:

Eigenheimgebiete                0,2 kg/EW x a = 0,5%
Mehrfamilienhausgebiete     1,3 kg/EW x a = 1,5%
Großwohnanlagen               1,2 kg/EW x a = 6,3%

Störstoffe Stadtgebiet gesamt 0,6/kg/EW x a  =  1,5%

Die Störstoffquote von 0,5 % im Bereich Eigenheime und die Störstoffquote bei den Mehrfamilienhäusern mit 1,5% kann als sehr gut eingeschätzt werden. Die höhere Quote bei den Großwohnanlagen bewegt sich laut Erfahrungen leider im Bereich des „Normalen Anteiles“. Hier sind noch intensive Bemühungen im Rahmen der Abfallberatung nötig.

Insgesamt kann man bei der Hausmüllanalyse und bei der Bioabfallanalyse vorerst von einem doch recht positiven Ergebnis ausgehen. Handlungsbedarf besteht in der weiteren Durchsetzung des Anschlusses an die Biotonne in Mehrfamilienhausgebieten, wo keine Eigenkompostierung erfolgt. Dies sollte durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet werden, so dass mehr Mieter und Mieterinnen sich an der Bioabfallsammlung beteiligen. Hier trat die größte Befrachtung der Hausmülltonnen mit Organikanteilen auf. Gleichfalls punktete dies Gebiet mit wenigen Störstoffen in der Biotonne, was den Schluss zulässt, dass diejenigen Mehrfamilienhausbewohner, die eine Biotonne haben, auch diese ordnungsgemäß befüllen.

Ebenfalls Handlungsbedarf besteht hinsichtlich der ordnungsgemäßen Trennung von Verpackungsabfällen und Wertstoffen.

Die entsprechenden weiteren abfallwirtschaftlichen Maßnahmen werden sukzessive und insbesondere nach abschließender Auswertung der Winteranalyse festgelegt und umgesetzt.

erschienen am: 2017-08-21 im europaticker

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