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Die Stadt Nürnberg hat in der Vergangenheit keinen Recyclingbaustoff eingesetzt und in
Ausschreibungen wurde dieser auch explizit ausgeschlossen
bvse: Nürnberg setzt künftig auf Recyclingbaustoffe im Straßenbau

Als Ergebnis eines erfolgreich verlaufenen Pilotprojektes soll künftig der Einsatz von Recyclingbaustoffen für den Straßenbau grundsätzlich möglich sein. SÖR bietet vielfältige Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Nürnberg. „Keine andere städtische Dienststelle hat ein derart breitgefächertes Aufgabenspektrum: von Ampeln, städtischen Brücken und Grünanlagen über Straßen, Wege und Plätze bis hin zu Straßenbeleuchtung, Spielplätzen und Winterdienst“, sagt Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. SÖR gliedert sich in fünf Abteilungen: Planung und Bau, Betrieb und Unterhalt, Straßen- und Verkehrsrecht, Frankenschnellweg und Verwaltung.

In einem Interview erläutert der Technische Werkleiter Marco Daume die Entscheidung des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR).
(Bild: Marco Daume, Technischer Werkleiter; Bürgermeister Christian Vogel, Erster Werkleiter; Ronald Höfler, Kaufmännischer Werkleiter (von links) Quelle: Stadt Nürnberg)

Die Stadt Nürnberg hat in der Vergangenheit keinen Recyclingbaustoff eingesetzt und in Ausschreibungen wurde dieser auch explizit ausgeschlossen. Trotzdem führte der SÖR ein Pilotprojekt im Nürnberger Hafen durch. Warum?

Marco Daume: Nun ist Nürnberg bekanntermaßen die zweitgrößte Stadt in Bayern und hat im Hafenindustriegebiet schlagkräftige Recyclingunternehmen, die auch ein wirtschaftliches Interesse haben, ihre gewonnenen Rohstoffe wieder in Umlauf zu bringen. Hier wurde in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Baustoff Recycling Verband Bayern umfangreiche Aufklärungs- und Lobbyarbeit durchgeführt. Um dem durchaus richtigen Ansatz der Wiederaufbereitung und Wiederverwertung von Baustoffen im Sinne der natürlichen Ressourcenschonung und der Vorbildfunktion der öffentlichen Hand gerecht zu werden, haben wir uns Anfang 2015 dazu entschlossen, mit einer Pilotmaßnahme eigene Erfahrungen beim Einsatz von Recyclingbaustoffen im Straßenbau zu machen.

Welche positiven Erfahrungen konnten gewonnen werden?

Marco Daume: Für den Einsatz von Recyclingmaterial im Bereich der Frostschutzschicht kann positiv bilanziert werden, dass im Rahmen der Auftragserfüllung alle Nachweise zur Eignung des RC-Materials vorgelegt wurden; ebenso alle notwendigen Lieferscheine sowie Mess- und Prüfprotokolle. Zudem entsprachen Einbaugeschwindigkeit und Handling im Wesentlichen dem Einbau mit natürlichen Baustoffen. Auch die Qualität des Straßenbauergebnisses kann als gleichwertig bezeichnet werden. Auch nach zwei zurückliegenden Wintern sind bislang - trotz stetiger Schwerverkehrsbelastung im Nürnberger Hafengebiet - keine Fahrbahnschäden auf den Einsatz von Recyclingbaustoffen zurückzuführen.

Wo Licht ist, ist meist auch Schatten: Welche Probleme haben sich bei der Baumaßnahme ergeben?

Marco Daume: Ja, es gab auch Probleme während der Ausführung. Konkret handelte es sich hierbei um Verdichtungsprobleme beim eingebauten Recyclingmaterial. Die geforderten Tragfähigkeitswerte konnten in Teilabschnitten nicht erreicht werden.

In gemeinsamer Abstimmung zwischen Stadt und ausführender Firma konnte anhand eines Probefeldes nachgewiesen werden, dass hier zunächst ein falsches Verdichtungsverfahren angewandt wurde. Statt mit einer Walzenverdichtung haben die Versuche gezeigt, dass die geforderten Verdichtungswerte von 120 MN/m² auf der Frostschutzschicht nur mit einer Plattenverdichtung erreichbar waren. Nach entsprechender Verfahrensumstellung konnten dann alle geforderten Verdichtungswerte erreicht werden.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für künftige Baumaßnahmen?

Marco Daume: Die zu erzielende Tragfähigkeit hängt entscheidend vom Verdichtungsverfahren ab. Insofern ist in Abhängigkeit des verwendeten Materials gleich zu Beginn der Maßnahme - am besten anhand eines Probefeldes - zu klären, welches Verdichtungsverfahren zur Anwendung kommen muss, damit die Vorgabewerte eingehalten werden können. Wir vermuten, dass sich noch deutlich bessere Ergebnisse der Tragfähigkeit mit der Verwendung von Recyclingschotter erzielen lassen. Wir werden es ausprobieren.

Welche Voraussetzungen müssen denn erfüllt sein, damit Recyclingbaustoffe bei künftigen Straßenbauprojekten in Nürnberg eingesetzt werden dürfen?

Marco Daume: Für uns ist der Einsatz von RC-Baustoffen als Standardbauweise - neben den natürlichen Baustoffen - im Straßenbau gut vorstellbar. Wir bleiben am Ball und haben daher für unsere Mitarbeiter/Innen aktuell einen eigenen Handlungsleitfaden zur sicheren Prüfungsanwendung erarbeitet. Liegen danach die Voraussetzungen des Einsatzes von Recyclingbaustoffen vor, werden wir deren Einsatz bei investiven Straßenbaumaßnahmen durch neutrale Ausschreibungsvorgaben entsprechend zulassen. Dann ist es letztlich dem Bietermarkt überlassen, ob RC-Baustoffe als wirtschaftlichste Angebote zur Anwendung kommen werden.

Wie ist ihre Prognose? Wie hoch ist der Anteil von Recyclingbaustoffen im Vergleich zu Naturbaustoffen in 10 Jahren?

Marco Daume: Prognosen sind hierbei sicher schwierig. Ich wünsche mir, dass der Anteil der gut verwertbaren Recyclingbaustoffe in den nächsten Jahren stetig steigt und somit ein nachhaltiger Verwertungskreislauf entsteht. Es würde noch mehr Akzeptanz und mehr Handlungssicherheit schaffen, wenn die Mantelverordnung, die unter anderem die rechtmäßige Anwendung von RC-Baustoffen unter ganzheitlicher Berücksichtigung des Wasser-, Boden- und Umweltschutzes sowie Abfallrechtes regelt, endgültig verabschiedet wird.

Wir in Nürnberg werden unseren Beitrag dazu leisten, dass der Anteil an Recyclingbaustoffen weiter steigt. Nur so lassen sich die knappen und wertvollen natürlichen Ressourcen schonen. Dies sind wir unseren Kindern und nachfolgenden Generationen schuldig.

Im Interview:

Marco Daume, Technischer Werkleiter des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR)

Nach dem Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität München im Jahr 1998 kam Daume als Referendar zur Stadt Nürnberg. Im Jahr 2001 legte er die große Staatsprüfung für den höheren bautechnischen Verwaltungsdienst in der Fachrichtung Ingenieurbau, Fachgebiet Straßenbau, ab. Im Anschluss wechselte er als Sachbearbeiter ins U-Bahnbauamt (in das frühere Tiefbauamt, Abteilung U-Bahnbau). Im Jahr 2006 stieg der damals 40-Jährige zum Leiter des Fachbereichs Bauvorbereitung und Baudurchführung auf, im Januar 2009 zum stellvertretenden Dienststellenleiter. Unmittelbar nach der Gründung des Sör im Jahr 2009 übernahm Marco Daume die Abteilung „Betrieb und Unterhalt“ und fungierte als Stellvertreter des Werkleiters in technischen Belangen. Seit dem 1. April 2013 ist Marco Daume Technischer Werkleiter des Servicebetriebs Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR).

Textquelle: bvse

erschienen am: 2017-08-27 im europaticker

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