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Tiefbohrung in der Gemeinde Westheide - Grundlage für Entwicklung des Bergwerkes in den kommenden Jahrzehnten
Umweltschäden durch Versalzung: BUND fordert Beendigung der Haldenaufschüttung
K+S KALI GmbH: Erkundung Kalilagerstätte für Zukunftsplanung des Kaliwerkes Zielitz - Sachsen-Anhalt

Nach fast einjährigen Vorbereitungen haben am 22. August Bohrarbeiten zur Erkundung des westlichen Teils der Kalilagerstätte "Scholle von Calvörde" begonnen. Ziel ist, detaillierte Erkenntnisse über die gebirgsmechanischen und hydrogeologischen Verhältnissen in dem Teil der Lagerstätte zu gewinnen, in dem das Zukunftspotential für das Bergwerk liegt. Der BUND fordert K & S schon seit Jahren dazu auf, ein Konzept zu erarbeiten, bei dem auf weitere Haldenaufschüttung verzichtet wird und der Rückstand teils verarbeitet wird, teils in die entstandenen Hohlräume verbracht wird. Ein solches Konzept ist technisch und wirtschaftlich machbar.

Bei Zielitz befinden sich beidseitig der Bahnstrecke Magdeburg – Stendal die größten zusammenhängenden Kalirückstandshalden in Deutschland. An diesem Standort werden von der K & S Kali GmbH 40% der von ihr in Deutschland produzierten Kalimenge gewonnen, das sind ca. 5% der Kaliweltproduktion.  Der Anteil an KaCl im geförderten Rohsalz, das in erster Linie als Dünger verarbeitet wird, beträgt am dortigen Standort ca. 20%. Die übrigen 80% werden nur zu einem ganz geringen Teil verwertet und seit dem Beginn des Abbaubetriebes im Jahre 1973 aufgehaldet. Dieser Rückstand besteht zu > 93% aus wasserlöslichem NaCl (Kochsalz). Jährlich fallen ca. 10 Mio t Rückstand am Standort Zielitz an.

Tiefbohrung in der Gemeinde Westheide - Grundlage für Entwicklung des Bergwerkes in den kommenden Jahrzehnten

"Unsere bisherigen geologischen Kenntnisse über die Lagerstätte und das darüber liegende Deckgebirge stützen sich im Wesentlichen auf einige Bohrungen aus den 60er und 70er Jahren. Mit der jetzt begonnenen Bohrung wollen wir uns genauere Informationen verschaffen, um die Planung für die weitere Entwicklung des Bergwerkes in den kommenden Jahrzehnten abzusichern", erläutert Jörg Feldberg, Leiter Geologie des Kaliwerkes Zielitz.

Mit der Erkundungsbohrung werden die Gesteinsschichten im Deckgebirge und im Lagerstättenhorizont bis in eine Tiefe von ca. 550 Metern untersucht. Der Durchmesser der Bohrung beginnt mit rund 60 Zentimetern und verringert sich bis zur Zieltiefe in mehreren Schritten auf rund 15 Zentimeter. Die Anforderungen an die exakte Ausführung der Bohrung hinsichtlich Lage und Genauigkeit sowie an die umfangreichen geophysikalischen Untersuchungen sind hoch. Unter Einsatz modernster Verfahren werden Gesteinsproben genommen und Messungen innerhalb des Bohrlochs durchgeführt. Die Bohrung wird mit einer Verrohrung stabilisiert und abgedichtet. Der Abschluss der Erkundungsbohrung wird voraussichtlich Ende 2017 erreicht werden. Der Bohrplatz und alle Befestigungen werden danach zurückgebaut. Die Auswertung der Ergebnisse wird anschließend mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Die Lagerstättenerkundung ist Teil der Zukunftsstrategie, die Produktion hochwertiger Pflanzennährstoffe und Kaliumchlorid-Spezialitäten am Standort Zielitz bis mindestens Mitte dieses Jahrhunderts zu sichern und die damit verbundenen Wertschöpfungseffekte in der Region zu erhalten.

BUND fordert Beendigung der Haldenaufschüttung

Zur Ausbeutung des noch bis ca. 2043 reichenden Vorkommens will  K & S die Genehmigung beantragen, auch die dabei anfallende Rückstandsmenge von insgesamt 240 Mio t vollständig aufzuhalden. Dazu soll die Haldenfläche noch einmal fast verdoppelt werden: um 210 ha.  Die bisher genutzte bzw. genehmigte Haldenfläche beträgt 232,1 ha.  Mit dem dazu erforderlichen Planfeststellungsverfahren, mit dessen Eröffnung im Jahr 2015 zu rechnen ist, soll auch die Genehmigung zur Einleitung von zusätzlichem Salzabwasser in die Elbe erlangt werden, das sich aus Haldenwasser und dem zur Kaliabscheidung benötigtem Prozesswasser zusammensetzt, insgesamt 1,2 Mio m³/a.

Die vorgesehene Haldenfläche liegt in einem naturschutzfachlich hochwertigen Mischwald innerhalb des LSG „Lindstedt-Ramstedter Forst“ einschließlich des FFH-Gebietes „Bunker Dornberg“ (Fledermausüberwinterungsquartier). In diesem Waldgebiet befindet sich ein Seeadlerbrutplatz. 13 von 21 in Sachsen-Anhalt vorkommenden Fledermausarten sind hier nachgewiesen.

Neben den eintretenden Beeinträchtigungen für Natur – FFH- und artenschutzrechtlich – und Landschaft sind Risiken langfristiger  Umweltschäden nicht auszuschließen, in erster Linie in Form  einer Versalzung des Grundwassers und  umliegender Böden. Auch viele Jahrhunderte nach Einstellung der Kaligewinnung fallen weiterhin große Mengen Salzabwasser an durch Auswaschung der Abraumhalden bei Regen,   ca. 1 Mio m³/a. Es kann keine Sicherheit darüber geben, ob mittels der geplanten Basisabdeckung der  Halde das Eindringen von Salzwasser in den Untergrund und damit das Grundwasser dauerhaft verhindert werden kann. Als  Basisabdeckung unter der im Endzustand mindestens 200 m hohen Halde wird  eine 30 cm dicke Tonschicht projektiert. Logischerweise muss eine Beseitigung von in der Zukunft eintretender Umweltschäden auf Kosten der Allgemeinheit  geschehen, sofern sie überhaupt möglich ist, denn die Kaliausbeutung als nahezu einziges Geschäftsfeld von K & S  in Deutschland ist in wenigen   Jahrzehnten zuende in Folge Erschöpfung der Vorkommen.

Über die K+S KALI GmbH und das Werk Zielitz

Mit der Produktionsaufnahme im Jahr 1973 ist das Werk Zielitz das jüngste Kaliwerk in Deutschland. Als größter Einzelstandort der K+S KALI GmbH ist das Werk mit ca. 1.800 Beschäftigten, darunter etwa 130 Auszubildenden, einer der bedeutendsten Arbeitgeber und Ausbildungsbetriebe in Sachsen-Anhalt. Im Kaliwerk Zielitz werden nicht nur Düngemittel, sondern auch Vorprodukte für vielfältige technische und industrielle Anwendungen sowie Produkte für die Lebensmittelindustrie hergestellt. Diese produziert das Werk nach den hohen deutschen Umweltstandards und ist dabei dem Ziel einer nachhaltigen Kaliproduktion verpflichtet, die die Belange des Umweltschutzes in einem ausgewogenen Verhältnis zu den wirtschaftlichen Erfordernissen und der sozialen Verpflichtung zur Erhaltung der Arbeitsplätze sieht.

Weitere Informationen zum Kaliwerk Zielitz finden Sie unter www.kali-gmbh.com/werk-zielitz.

erschienen am: 2017-08-25 im europaticker

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