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Demonstration am Tagebau Hambach: "Rote Linie gegen Kohle"
Klima- und Umweltschützer fordern schnellen Kohleausstieg

3.000 Klimaschützer haben Samstag (26.08.2017) am Braunkohlentagebau Hambach eine „Rote Linie gegen Kohle“ gezogen, um damit ihre Forderung nach einem schnellen Kohleausstieg zu unterstreichen. Die Klimabewegung sendet damit ein starkes Signal aus dem Rheinischen Kohlerevier an die Politik in Bund und Ländern, sich dem Ausstieg nicht länger zu verweigern. Zu der Demonstration aufgerufen haben der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die BUNDjugend, Greenpeace, die Klima-Allianz Deutschland und der Naturschutzbund Deutschland. 

Der Tagebau Hambach ist der größte von der RWE Power AG zur Förderung von Braunkohle betriebene Tagebau. Er betrifft die Gemeinden Niederzier, Kreis Düren, und Elsdorf, Rhein-Erft-Kreis. Der Tagebau Hambach ist wegen seiner Umweltzerstörung, unter anderem des Hambacher Forsts, der einstmals größten Waldfläche Nordrhein-Westfalens, umstritten. Über 1000 Jahre alte Ortschaften wie Manheim müssen dem Tagebau weichen. Seit Oktober 2014 leitet der Bergbauingenieur Thomas Körber den Tagebau.

 „Mit der ‚Roten Linie‘ stellen wir uns schützend vor den Hambacher Wald und die betroffenen Dörfer. Unsere Linie ist ein Symbol für die Grenze der gefährlichen Erderwärmung, die nicht überschritten werden darf und zugleich für die Grenze des Abbaus der Kohle“,  heißt es in dem gemeinsamen Aufruf zur Demonstration. Die Verbände fordern einen schnellen und sozialverträglichen Kohleausstieg und die aktive Gestaltung des Strukturwandels. Die Braunkohlenreviere, die Beschäftigten und die vom Braunkohlenbergbau Betroffenen bräuchten endlich Klarheit über das Ende der Kohleförderung. Nur so könnten auch Konflikte sozialgerecht und friedlich gelöst werden.

Von der ‚Roten Linie‘ versprechen sich die Klimaschützer ein starkes Signal im Vorfeld der Bundestagswahl. „Bis hierhin und nicht weiter“ ist das Motto. Gerade jetzt brauche es ein unübersehbares Zeichen gegen die Kohle-Vorrangpolitik. Energiewendeland und gleichzeitig Kohleland zu sein passe nicht zusammen.

Gleichzeitig kündigten die Klimaschutz-Verbände weitere Massenproteste zum UN-Klimagipfel (COP23) im November in Bonn an.

Prof. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender
„Klimaschutz wird zur Makulatur wenn Kohlekraftwerke ungedrosselt weiter laufen. Der Kohleausstieg muss ganz oben auf die Agenda der nächsten Bundesregierung. Nur so sind auch die Landesregierungen in den Braunkohle-Ländern zu stoppen, die mit ihrer Pro-Kohle-Agenda die deutsche Klimapolitik sabotieren. NRW darf noch höchstens ein Viertel der vorgesehenen Braunkohlemengen abbauen, sonst sind die internationalen Klimaschutz-Verpflichtungen Deutschlands nicht zu halten. Der Verlust des wertvollen Hambacher Waldes durch die Braunkohlebagger ist trauriges Symbol der überflüssigen Zerstörung und muss gestoppt werden.“

Susanne Neubronner, Greenpeace Deutschland
„Gerade im Vorfeld zur COP 23 in diesem November in Bonn muss die Bundesregierung endlich handeln und einen Aktionsplan für die Reduktion von schädlichen Treibhausgasen vorlegen. Dieser muss die Abschaltung von klimaschädlichen Braunkohlekraftwerken beinhalten. Nur so ist das Ziel noch zu schaffen, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten und den Klimawandel zu stoppen.“

Kathrin Schroeder von MISEREOR, Sprecherin der Klima-Allianz Deutschland:
„In vielen Teilen der Welt sehen Menschen ihr Leben und ihre Heimat durch Dürren und steigende Meeresspiegel bedroht. Als Industrienation sind wir dafür verantwortlich, die globale Erwärmung und ihre Auswirkungen zu begrenzen. Deshalb muss der Ausstieg aus der Kohle bei der nächsten Bundesregierung ganz oben im Programm stehen!“

Verena Leyendecker, BUNDjugend:
„Dass so viele junge Menschen insbesondere in den letzten Tagen hier lautstark und friedlich protestiert haben, sollte RWE und ganz besonders der Politik gezeigt haben: uns ist nicht egal, dass ihr unsere Zukunft verfeuert. Die Folgelast über die wir hier reden - insbesondere die Erderwärmung und Ewigkeitsschäden -, die betrifft kaum noch die Personen, die heute darüber entscheiden. Die betrifft uns. Die betrifft unsere Generation.“

Mona Neubaur, Vorsitzende der GRÜNEN NRW: „Der heutige Protest bei der Roten Linie gegen Kohle hat sehr beeindruckend deutlich gemacht, dass die Verfeuerung von Braunkohle und die Vergiftung unseres Klimas keinen gesellschaftlichen Rückhalt mehr hat. Über 3000 Menschen haben friedlich und phantasievoll gezeigt, dass endlich Schluss sein muss mit Abbau und Verfeuerung des Klimakillers Braunkohle.

Deutschland hat das Pariser Klimaabkommen unterschrieben – wir Grüne nehmen diese Unterschrift ernst. Für uns gilt: Jetzt und nicht erst morgen oder übermorgen müssen wir anpacken für echten Klimaschutz. Wir müssen das gefährliche Aufheizen der Erde stoppen und drei Viertel der Kohlevorräte in der Erde belassen. Diese Rote Linie darf nicht überschritten werden.

Die Bundestagskandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir haben mit ihrer Teilnahme an der Roten-Linie-Aktion erneut gezeigt, dass die Grünen die Partei des Braunkohleausstiegs sind. Nur wir Grüne stehen für einen geregelten Ausstieg aus der Kohle und Umstieg zu Strom aus 100% erneuerbaren Quellen. Nur wir Grüne stehen für das schnellstmögliche Abschalten der 20 dreckigsten Kohlekraftwerke. Wir haben uns immer gegen ein weiteres Abbaggern der Kohle im rheinischen Revier gewehrt. Im Schulterschluss mit allen friedlichen Demonstranten haben heute auch zahlreiche Grüne bei der Roten-Linie-Aktion gezeigt, dass Braunkohle mit Grün keine Zukunft hat.

erschienen am: 2017-08-26 im europaticker

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