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Prämien der Automobilindustrie werden Neumarkt ankurbeln
Verschrottung sollte nur mit Verwertungsnachweis möglich sein
Scholz Recycling warnt vor Abfluss der Altfahrzeuge aus der EU

Die vorgeschlagenen Prämien zur Verschrottung von alten Dieselfahrzeugen werden von der Recyclingwirtschaft überwiegend positiv aufgenommen. Kai Lohmann, COO der Scholz Recycling GmbH, unterstützt das Engagement der Automobilindustrie: „Dies ist endlich ein Signal in Richtung der Verbraucher, die über viele Monate den Wert ihres alten Schätzchens schwinden sahen.“ Die Scholz Gruppe, als eines der wenigen europäischen Recyclingunternehmen, die den Nachweis erbracht hat, dass ein Fahrzeug zu mehr als 95 % verwertbar ist, sieht durchaus Chancen für die Branche. Je mehr Fahrzeuge zurückgegeben bzw. gegen ein Neufahrzeug getauscht werden, desto mehr Altfahrzeuge könnten auch in die Shredderanlagen der Scholz Gruppe gelangen.

Gleichzeitig warnt der Geschäftsführer der Scholz Austria GmbH, Manfred Födinger, vor einem vermehrten Abfluss der Altfahrzeuge aus der EU: „Wird die Verschrottung der Fahrzeuge nicht zwingend an die Vorlage eines Verwertungsnachweises gebunden, fließen die Altautos ab.“ Erfahrungen der letzten Jahre – insbesondere in Deutschland und Österreich - hätten gezeigt, dass der Verwertungsnachweis als Beweis für eine Verwertung in zugelassenen Anlagen ein „zahnloser Tiger“ sei und in der Praxis keine Rolle spielt, dadurch gelangen immer mehr Altfahrzeuge zu nicht zugelassenen Anlagen oder werden illegal exportiert. Die Verantwortung für den Empfang eines Verwertungsnachweises liegt nun zwingend beim Hersteller, denn dort wird die Prämie ausgezahlt. Ob die Hersteller überhaupt den Entsorgungsweg einschlagen oder die Altfahrzeuge ins Ausland verkauft werden, ist offen. Bisher haben lediglich VW und Opel angekündigt, die Altfahrzeuge über zertifizierte Verwerter verschrotten zu lassen.

In Deutschland sind insgesamt knapp 6,5 Mio. Dieselfahrzeuge zugelassen, die nur die Schadstoffnormen 1-4 einhalten. Derzeit ist nicht abzusehen, wie viele Fahrzeughalter tatsächlich von den „Umstiegs- oder Wechselprämien“ Gebrauch machen. Schließlich können die vorgeschlagenen Summen von 2.000 bis zu 10.000 € - geknüpft an Schadstoffklasse und Modell – durchaus Anreiz für den Neukauf eines Fahrzeugs sein. Wenn nur ein kleiner Teil der alten Dieselmodelle in Deutschland oder Österreich verwertet würde, hätte dies ähnliche Effekte wie zu Zeiten der Abwrackprämie in 2009, die zur Ankurbelung der Automobilkonjunktur erlassen wurde: „In 2009 ist ein Vielfaches an Altfahrzeugen in die Demontage und Shredderanlagen gelangt, dadurch konnten sie hochwertig verwertet werden. Die zurück gewonnenen Rohstoffe wurden überwiegend dem europäischen Markt wieder zugeführt,“ sagte Kai Lohmann dazu.

Damit auch in 2017 die „Verschrottungsprämie“ ein Erfolg für Verbraucher, Umwelt und Industrie wird, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Hintergrundinformationen zur Einführung einer Umstiegs-/Wechsel- oder Zukunftsprämie: VW und VW-Töchter: bei Verschrottung eines Diesels der Klasse Euro 4 und älter über zertifizierte Verwerter): 1.750 bis 10.000 € (je nach Modell), sowie Nachlässe für umweltfreundliche Antriebe (bis zu 2.380 € bei Anschaffung eines E-Fahrzeugs) und Prämie bei VW Nutzfahrzeugen: bis zu 10.000 € (z.B. Multivan)

Ford: Prämie bei Verschrottung eines Dieselfahrzeugs der Schadstoffnormen Euro 1, 2 oder 3 von 2.000 bis 8.000 € (weitere Voraussetzung ist Baujahr vor 2006).

BMW: 2.000 € Rabatt auf Euro-6-Diesel oder elektrifizierte BMW und Mini.

Toyota: 2.000 € Rabatt auf den Kauf eines Hybrid-Modells.

Renault: Wechselprämie beim Kauf eines Neuwagens unter dem Motto „Tschüss, alter Diesel!“ bis zu 7.000 €. Die Prämie wird Privatkunden auf den Kaufpreis eines neuen Renault angerechnet, wenn ein alter Diesel-Pkw mit Abgasnorm Euro 4 oder älter in Zahlung gegeben wird.

Daimler: Umstiegsprämie europaweit 2.000 € auf neue Diesel- und Plug-in-Hybridmodelle, wenn dafür ein Diesel mit Schadstoffnorm Euro 1 bis Euro 4 abgegeben wird.

Opel: Umweltprämie 1.750 bis 7.000 € von alten Dieselmodellen der Klasse Euro 1 bis Euro 4, Abgabe über zertifizierte Verwerter.

BGA: Drohgebärden der Deutschen Umwelthilfe helfen der Luftreinhaltung nur wenig
Rund 300 000 Euro 5-Diesel stehen bei Vertragshändlern

erschienen am: 2017-08-27 im europaticker

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