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BGA: Drohgebärden der Deutschen Umwelthilfe helfen der Luftreinhaltung nur wenig
Rund 300 000 Euro 5-Diesel stehen bei Vertragshändlern

"Das Vorgehen der Deutschen Umwelthilfe ist unverständlich. Die Städte zu verklagen dient nicht dem Umweltschutz, sondern vorrangig den finanziellen Interessen der Umwelthilfe, die sich scheinbar mehr und mehr als Abmahnverein versteht. Viel sinnvoller wäre es die Städte bei der Gestaltung einer modernen Infrastrukturplanung zu unterstützen, anstatt dringend benötigte, personelle Ressourcen durch die Klageverfahren abzuziehen.

Fahrverbote in urbanen Räumen sind weder wirtschaftlich noch ökologisch vertretbar, die Mehrverkehre durch Ausweich- und Umleitungsverkehre sind immens. Moderne Stadtplanung braucht eine intelligente, vernetzte Infrastruktur mit moderner Verkehrsführung, innovativen Parkleitsystemen und intelligenten Ampelschaltungen zur Vermeidung der umweltschädlichen Start-Stopp-Bewegungen." Dies erklärte Carsten Taucke, Vorsitzender des Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen BGA-Verkehrsausschusses, anlässlich der Ankündigung der Deutschen Umwelthilfe, in den kommenden Tagen gegen 45 weitere Städte formale Verfahren zur Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) einzuleiten.

Rund 300 000 Euro 5-Diesel stehen bei Vertragshändlern

Rund 300 000 Euro 5-Diesel stehen aktuell bei Vertragshändlern in Deutschland auf den Höfen. Das ergibt eine Hochrechnung des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Bei einem Durchschnittspreis von 15.000 Euro bilden diese Fahrzeuge aktuell einen Gesamtwert von rund 4,5 Milliarden Euro ab.

"Diese Fahrzeuge sind im Moment schwer verkäuflich, weil die Kunden verunsichert sind", sagt ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Zurzeit wisse niemand, ob und unter welchen Bedingungen diese Fahrzeuge von Fahrverboten betroffen sein könnten. "Wir brauchen klare Signale der Politik, wie es weitergeht. Ansonsten wird die Verunsicherung der Verbraucher ebenso weiter steigen wie der Preisdruck auf die Euro 5-Diesel", so Peckruhn.

Wie die Ergebnisse der Online-Befragung bestätigen, wirken sich die öffentlichen Diskussionen um den Diesel bereits jetzt auf die Wertentwicklung der Fahrzeuge aus. So bejahten 77,2 Prozent der Vertragshändler die Frage, ob sie ihre Diesel-Bestände bereits abwerten mussten. Darüber hinaus vermissen 84,7 Prozent der befragten Händler entsprechende Unterstützung ihres Herstellers oder Importeurs bei der Vermarktung der Dieselbestände. An der Online-Befragung des ZDK am 22. August 2017 hatten 718 Vertragshändler quer durch alle Marken teilgenommen.

Mehr Pendler sind aufs Auto angewiesen - Brossardt: "Verbesserungen statt Verbote"

Die vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. warnt angesichts der neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes über die Verkehrsmittelwahl von Berufstätigen erneut vor Fahrverboten. Laut des jüngsten Mikrozensus nutzten im vergangenen Jahr 68 Prozent der Berufstätigen für ihren Arbeitsweg den PKW, während nur 14 Prozent regelmäßig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit kamen. vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt macht deutlich: "Das Auto bleibt das mit Abstand wichtigste Beförderungsmittel für Berufspendler. Fahrverbote wären Gift für die Beschäftigten und die Betriebe."

Sogar auf Kurzstrecken lag der Anteil der PKW-Nutzer im Jahr 2016 bei 40 Prozent. Busse und Bahnen spielen mit nur 8 Prozent eine untergeordnete Rolle. Brossardt ruft die öffentliche Hand zu einer Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf: "Um die Luftreinhaltung in den Städten zu unterstützen, braucht es eine Stärkung emissionsarmer Beförderungsmittel im ÖPNV. Bund, Länder und Kommunen müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen und mit Flottenumrüstungen sowie einer intelligenten Verkehrssteuerung Fortschritte erzielen. Was wir brauchen, sind Verbesserungen, keine Verbote. Dazu zählen auch die Software-Updates der Hersteller und deren Kaufanreize für neue Dieselfahrzeuge: Beide Maßnahmen senken Emissionen dauerhaft."

Die vbw weist darauf hin, dass die Bedeutung der Mobilität weiter zugenommen hat. Der Anteil der Erwerbstätigen, die zwischen 30 und 60 Minuten zur Arbeit fahren, hat sich zwischen den Jahren 2000 und 2016 von 18 Prozent auf 22 Prozent erhöht. Brossardt dazu: "Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die Beschäftigten sind auf ihr Auto angewiesen."

AvD: Kaufanreize ersetzen aber nicht zukunftsweisende Konzepte
AvD hat Initiative "Autoland Deutschland" gegründet

Deutsche Hersteller haben am 08. August 2017 Prämienprogramme angekündigt: Beim Erwerb eines neuen Fahrzeuges einer jeweiligen Marke erhält der Käufer gegen Eintausch des gebrauchten, bisher gefahrenen Diesels einen finanziellen Vorteil. Das stellt die Umsetzung einer der Vereinbarungen zwischen Politik und Fahrzeugherstellern aus dem "Dieselgipfel" am 02. August 2017 dar. Der AvD begrüßt diese Angebote als sinnvolle Ergänzung des Maßnahmenpakets zur Verbesserung der Luftqualität in den Städten.

Die bei verbindlicher Bestellung eines Neufahrzeugs gebotenen Prämien unterscheiden sich in der Höhe, die sowohl vom ausgewählten neuen Wagen beim jeweiligen Hersteller als auch vom konkreten bisher gefahrenen Fahrzeug abhängt. Die einzutauschenden Altfahrzeuge dürfen beim Angebot einiger Autofirmen maximal die Euro 4-, bei anderen die Euro 3-Norm aufweisen. Zudem verlangen alle eine bestimmte Mindesthaltedauer für die in Zahlung zu gebenden Fahrzeuge. Der AvD rät Autokäufern, die sich für ein solches Angebot interessieren, sich beim Händler ihrer Wahl oder auf den Seiten des jeweiligen Herstellers zu erkundigen.

AvD Generalsekretär Matthias Braun zu diesen Angeboten: "Die Kaufprämien sind auch ein Schritt, das Vertrauen der Verbraucher in die Automobilindustrie wieder herzustellen. Allerdings ist die Politik weiter gefordert, zusammen mit der Wirtschaft und mit Verbraucherverbänden Konzepte für die künftige individuelle Mobilität jedes Verkehrsteilnehmers zu entwickeln. Dazu gehört auch, dass Pendler zu bezahlbaren Preisen die Ballungsräume mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können. Pendeln ist aber kein Selbstzweck. Deshalb muss dafür gesorgt werden, dass Leben in der Stadt bezahlbar bleibt und das Preisgefälle zwischen Stadt und Land nicht weiter zunimmt."

Der AvD fordert von der neuen Bundesregierung einen Mobilitätsplan 2030, der ein ganzheitliches Verkehrskonzept verfolgt. Im Mittelpunkt der Debatten müssen dabei zunächst die Möglichkeiten verschiedener Antriebskonzepte stehen. Zudem muss die Vernetzung der Verkehre vorangetrieben werden, um für eine durchgehende Verbindung von Individualverkehr und öffentlichem Verkehr zu bezahlbaren Preisen zu sorgen. Der AvD verlangt schon seit einiger Zeit, dass die Infrastruktur beständig und nachhaltig finanziert sowie die technische Entwicklung zur Sicherung der Arbeitsplätze gefördert wird. Dem rasanten Wandel in der Automobilindustrie muss mit innovativen Konzepten begegnet werden.

Der AvD hat deshalb die Initiative "Autoland Deutschland" gegründet, um einen Beitrag zur Sicherung der Zukunft des Automobillandes Nummer Eins zu leisten.

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Verhältnis der Regierungen zur Autoindustrie

Bild: Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, Quelle: Archiv

erschienen am: 2017-08-27 im europaticker

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